Etwas für Perfektionisten

  • Vorbemerkung:


    Eine Vorschrift, wie ein Certificate aussehen muß, kenne ich nicht. Die folgende Sammlung zeigt nur, wie vielfältig die Certifikate sein können.
    Viele dieser
    Papiere halten bewußt wesentliche Informationen zurück, weil bestimmte Zeitgenossen auf einschlägigen Foren nur darauf warten,
    solche Certifikate als selbst
    ernannte "Sachverständige" zerpflücken zu können. Dieser negative Verriss kommt immer von Leuten, die wenig bis
    gar keine Erfahrung aus der Meß
    praxis haben, das aber mit einem aufgeblasenes Theorieverständnis kompensieren und schlicht nur die Foren
    vollschreiben. Diese als "Strehlis" titulierte User fokussieren sich hauptsächlich auf diesen einen Wert, der auf der opt. Achse entstanden ist.
    Sie interessieren sich weder für die Spektralfarbe, in der er entstanden ist, noch für die Situation im Bildfeld, noch für die Kontrast-Übertragung
    und viele andere Merkmale einer Optik. Eine differenzierte Fehler-Diskussion ist ihnen fremd. Selbst die renommiertesten Hersteller haben
    keinerlei Angaben zur "Meßgenauigkeit", wie einer aus der Szene gebetsmühlenartig laufend fordert.


    Auch kenne ich keinen Beitrag, wo sich jemand einmal gründlich mit den Anforderungen von Certifikaten auseinandergesetzt hätte.
    Auf etwa diesem Niveau wird das dann "besprochen"

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@line8A-1000.jpg]

    01. Spiegel-Vermessung:


    Hauptsächlich Newton-Spiegel werden auf zwei grundsätzlich verschiedene Weise vermessen:


    A: Die Messung auf einer horizontalen Linie durch den opt. Mittelpunkt
    B: Die Messung der Gesamtfläche


    Bei der Linien-Messung (A) verschwindet der Astigmatismus als Fehler,
    der PV- und Strehl-Wert fällt sehr hoch aus.
    ( Nur wenn der Astigmatismus nachweislich sehr klein ist, ist diese Testmethode vertretbar )


    Zur qualitativen Messung der Gesamtfläche gehören u.a. der Foucault-, der Ronchi-Gitter, der Sterntest
    zur quantitativen Messung der Gesamtfläche u.a. der Interferometer-, der Roddier-Test, weil aus ihnen
    die zahlenmäßige Abweichung der Wellenfront ermittelt werden kann.


    Knackpunkt dieser Messungen ist der Astigmatismus, der bei einer Flächenmessung in das Ergebnis
    eingeht, bei einer Linien-Messung quantitativ nicht erfaßt werden kann. Aus diesem Grund unterscheiden
    sich Strehl- und PV-Ergebnisse gravierend, wenn sie durch eine Linienmessung, wie beim Caustik- oder beim
    quantitativen Foucault-Test ermittelt worden sind.
    Man muß also sehr darauf achten, auf welche Weise die quantitativen Werte ermittelt worden sind.
    Weil die Amateur-Szene oft eine bodenständige Diskussion vor lauter Theorie fast völlig vermissen läßt, habe
    ich einmal eine kleine Sammlung, der mir zugänglichen Certifikate zusammengestellt. Also alles Dokumente, die
    Auskunft geben sollen zur Qualität einer Optik. Entweder verfranst sich die Diskussion am Strehl, oder besser
    noch an der Fehler-Quote dieser bekannt streuenden Meßtechnik, oder man hat die Diskussion, wie weit man
    dem Lyot-Test glauben darf, oder man propagiert den quantitativen Foucault-Test, der statt die Fläche zu
    messen, nur über eine Linie mißt und damit den Astigmatismus nicht erfaßt, jedenfalls sind es oft die immer
    gleichen Meinungsführer, die es natürlich immer ganz genau wissen. Eine Übersicht über die opt. Fehler
    findet man hier: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=6659


