Kind hat ein Teleskop bekommen und der Vater steht wie der Ochs vorm Berge

  • Hallo zusammen,

    meine Tochter(11) hat von einem Nachbarn ein Teleskop mit Stativ geschenkt bekommen und freut sich schon auf die ersten klaren Nächte um es einzusetzen. Jetzt hab ich schon versucht mich schlau zu machen, aber bisher ohne dne gwünschten Erfolg. Wir haben das Teleskop mit Stativ schon aufgebaut und entstaubt, Auch erste Erfolge beim beobachten der 200m Entfernten Baustelle hatten wir schon. Wir haben nur ein 23 mm Okular und meine eigenen Recherchen haben ergeben das für Himmelsbeobachtungen verschiedene Okulare hilfreich wären.

    Vielleicht kann mir jemand helfen könnte die ganze Sache einzuschätzen. Ich habe in verschieden Beiträgen über das Teleskop schon alles mögliche gelesen, von das taugt hauptsächlich für terristische Beobachtung bis zu für Anfänger gut geeignet. Ich wäre auch bereit noch Okulare zu kaufen wenn es sich dafür Übehaupt lohnt. Zu dem Stativ habe ich überhaupt nichts rausgefunden. Ichg würde halt gerne mal mit meiner Tochter den Mond betrachten und vielleicht auch mal einen Planeten zu sehen.


    Mit freundlichen Grüßen Frank

  • Hallo Frank, willkommen im Forum! ich schreib heute Abend mal was, muss aber jetzt noch mal weg.

    Gruß

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1000 Zollstock-Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton


    https://astronomiefreunde-kn.de/

    Edited once, last by Kaffee ().

  • Hallo Frank,

    so jetzt hab ich etwas Zeit.

    Mit der Tochter die Sterne beobachten, das kenne ich. Meine Tochter wird demnächst 11 ;-)

    Euer Teleskop erinnert nicht nur von der Farbe her an die 80er. Es könnte ein Teleskop von Revue/Quelle sein, das damals

    der meist unerfüllbare Traum aller Sternenbegeisterten Kinder und Jugendlichen war.

    Vorne dürfte eine Glasscheibe sein auf der etwas von "Catadioptric" steht.

    Es ist kein reines Linsenteleskop und auch kein reines Spiegelteleskop sondern eine elegante Mischung aus beidem.

    Ein Spiegel an Boden bündelt die Strahlen, aber das Teleskoprohr ist viel kürzer als die außen angegebene Brennweite.

    Die Rettung ist eine spezielle Linse, die die Strahlen "verbiegt" und so dazu führt dass das Teleskoprohr nicht verlängert werden muss

    und die Fehler die der Spiegel ins Bild eingefügt hat wieder verschwinden. Das kurze Teleskoprohr wackelt nur wenig,

    und weil vorne eine Glasscheibe sitzt gibt es kaum Luftwirbel die das Bild stören.
    So zumindest die Theorie, wenn alles gut eingestellt ist. Aber jetzt gehen wir einfach mal vom Idealfall aus.


    Jetzt wird es mal kurz spekulativ...

    Ich tippe darauf dass ihr ein Teleskop mit 114mm Spiegeldurchmesser und 1000mm Brennweite habt.

    Nämlich genau so eins:

    https://www.photoinfos.com/ast…ue-Catadioptric-114mm.htm

    (Ende der Spekulation)


    Um die Vergrößerung zu berechnen wird die Teleskopbrennweite (Auf dem Teleskop angegben mit "F") durch die auf dem Okular angegebene

    Brennweite geteilt. Also zum Beispiel 1000mm / 23mm = ca 43-fache Vergrößerung.


    Das ist schon mehr als genug um die Streifen und die auf 4 großen Monde von Jupiter zu sehen, oder die Ringe von Saturn als "Ohren" zu sehen.

    Auf dem Mond gibt es auch einiges damit zu sehen. Wenn die Mondsichel schmal ist werfen die Krater breite Schatten, die die Oberfläche wunderbar plastisch erscheinen lassen. Objekte außerhalb des Sonnensystems, also Nebel, Galaxien usw sind nicht die Paradedisziplin von Teleskopen unter 150-200mm Durchmesser, es ist eher enttäuschend nach langem Suchen ein blasses Fleckchen zu entziffern, wo man eigentlich den "Seite-1-Sternhaufen" M13 erwartet.


    Jetzt zum praktischen Teil:

    Zum Teleskop

    Der Sucher, also das schräg herausragende Rohr ist ins Teleskop integriert, ich habe keine Idee wie der justiert wird. Wenn ein Kirchturm angepeilt wird, muß der Sucher in etwa das zeigen was das Teleskop auch zeigt. Solange das nicht gelingt, sucht man sich am Nachthimmel einen Wolf.


    Jedes Teleskop muß ein wenig abkühlen. Ein geschlossenes Teleskop weniger als ein offenes. Wenn meine Spekulation (siehe oben) zutrifft, dann habt ihr ein geschlossenes Teleskop. Ein halbes Stündchen vorher nach draußen stellen, dann passt das.


    Der am Boden des Teleskops sitzende Spiegel muß (nach jedem größeren Transport) justiert werden. Bei meinem (Newton-Spiegel-)Teleskop gibt es auf der Unterseite 3 Handschrauben, mit denen die Neigung des Spiegels in jede Richtung justiert werden kann. Das geht am besten Nachts an einem Stern in richtung Norden (Die laufen nicht so schnell weg). Stern ganz unscharf stellen, und es erscheint ein heller Fleck mit einem dunklen fleck. Der dunkle Fleck ist der schatten des kleinen Umlenkspiegels. Die Kunst ist jetzt, den Spiegel am Boden so zu verstellen dass dieser Schatten schön in die Mitte kommt und der helle Fleck drumrum keinen "Bauch" in irgendeine Richtung hat.


    Zum "Unterbau"

    Das sieht nach einer sogenannten parallaktischen Montierung aus, eventuell sogar mit einem kleinen Motor.
    Die Einstellungen spalten sich in zwei Teile:

    Balance und Ausrichtung.


    Es gibt an dem "Unterbau" Stellrädchen und Klemmschrauben. Dreht man an den Stellrädchen, dann bewegt sich das Teleskop. Löst man die Klemmschrauben, sackt es ab.

    Damit die Zahnrädchen nicht brechen, muß das Gewicht des Teleskops so ausbalanciert werden dass man es mit gelöster Klemmschraube mit einer Fingerspitze in seinen Achsen gedreht werden kann.

    Dazu wird der "Tubus", also das orangefarbene Rohr in seiner Klemme verschoben und für die andere Achse das schwarze Kontergewicht auf seine Achse verschoben. Das funktioniert nicht über den ganzen Bereich, man sollte also grob wissen in welcher Höhe man beobachten wird.
    Den Einblick, also den Blick durchs Okular, solltet ihr euch so angenehem wie möglich gestalten. Dazu kann der Tubus in der Schelle gedreht werden.


    Die Ausrichtung am Himmel ist schwieriger, aber kein Hexenwerk:

    http://www.afw2000.de/Elemente…ktischen%20Montierung.pdf


    Wenn ein Motor dabei ist, dann kann der die scheinbare Drehung des Himmels ausgleichen. Der Effekt: Das was man beobachtet bleibt lange im Okular zu sehen.


    Ich glaube das war erst mal genug "Druckbetankung".

    Schreibt mir was für Fragen ihr habt, und ich werde versuchen sie zu beantworten.


    Bis dahin viel Spass unter den Sternen


    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


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