Ein (etwas anderer) Ronchi-/ Foucault-Tester...

  • Hallo allerseits,


    1986 war ich noch Lehrling bei einem Formenbau- und Spritzgusswerk und in jenem Jahr besuchte ich im Wr. Planetarium einen Spiegelschleifkurs, welcher von Hermann Koberger (sen.), der sich inzw. auf Vilaflor, Tenerife (1500m Meereshöhe) eine eigene Sternwarte ("Estacion Astronomica Vilaflor") gebaut hat, geleitet wurde. Seine Kompetenz auf dem Gebiet des Spiegelschleifens war enorm und führte bei jedem Kursteilnehmer rasch zum Erfolg. Bei meiner Suche nach Infos übers Spiegelschleifen fand ich letztes Jahr durch einen puren Zufall unter der Website des Wr. astronomischen Büros ('astronomisches-buero-wien.or.at') ein Foto genau dieses Kurses und mit Erstaunen und Begeisterung erkannte ich mich auf dem Foto. Nach einer Kontaktaufnahme mit den beiden Herren Mucke sowie Koberger (jun.) erhielt ich ein weiteres Foto und die Genehmigung zur Veröffentlichung.




    Gerne erinnere ich mich heute noch an diesen Workshop, Hermann Koberger (sen.) hat mir (und vielen anderen) tolle Einsichten in das Gebiet der Optik, bzw. des Teleskop-Selbstbaus ermöglicht und darüber hinaus mein Interesse an Technik und Wissenschaft gestärkt.


    Was mir vor allem sehr gut in Erinnerung geblieben ist, ist nicht nur die einfache Technik, bzw. Arbeitsweise des Spiegelschleifens, sondern auch die geniale Konstruktion seines kombinierten Ronchi-/ Foucault-Testers - als hätte sich dies für immer in mein Gedächtnis gebrannt! Nun hab ich vor kurzem auf einer englischen Seite gelesen, dass sich Ronchi- und Foucaulttests nicht nur zum Prüfen von Spiegeln eignen, sondern auch zum Testen von Objektiven, was mich zum Bau eines kombinierten Ronchi-/ Foucault-Testers veranlasste. Diesen möchte ich hier nun gerne vorstellen.



    Zu aller erst fertigte ich eine grobe Skizze an, um mir im Voraus ein Bild des Geräts zu machen, gleichzeitig bezog ich ein paar eigene Überlegungen und Ideen in meine Konstruktion ein. Die meisten Tester, und auch jener, den wir im Spiegelschleifkurs hatten, waren recht einfach - beinahe schon primitiv aussehend - aus unbeschichteten Spanplatten gefertigt, was ja an sich auch völlig ausreichend ist. Doch, wie heißt es so schön? "Das Auge isst mit!" Deshalb beschloss ich, auch dem Aussehen meines Testers große Bedeutung beizumessen und so entschied ich mich, meinen Tester komplett aus Siebdruckplatten (beidseitig beschichtete Multiplexplatten) zu fertigen.


    Die Grundplatte ist eine 21mm dicke Siebdruckplatte, auf ihr habe ich für die Führung des Messschlittens zwei Wellenböcke und eine gehärtete Linearwelle geschraubt. Diese nimmt zwei Linearlager mit Gehäuse auf, welche zusammen mit einer 21mm dicken Siebdruckplatte den Messschlitten darstellen. Die Platte für den Messschlitten hat zusätzlich einen Ausschnitt, um zu vermeiden, dass der Messschlitten eventuell mit der Lichtquelle zusammenstößt.



    Eine Siebdruckplatte, 21mm dick, die im 90-Grad-Winkel an die Grundplatte geschraubt ist, stellt die Basis für den Feintrieb - dieser ist ein M6-Gewindetrieb - sowie die Messfläche für die Messuhr dar. (Ich bin noch am Überlegen, ob ich den jetzigen Gewindetrieb später durch eine Einbau-Messschraube ersetze.) Damit der Feintrieb, bzw. die Stellschraube sich - bedingt durch den Federzug des Messschlittens - nicht direkt ins Holz drückt, habe ich an die entsprechende Fläche ein Objektträger-Glas, wie es in der Mikroskopie benutzt wird, geklebt. Ein ebensolches dient - teils aus demselben Grund, teils aus Gründen der Messgenauigkeit - als Messfläche für die Messuhr, bzw. die Messspitze.