    02. Vermessung von Linsen-Systemen


    Bei Linsen-Systemen bzw. einem Refraktor spielt das Lichtspektrum, in dem gemessen wird, eine wesentliche Rolle.
    Für gewöhnlich wird in der Hauptfarbe = e-Linie = 546.1 nm wave gemessen, bei Rot wäre ein Refraktor unter-, bei
    Blau überkorrigiert. Ein SC fällt bei Grün wegen der Überkorrektur häufig schlechter aus, als bei Rot. Da alle Strehl-
    Angaben aus Interferogrammen resultieren, die auf der opt. Achse entstanden sind, lassen sich zur Tauglichkeit von
    fotografischen Systemen fast keine Aussagen treffen: Hier ist die Untersuchung im Bildfeld das Wesentliche. Eine
    differenzierte Betrachtung bezogen auf den Verwendungs-Zweck oder das opt. System unterbleibt nahezu immer.
    Verstanden wird offenbar auch nicht, ein System fehlerspezifisch zu untersuchen, auch im Hinblick darauf,
    welche Auswirkung sie bei der praktischen Anwendung haben.


    [B]03. Meßgenauigkeit und Testbedingungen


    [/B]Und weil bestimmte "Experten" im Metall-Bereich beruflich zu tun hatten, glauben sie allen Ernstes, die dortigen
    Kriterien auch auf den Optik-Bereich anwenden zu können. Unermüdlich wiederholen diese Geister dann das
    Argument der "Meßgenauigkeit" und möchten allzugerne die Testbedingungen diskutieren. Durchleuchtet man
    im Gegenzug dann deren Test-Bedingungen und was davon veröffentlicht wird, dann bleibt von dieser Forderung
    nichts mehr übrig.



    04. opt. Achse versus Bildfeld


    Die meisten Test-Verfahren liefern eine Qualitäts-Angabe ab, die auf der opt. Achse entstanden ist. Ein Astro-Fotograf
    möchte aber die Abbildungs-Qualität in den Ecken seines Bildfeldes wissen. Da hilft meistens nur ein überzeugendes
    Rohbild als Nachweis.



    05. Horizontaler Testaufbau


    Fast alle Test-Anordnungen sind horizontal aufgebaut. Demzufolge entstehen bereits opt. Fehler, die nur aus dem Test-
    Aufbau selbst erklärt werden müssen. Das ist einmal Koma, wenn der Aufbau nicht exakt zentriert wurde, und Astigmatismus,
    wie er unter anderem aus der Lagerung der opt. Komponenten und deren Anordnung entsteht.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@line8A-1000.jpg]


    Die nun folgende Bilderserie muß ich nicht groß kommentieren. Es sind allesamt Certifikate, wie sie beim Verkauf
    von Teleskop-Optiken im deutschen Sprachraum eine Rolle spielen, und offenbar akzeptiert werden, vom Hersteller,
    der sie für ausreichend hält, und vom Händler bzw. Kunden, der sie dann bekommt. Wenn man sich also im Rahmen
    dieser Certifikate bewegt, sollte doch eine "Besserwisser"-Diskussion eigentlich überflüssig sein.


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS / keine Angabe: Strehl, Wellenfront, Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    Man beachte vor allem die RMS-Angabe bei diesem Certificate, dies muß deshalb erst in einenStrehl-Wert
    umgerechnet werden !

    Strehl 0.947 PV L/6.36
    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate01.jpg]


    Ein Certifikat vom gleichen Hersteller, offenbar "getürkt" !
    Strehl 0.981 PV L/9.17
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@AlterM715_02.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    Strehl 0.976 PV L/7.04


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate02.jpg]


    Strehl 0.952 PV L/5.74


    [IMG:http://rohr.aiax.de/bild2fa2.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl(Beiblatt) / keine Angabe: Streubreite
    Strehl 0.971 PV L/5.88


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate03.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite bzw. Meßgenauigkeit


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate04.jpg]


