Der Baumstamm, der sich bewegte ...

  • Hallo allerseits,


    heute Morgen war ich dabei, neu eingebaute Fenster zu putzen (einer der wenigen Gründe, dass Männer aus dem Fenster schauen). Dabei streifte mein Blick ab und zu auch in Richtung eines kleinen Baches, der vor meinem Haus fließt. Auf einmal schwamm da etwas großes, braunes Etwas, fast wie ein Baumstamm.

    Mein erster Gedanke war, da hat wieder mal jemand seine Abfälle entsorgt. Aber irgendwie stimmte da nicht. Der „Baumstamm“ schwamm nicht mit der Strömung, sondern etwas schneller. Dann war da plötzlich auch noch ein Kopf daran. Damit war alles klar. Das braune Etwas war ein ausgewachsener Biber, der da seelenruhig am hellen Tag, trotz des Kraches auf einem Parkplatz seine Bahn zog.


    Schnell einen Fotoapparat gesucht. Das ist, wenn man auf einer Baustelle lebt, nicht so einfach. Dementsprechend habe ich nur meine „Astrokamera“ gefunden. Die Treppe runter gerannt und den Biber gesucht. Der war aber erst mal weg. Zwanzig Meter weiter unter einer Brücke habe ich ihn dann wieder gesehen. Schnell einige Bilder geschossen, dann war er erst einmal hinter einer Staustufe verschwunden. Leider war es etwas dunkel unter der Brücke. Deshalb was die erste Aufnahme auch etwas verwackelt. Aber für ein Stativ war keine Zeit und zu blitzen habe ich mir nicht getraut.


    Auf der anderen Seite der Brücke habe ich ihn dann wieder gesehen, nur leider jetzt nicht mehr von vorne. Ich glaube aber, man kann trotzdem erkennen, dass es ein Biber ist.


    Ein Baumstamm, der sich bewegte, sicherlich war dies eine Begegnung mit einem Wesen fast aus einer anderen Welt. Wer kann schon von sich sagen, dass er, einem ausgewachsenen Biber in wenigen Metern Entfernung in freier Natur gesehen hat.





  • Hallo Dietmar,


    > Nicht Bisamratte?


    Verwechslung ausgeschlossen, es sei denn, dass Bisamratten neuerdings zirka 75 cm (ohne Schwanz) groß werden. Das müßte dann aber eine ganz neue Art sein.


    Mit freundlichen Grüßen


    Hans-Ulrich

  • Hans_Ulrich wrote:

    Verwechslung ausgeschlossen, es sei denn, dass Bisamratten neuerdings zirka 75 cm (ohne Schwanz) groß werden. Das müßte dann aber eine ganz neue Art sein.


    Düsseldorf liegt am Rhein STOP
    vor 6 Jahren rief ich die Feuerwehr STOP
    Sie bargen eine BISAMRATTE von 60 cm Länge STOP. Ohne Schwanz STOP
    Wollte in einen Hausflur was ich aber nicht wollte STOP

    So lange sie nicht gestorben ist lebt sie noch heute :D


    Hans_Ulrich, das war kein Märchen!

  • Toll, Hans Ulrich.


    Schönes Erlebnis. Das ist definitv ein Biber, für ne Bisamratte zu gross und der Schwanz ist eindeutig. Auch ein Nutria kommt nicht in Frage (s.u).


    Der Biber breitet sich in Deutschland immer weiter aus, z.T. durch nachträgliche Wiederbesiedlung da, wo er schon lange ausgestorben ist. Gerade in östlichen Teil fühl er sich scheinbar heute wieder pudelwohl. In ein einigen Regionen nimmt das schon so überhand, dass man sie einfängt (komplette Familien), weil die Prägung des Ökossystems durchs Bäume durchbeissen zu stark wird.


    Also wo einer ist, sind immer noch mehr. Der Biber ist ein Familientier - ohne den Bezug geht er zu Grunde. Vielleicht siehst du bald mehrere.


    Gruss
    Micha


    PS: Dietmar - 60 cm werden Bisamratten nicht. Das war mit Sicherheit ein Nutria, ein aus den Staaten eingeführter "Sumpfbiber", der wie ne übergrosse Bisamratte aussieht. Wird oft verwechselt, weil die meisten nicht wissen, dass diese Superratte schon lange in Deutschland heimisch ist.

  • Hi Dietmar,


    der Feuerwehrmann wusste es halt nicht besser, sowas gehört ja auch bisschen zum Expertenwissen von Leuten, die jeden Tag mit Gewässerökologie zu tun haben (wie ich früher: ich habe vier Jahre als Berufsfischer gearbeitet :whistling ).


    Einer Nutria zu begegnen ist nicht angenehm, die flösst schon ganz schön Respekt ein. Durfte früher ofters tote Nutrias aus Betonteichen für die Fischzucht entfernen, weil die da drin immer ertrinken. 50-60 cm waren die immer (ohne Schwanz).


    Gruss
    Micha (der sich heut Gott sei Dank nur noch Bilder dieser Biester anschauen muss)

  • mikel_at_night wrote:

    (wie ich früher: ich habe vier Jahre als Berufsfischer gearbeitet :whistling ).



    und das an Board von Schleppnetzfischerbooten, pfui Micha;)

    Ja das kann es gewesen sein. Die Feuerwehrleute hatten höllischen Respekt vor den Riesenzähnen des netten Viehchs

  • tut mir leid Dietmar,


    ich war auch damals schon in der Forschung tätig (Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Kirchhundem-Albaum) und später bei der Fischeriaufsicht (Senat für Stadtentwicklung und Umweltschutz / Berlin).


    Ich habe Schleppnetze kontrolliert und die Bösewichte bekamen übelst einen auf den Deckel :-)


    Die Zähne der Nutria sind der Hammer, definitv war das dann ein Sumpfbiber, denn ihr durch Gegend gejagd habt:



    Gruss
    Micha

  • Hallo Dietmar,


    ich glaube Micha hat mit seiner Vermutung recht. Bisamratten gibt es wirklich nicht in dieser Größenordnung.
    Im Übrigen haben Nutria einen ausgezeichneten Geschmack. Ich durfte dieses Fleisch oft kosten und genießen. Mein Schwiegervater hatte bis 90 eine Nutriazucht. So als kleiner Nebenerwerb. Bei 80 bis 100 Tieren die jedes Jahr geschlachtet wurden, kannst Du Dir sicherlich vorstellen, was es zu Ostern, Weihnachten und anderen Festtagen zu essen gab.
    Die Zähne dieses netten Tierchens sind nicht ganz ohne. Ein Biss in die Hand geht glatt durch. Gummistiefel schützen nicht unbedingt die Füße. Ich habe mich beim Saubermachen nie in ein Gehege getraut, bevor ich nicht alle Tiere eingesperrt hatte.