    Eine weitere Stellschraube, die senkrecht an den Messschlitten angebracht ist, dient zum Einschwenken der Messerschneide - diese ist eine gewöhnliche Rasierklinge - in den Strahlengang. Der Messschlitten steht in zwei Richtungen unter permanenten Federzug, einerseits gegen den Feintrieb, andererseits gegen die ,,Einschwenk"-Stellschraube. Auch bei der ,,Einschwenk"-Stellschraube habe ich ein Objektträger-Glas an die Grundplatte geklebt, damit sich die Schraube durch den Federzug nicht ins Holz drückt.



    Der Messschlitten nimmt zwei Dinge auf:


    1.) Die Messuhr, die justierbar an den Messschlitten geschraubt ist - justierbar deshalb, damit sich beim Einschwenken der Messerschneide in den Strahlengang der Messwert nicht ändert.


    2.) Der Träger für die Messerschneide und das Ronchigitter. Der Träger kann mit einem an den Messschlitten geschraubten Kniehebelspanner fixiert werden. Ursprünglich wollte ich den Träger fix an den Messschlitten schrauben, dies habe ich jedoch wegen dem Handling beim Ronchitest wieder verworfen.



    Der Träger für die Messerschneide, bzw. das Ronchigitter besteht aus zwei Platten: Eine 21mm dicke Siebdruckplatte sowie eine 9mm dicke, abgeschrägte Siebdruckplatte. Die Messerschneide ist mit M3-Schrauben an der Platte angeschraubt. Für die Befestigung des Ronchigitters habe ich zwei Objektglas-Klemmen, wie sie auch bei Mikroskopen an den Objektträgern zu finden sind, geschraubt. So ist ein einfacher und rascher Wechsel verschiedener Ronchigitter gewährleistet.



    Nun zur Lichtquelle: Diese ist ,,turmförmig" aufgebaut und besteht aus drei 21mm Siebdruckplatten, vier M3-Gewindestangen, und zwei Lochrasterplatinen. Eine 9V-Blockbatterie, ein 180Ohm-Widerstand, ein Kippschalter und eine weiße 10mm-LED sorgen für genügend Licht beim Prüfen. Ein Vierkant-Alurohr dient als Träger für die beiden Blenden, zur Auswahl stehen eine Lochblende (,,künstlicher Stern") und eine Spaltblende (0,1mm breit) zur Verfügung. Der gesamte ,,Lichtturm" ist geringfügig drehbar an der Grundplatte des Ronchi-/ Foucault-Testers befestigt, der Träger für die Blenden ist leicht abnehmbar, bzw. lediglich über den ,,Lichtturm" gestülpt.


    Die Lochblende habe ich aus 0,1mm-Alublech gefertigt. Hier waren einige Versuche nötig, um mit einer entsprechend dünnen Stecknadel ein möglichst kleines Loch in das Blech zu stechen. Die Lochblende habe ich mit einer Karosseriescheibe, bzw. M3-Schrauben an das Vierkantrohr geschraubt. Die Spaltblende war hingegen etwas einfacher zu fertigen, sie besteht aus zwei Rasierklingen, die ich aus einem Einwegrasierer ausgebaut habe. Die Klingen habe ich ebenfalls mit M3-Schrauben an das Vierkantrohr geschraubt und unter einem Mikroskop habe ich vor dem endgültigen Festschrauben den Lichtspalt von 0,1mm eingestellt.


    Die Herstellung des Ronchigitters war recht einfach: zuerst habe ich mit einem Bildbearbeitungsprogramm 2mm dicke Striche gezeichnet, diese sind ebenfalls 2mm voneinander entfernt. Anschließend habe ich dies 1:1 auf A4-Briefpapier ausgedruckt und den Ausdruck mit einer guten alten analogen Kamera unter Verwendung eines 50mm-Objektivs aus 1 Meter Entfernung abfotografiert, als Film verwendete ich gewöhnlichen SW-Kleinbildfilm. Nach dem Entwickeln des Films erhielt ich recht saubere Ronchigitter, die ich noch - zwecks Handling - zwischen quadratischen, bzw. mittig gelochten DC-Fix-Folien geklebt habe. Dieses Verfahren der Herstellung eines Ronchigitters entnahm ich aus dem Buch ,,Spiegeoptik" v. Kurt Wenske (SuW-Taschenbuch Nr. 7).