    Flächen-Messung: Unübliches Interferogramm, die Ergebnisse stimmen nicht mit dem Interferogramm überein. Datum, Firma und Prüfer
    fehlen, ebenso die Identifikations-Nummer mit der Optik.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/OfficinaStellare.jpg]


    Linien-Messung: Angabe: PV / keine Angabe Wellenfront, Streubreite bzw. Meßgenauigkeit, selbst als qualitativer Test wertlos



    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate05.jpg]


    Linien-Messung: Zemax gerechnetes Interferogramm u. Werte / keine Angabe: Streubreite


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate06.jpg]


    Linien-Messung: gehört zum vorherigen Certifikat


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate07.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront /
    Astigmatismus u. Coma differenziert / keine Angabe: Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate08.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl / keine Angabe: Wellenfront, Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    Strehl 0.966 PV L/6.09


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate09.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite
    Strehl 0.970 PV: keine Angabe
    [IMG:http://rohr.aiax.de/APQ97003_05.jpg]


    Strehl 0.987 PV: keine Angabe


    [IMG:http://rohr.aiax.de/APQ97003_05B.jpg]


    Strehl 0.972 PV L/6.25


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TMB_Nr105_05.jpg]


    Strehl 0.963 PV L/4.95


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TMB-K04.jpg]


    Strehl 0.983 PV L/4.68


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TMB-SpKu32.jpg]


    Strehl 0.978 PV L/4.34


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TMB-SpKu33.jpg]


    Strehl 0.967 PV L/4.71


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TMB-SpKu09.jpg]


    Strehl 0.980 PV L/6.06


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TMB-SpKu31.jpg]


    Vor einigen Jahren stellte James Mulherin noch die Orginal-Interferogramme ins Netz. Bei diesen IGrammen war der Randbereich schwach belichtet, sodaß
    man bestimmte Fehler schlechter erkennen konnte. Diese Zertifikat enthält alle wichtigen Daten, um die Messung nachvollziehen zu können. Das IGramm
    selbst ist computer-erstellt, womit die Artefakte und kleiner Strukturen nicht mehr wahrnehmbar sind.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/OMI-TReport.jpg]


    Das folgende Zertifikat ist wertlos: Es fehlen eine Reihe von Angaben, die unbedingt in ein Meßprotokoll gehören:
    - das optische System, - die Meßwellenlänge (besonders bei einem Refraktor), der Name des Meßtechnikers, und schließlich - der Strehlwert, nachdem der RMS-Wert
    ja angegeben worden ist.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate21.png]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    Strehl 0.903 PV L/2.8


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate10.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite
    Strehl 0.981 PV L/6.83


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate11.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@ori01.jpg]


    Linien-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate12.jpg]


    Linien-Messung:


    [IMG:http://rohr.aiax.de/LBT-B.jpg]


    [IMG:http://rohr.aiax.de/mirror3.jpg]



    [IMG:http://rohr.aiax.de/mirror3A.jpg]


    Flächen-Messung: Angabe: PV, RMS, Strehl, Wellenfront / keine Angabe: Streubreite


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate13.jpg]


    Linien-Messung: Angabe: PV, Wellenfront / keine Angabe RMS, Strehl, Streubreite bzw. Meßgenauigkeit
    [IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate14.jpg]


    Völlig untaugliche Behauptungen
    William FLuoroStar FLT-132 deutlich überkorrigiert


    [IMG:http://rohr.aiax.de/Fluoro132_08.jpg]


    Unbewiesene Behauptungen Siehe deswegen hier:
    Gladius CF 315/7875 HS_R = 2392 mmGladius - Diskussion Teil II mit Paolo Lazzarrotti


    [IMG:http://rohr.aiax.de/certificate.jpg]


    Nur über Zygo- oder Wyko-Certifikate gibt es eine gewisse Vereinheitlichung, alle
    übrigen Certifikate spielen in einem größeren Bereich und keines dieser Beispiele
    gibt eine Streubreite bzw. Meßgenauigkeit an, wie einiger der Hobby-Optiker es gerne möchten.


    http://www.nova-optical.com/shoptour.htm


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@nova.jpg]


    Die zuletzt gezeigten "Certifikate" sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen!


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@line8A-1000.jpg]


    Auch ein Certificate: als Vergleich zum Thema Strehlwert, -Streuung, Testaufbau, Wiederholgenauigkeit etc.
    _______________________ als Gegenbeispiel aus der Praxis der Profi-Astronomie

    [B][IMG:http://rohr.aiax.de/certifikate98.jpg][/B]

  • Hallo Wolfgang !
    Zum glück komme ich noch mit meinem 10 Ts dobson f6,3 zu dir um meine optik mit fangspiegel vermessen zu lassen ( hauptspiegel hast du ja schon gemessen) !
    Da kann ich mir mal so einen mess aufbau genauer anschauen und mir einiges erklären lassen !
    Ich bringe dann auch den wisch mit den ich von Orion UK bekommen hab !
    Grüße Timo

    "Dunkel die andere Seite ist .....!"
    "Halt's maul,Yoda, und mach das Licht an!"

  • Hallo Timo,


    bin um jedes fremde Certifikat sehr dankbar, auch deswegen, weil man damit
    seine eigenen Messung überprüfen kann, was ich jedem nur raten kann. Wahr-
    scheinlich schaut Dein Certifikat so ähnlich aus, wie die Nr. 2 oben.


    Alle Certifikate enthalten übrigens nur quantitative Ergebnisse, die sich meistens
    auf den Öffnungsfehler beziehen, also alle qualitative Tests wie Stern-, Foucault-,
    Ronchi-, Lyot-, Streulicht- und Ronchi-Test und Test auf Bildqualität, und Rotations-
    Symmetrie meistens unterbleiben. Auch bei allen SC-Systemen fällt der Gauss-
    fehler unter den Tisch.

  • Hallo Wolfgang !
    Nicht einmal das auf der Auswertung sind nur 2 tests einmal ein bild von einem Astigmatism Test. Inside focus at radius of curvature.
    Und einmal ein Double Pass 300LPI Ronchi Gram Inside focus !
    Mehr ned !
    Grüße Timo
    P.S. Hat wolfi sich schon mit dir in Verbindung gesetzt ?

    "Dunkel die andere Seite ist .....!"
    "Halt's maul,Yoda, und mach das Licht an!"

  • Hallo,
    Stimmt schon, da gibt es doch ziemliche Ungereimtheiten! Im Grunde sind die Zertifikate alle ungenügend, weil entweder nicht dabeisteht wie die Messwerte genau zustande gekommen sind, oder weil die Methode an sich ungenügend ist.
    Wobei aber eines zu bedenken ist: Ich würde einem Testzertifikat von Zambuto, auf dem nur eine Linienmessung angegeben ist, mehr Gewicht beimessen, als anderen die größeren Aufwand betreiben. Daß nur eine Foucault Auswertung grafisch dargestellt ist bedeutet noch nicht, daß da nicht doch mehrere unterschiedliche Testverfahren ausgeführt wurden.
    Grüße Martin

  • Hallo Marty,

    bei der "Philosophie" was gemessen werden soll, wird man sich zunächst am
    opt. System orientieren müssen. Ein Fraunhofer/Apochromat wirft andere
    meßtechnische Probleme auf, wie ein Mac/SC oder irgend ein Newton-System.

    Dann wird man sich idealerweise auf Autokollimations-Messungen oder eine
    andere Art der Nullmessung (Kompensation) einigen.

    Erst dann wird man über differenzierte Tests die Qualität der bilderzeugenden
    Wellenfront untersuchen
    - auf Öffnungsfehler bzw. grobe Flächenfehler
    - auf feinstrukturierte Flächenfehler
    - auf Astigmatismus / Koma
    - auf Streulicht oder kontrastmindernde Einflüsse.
    - auf Farbfehler
    - auf Verzeichnung etc.