    Die ersten Ronchi- und Foucaulttests an einem 10" F/5-Spiegel waren recht vielversprechend, jedoch stellte ich fest, dass die LED doch ein wenig zu hell ist. Ein kleines Stück in den Strahlengang geschobene Graufilterfolie behob jedoch rasch dieses Problem. Hier werde ich mir aber noch einen Dimmer für die LED überlegen. Als weitere Verfeinerung klebte ich im Vierkant-Alurohr, direkt hinter Loch-, bzw. Spaltblende je ein kleines Stück Milchglas.


    Gruß Romeo

    Es gibt nur eine wirklich wichtige Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in einer Hühnersuppe!

  • Hallo

    Und Herzlich Willkommen im Forum!


    Was du da gebaut hast sieht echt sehr gut aus. Gefällt mir. Auch wenn ich (noch) keine Ahnung hab was das genau ist, was es macht und wofür man es braucht.

    Dazu bin ich noch zu frisch in der Materie.


    Um die LED zu dimmen brauchst du eigentlich nur ein Poti das dir die Spannung regelt. Es sollte nur genug Leistung vertragen um nicht warm zu werden.


    Gruß Schreddl

  • Hallo Schreddl,


    Es ist ein Prüfgerät zum Prüfen von (vorwiegend selbstgeschliffenen) Teleskopspiegeln. Mit meiner Variante sind der Ronchi- und der Foucaulttest möglich.

    Siehe hierzu http://www.otterstedt.de/wiki/…ucault_Test_%28Theorie%29 und https://www.spektrum.de/lexikon/optik/ronchi-test/2864.

    Um die LED zu dimmen brauchst du eigentlich nur ein Poti das dir die Spannung regelt.

    Einzelne LED's stufenlos dimmen, wie bei Glühbirnen, geht so ohne weiteres nicht, weil sie keine lineare Strom-Spannung-Kennlinie haben. LED's gehören zu den Halbleiter-Bauelementen, hierbei ist ein Mindestmass an Spannung - die sg. Schwellspannung nötig, damit die LED leuchtet. Nach Erreichen der Schwellspannung sollte ebenfalls die maximale Spannung bzw. der maximale Strom begrenzt werden, das diese Werte überproportional zunehmen und somit die LED zerstört werden kann.

    Gruß Romeo

    Es gibt nur eine wirklich wichtige Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in einer Hühnersuppe!

  • Einzelne LED's stufenlos dimmen, wie bei Glühbirnen, geht so ohne weiteres nicht, weil sie keine lineare Strom-Spannung-Kennlinie haben. LED's gehören zu den Halbleiter-Bauelementen, hierbei ist ein Mindestmass an Spannung - die sg. Schwellspannung nötig, damit die LED leuchtet. Nach Erreichen der Schwellspannung sollte ebenfalls die maximale Spannung bzw. der maximale Strom begrenzt werden, das diese Werte überproportional zunehmen und somit die LED zerstört werden kann

    Das ist mir bewusst / bekannt.

    Ums einfach zu halten würde aber ein normales Poti ausreichen.

    Es muss nicht gleich ein PWM Dimmer sein.


    Gruß Schreddl

  • Hallo Roman,


    herzlich willkommen auch von mir.


    Ich habe nie Spiegel geschliffen, aber die einfache Kombination von einem Apparat für Ronchi- und Foucault Test scheint mir beeindruckend.


    Ich habe mich nur theoretisch mit dem Ganzen beschäftigt, indem ich z.B. für Wolfgang Rohr den Original-Text des frz. Lyot-Testes (Rauheits-Test) übersetzt habe und auch eine deutsche Anleitung zum Roddier-Test geschrieben habe: Eigener Strehl-Test ?!: deutsche Anleitung zu WinRoddier


    Leider fehlen infolge eines Crashes auf dem Forum sämtliche Bilder in letzterem (Roddier-) Beitrag. Ich habe die Bilder leider nicht mehr, aber ich habe noch eine pdf - Kurzfassung, die ich - vor dem Beitrag, der viel ausführlicher ist - mal an Wolfgang Rohr geschickt habe, die ich unten anhänge.


    Liebe Grüβe und danke, daβ Du Dich angemeldet hast !