    In dieser Sicht ist die quantitative Strehl-Messung über die Fläche nur ein Aspekt,
    der sich auf den durchaus wesentlichen Öffnungsfehler bezieht, aber trotzdem nur
    ein Teilaspekt ist.

    Interferometrische Reihen-Messungen erhöhen zwar bei Bedarf die Strehl-Genauig-
    keit, unterdrücken aber wesentliche, andere Informationen zu einem opt. System.

    Meine Auflistung der unterschiedlichsten Certifikate sollte nur demonstrieren, wie
    wenig man über sie etwas von den jeweiligen Optiken erfährt und damit die
    Vergleichbarkeit der opt. Systeme stark eingeschränkt ist: Vergleiche mal die
    gängigen SC-Systeme mit Newtons gleicher Öffnung hinsichtlich Kontrast und
    Bilddefinition und Vergrößerungsleistung. Aus einem Certifikat gewinnt man absolut
    keinen Anhaltspunkt. Dabei spielen in erster Linie die Fertigung dieser Geräte
    die große Rolle, nicht das opt. Design.

    Einig sind wir uns auch hinsichtlich der Glätte unterschiedlicher Spiegelhersteller
    und gleiche Strehl-Werte trotzdem große Unterschiede am Himmel zeigen. Dies
    läßt sich am Lyot-Test gut zeigen, mit dem so manche scheinbar noch nicht warm
    geworden sind.

  • Profi-Astronomie versus Amateur-"Philosophie"

    Ein Glück, daß die Profi-Astronomie nicht durch die folgenden Zitate von sich reden machen muß. Vor dem Hintergrund der unteren zwei
    Bilder, die das Zertifikat und den Meßaufbau eines der 8 Meter ESO-Spiegel zeigt, wirken die Äußerungen des in der Quelle genannten Users
    schon sehr verstiegen und anmaßend. Dieser gesamte Thread soll einerseits die Vielfalt möglicher Zertifikate zeigen. Dem steht aus dem
    Amateur-Lager eine Anspruchshaltung gegenüber, die an der wesentlichen Frage der Qualitäts-Merkmale völlig vorbeizielt. Der ultimative
    Test ist immer der Himmel selbst und den besteht Alluna-Optics jedes Mal hervorragend.



    Zunächst fehlen beim 1. Bild der ESO irgendwelche Streifenbilder, egal ob als reales Foto oder im Computer synthetisiert. Stattdessen bekommt man die
    Wellenfront-Deformation als farbige 2D-Darstellung. Die Strehlangabe mit 0.872 ist der einzige quantitative Wert. Den Fachleuten reicht offenbar diese Information.
    Es fehlt also die in Punkt 1. geforderte Zit."Angabe zur Messgenauigkeit."
    In Punkt 2. hat der Verfasser meine Beiträge offenbar gut gelesen und eventuell noch das Hubble-Space-Teleskop im Hinterkopf. Ob diese als reine Vermutung
    geäußerte Bemerkung auf das konkrete Alluna-Zertifikat tatsächlich zutrifft, verschweigt diese böswillige Anmerkung.
    Punkt 3. wäre nur eine Sammlung weiterer Unterstellung, die mit der Anleitung endet, wie man nach Auffassung des obigen Users zu messen und natürlich zu
    überprüfen hätte. Wie argumentiert denn dieser User bei dem unteren Bild, wo er gar keine Anhaltspunkte hat?
    Punkt 4. ist ein Allgemeinplatz der unterstellt, daß der Hersteller nur dieses eine Interferogramm erstellt hätte.
    In Punkt 5. fehlen dem User des oberersten Link schlichtweg die einschlägigen Erfahrungen in der Vermessung großer Newtonspiegel: Jede der drei interferometrischen
    Setups haben spezifische Fehler-Einflüsse und man tut gut daran, mindestens über die Setups RoC, Kompensation und Autokollimation einen großen Spiegel zu vermessen.
    Neben der Luftunruhe bei der Messung hat man es bei der RoC-Methode mindestens mit dem Teststand-Astigmatismus zu tun. Das betrifft den gesamten Testaufbau.
    Bei der Kompensation kommen weitere Einflüsse über die Kompensationseinheit dazu, das kann auch ein sphärischer Spiegel sein. Bei der Autokollimation mit einem
    gleichgroßen Spiegel verteilt sich der Teststand-Astigmatismus auch noch auf den Kollimations-Flat mit Bohrung. Der Ronchi-Test läßt sich bei allen drei Verfahren
    anwenden, nur bei RoC müßte er umgerechnet werden. Ob das also den zitierten User nun persönlich stört oder nicht, ist der Profi-Astronomie eigentlich egal.
    Bei Punkt 6. würde mich interessieren, was der umgangssprachliche Begriff von "bolzengerade" eigentlich sagen soll. Auch, und das ist der wesentliche Einwand,
    muß ein Newtonspiegel immer leicht unterkorrigiert sein. Und genau das zeigt das Ronchi-Gramm im Alluna-Certifikat und insofern ist die 0.99 Strehl-
    angabe auch plausibel, die sich nämlich aus exakt diesem Meßaufbau ergibt.

    In der Summe steht der obere Beitrag auf einer Stufe mit der Hofberichterstattung, wie sie die investigative Journalie jeden Tag abliefert: Niederschreiben um jeden Preis
    ohne profunde Kenntnis aus der Praxis selbst. Schrecklich !

    Das folgende Zitat vom gleichen "Autor" kommentiert sich selbst.

    Zitat


    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=120469&whichpage=2
    wie man Strehl richtig misst das wissen AH, Andi, Deneb, Horia, Kai, PeJoerg, Plössel und ich tatsächlich besser als hier von der hochgelobten Firma ALLUNA Optics vorgeführt. Sonst würden wir nämlich keine ordenlichen Selbsschliff-Spiegel zustande bringen. Warum also sollen wir denn nicht auf die Schwächen des hier gezeigten Messprotokolls eingehen?
    Außerdem hat Stefan noch keine Frage nach Art: "Wie macht man was?" gestellt. Ich sehe seinen Beitrag eher als Werbesendung für den potenziellen Verkauf des fertigen Teleskops.



    Bild 1 http://www.eso.org/sci/facilit…telescopes/ut/m1unit.html

    [IMG:http://rohr.aiax.de/mirror3.jpg]

    Bild 2, Meßaufbau http://www.eso.org/sci/facilit…copes/ut/images/fig-8.gif

    [IMG:http://rohr.aiax.de/mirror3A.jpg]

    Bild 3

    Hier handelt es sich um ein synthetisches Interferogramm, das seinen Ursprung in einem Kompensation-Setup hat.
    Mit welchem Setup es identisch ist wird nicht mitgeteilt. Bei Kompensation wäre der Scale = 1. Aber auch da wäre der Strehl
    sehr hoch und der obere "Experte" könnte wieder Zweifel anmelden, ob bei diesem Testaufbau die richtigen Abstände eingehalten
    worden seien. Der Strehlwert eines konkreten Interferogrammes sagt nichts über den Testaufbau aus. Da die ESO-acht-
    Meter Spiegel offensichtlich alle in Kompensation gemessen werden mußten - geht nicht anders - muß man diesen
    Testaufbau als Null-Test gelten lassen. Einen acht Meter großen Autokollimations-Planspiegel gibt es nicht !

    [IMG:http://rohr.aiax.de/fig-9.gif]

    http://www.eso.org/sci/facilit…opes/ut/images/fig-11.gif

    Zitat

    The accuracy of the full pupil measurements is in the range of 15 nm wavefront RMS for the first mirror and 13 nm RMS for the second one. It was found that the accuracy of the measurements was primarily affected by persistent turbulence patterns in the test tower, and by drifts of the support force settings during measurements. Improvements were made with the second mirror to speed up the meticulous step-by-step test procedure and to reduce the effect of turbulence by adding series of measurements.



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