114/500 Newton

  • ..die Zwergl-Teleskope haben's mir angetan. So ein kleiner schneller Newton hat halt einfach noch in meiner "Sammlung" gefehlt.


    Der 114/500 Newton ist mit einem Starpointer, einem 3.6, 10 und 25 mm Barium Okular und mit einer (lausigen) 2x Barlow geliefert worden. Was mich natuerlich am meisten interessiert hat war, was fuer eine Spiegel denn nun im Tubus steckt.
    Die verkuerzte Fassung der Foucault-Analyse...


    TEXEREAU MIRROR TEST SHEET


    Comments: Skywatcher Newton 114/500
    Optical diameter: 113
    Readings per zone: 3
    Radius of curvature: 890
    f/D: 3.94
    Diffraction disc: 0.00263619
    ...
    Maximum wavefront error = 1 / 5.3 wave at zone 1


    Results for individual sets of readings:
    Reading set 1: 1 / 5.1 lamda, Max Trans Abberation=0.79
    Reading set 2: 1 / 5.5 lamda, Max Trans Abberation=0.69
    Reading set 3: 1 / 5.3 lamda, Max Trans Abberation=0.69


    Ein Parabolspiegel. Der groesste Fehler in der 1. Zone die erstens am zweideutigsten zu messen ist und zweitens zum Grossteil eh' vom Fangspiegel abgeschattet wird.
    Bei der Gelegenheit hab' ich auch alle relevanten Daten fuer NEWT gemessen.
    Brennweite 445 mm, Fangspiegel kleine Halbachse 32 mm etc.




    ..scheinbar alles im gruenen Bereich.
    Nach Zusammenbau und Grobjustage die Feinjustage am Stern. Bei einer Baulaenge von 45 cm kein Thema. Man kann gleichzeitig durchschauen und an den Schrauben vom Hauptspiegel drehen.


    Astigmatismus war beim Sterntest nicht erkennbar. Intra- als auch extrafokal waren Beugungsringe zu sehen, extrafokal etwas besser definiert. Es ist zwar nicht so dass das Bild in den Fokus "schnappt", man brauch etwas Gefuehl beim fokussieren, aber selbst bei 120x gibt es eine eindeutige und exakte
    Einstellung.
    Mit einem 3.6 mm Barium Okular ist die Abbildungsqualitaet am Jupiter annaehernd mit dem 90/1250 Mak, 10 mm Barium Okular, vergleichbar - natuerlich nur wenn das Planetenscheibchen zentriert ist; abseits des Zentrums nimmt die Bildqualitaet ab. War nicht anders zu erwarten, ist aber trotzdem eine akzeptable Leistung denke ich. Der Mak ist aber trotzdem besser weil er das aesthetischere Bild ohne Spikes der Fangspiegelspinne hat und das Einblickverhalten am Okular angenehmer ist.


    Ich weiss nicht welches "WebCam-Potential" in dem kleinen Newton steckt. Nur mit ToUcam und Adapter solo kommt man nicht in den Fokus - einige mm extrafokal ist Schluss.
    ( Ich wollte eigentlich den Sterntest mit der WebCam aufnehmen damit ich entspannt mit den Standardbildchen vergleichen kann...)


    Im Vergleich mit dem 80/400 Achromat und dem 90/1250 Mak an Deep Sky Objekten hat aber auf jeden Fall der kleine Newton die Nase vorn. M13 im Herkules war am Rand teilweise angeloest und zeigte zum Zentrum hin Granulation. M57 in der Leier war als Kringel erkennbar und an M51 konnte man zwei Zentren unterscheiden. Die Schwenks durch die Milchstrassenregion im Schwan mit dem 13 mm Nagler waren grandios. Aber selbst mit dem 25 mm Barium war es beeindruckend solange man nicht allzu kritisch mehr pruefend dabei ist anstatt einfach nur zu schauen. Mit dem 25 mm Barium ueberblickt man etwa 3 grd Himmel, genug fuer den NA Nebel und viele andere ausgedehnte Objekte.


    Muesste ich mich fuer nur eins meiner Zwergl Teleskope entscheiden wuerde ich den kleinen Newton waehlen. Er kann Richfield, etwas Deep Sky und zeigt farbfehlerfreie Planeten - und er ist der preislich guenstigste. Wenn man die Stativbeine der Lidl-Montierung nicht zu weit herausziehen tut wird er akzeptabel bis mindestens 120x getragen - und man kann Teleskop und Montierung bequem mit einer Hand umhertragen, leicht genug um nicht unkoordiniert irgendwo anzuecken.

    argus

  • Hallo Argus,


    endlich einmal ein auführlicher Bericht über dieses interessante Gerät und mit viel sachlichen Fakten. Bisher kenne ich erst einen Sternfreund aus Tirol, der dieses Gerät besitzt und ebenfalls sehr angetan war. Es scheint wirklich ein ausgezeichnetes Allroundgerät zu sein und in diesem Öffnung- und Preisbereich ist es wohl ungeschlagen.


    Es halt also wirklich einen echten Parabolspiegel. Hut ab vor Synta, das haben sie wirklich sauber hinbekommen und damit hat der sphärische Pluto/S nun endlich ausgedient.


    Eine Frage noch zum ersten Bild. Sitzt dort hinter dem Hauptspiegel noch eine schwarze Abdeckung oder ist das nur die Reflexion der Spiegelrückseite? Falls die Abdeckung noch drauf ist empfiehlt es sich dieses zu entfernen, da der Spiegel dann noch rascher und gleichmäßiger auskühlt.


    Darf man demnächst auch auf Webcam-Aufnahmen durch das Gerät hoffen?

    Bino-Tom


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  • Hi binoviewer,


    beim ersten Versuch mit der WebCam bin ich nicht weit genug in den Fokus gekommen.
    Die Abdeckung auf der Spiegelrueckseite (eine bierdeckelgrosse Pappscheibe) hab' ich jetzt entfernt und bei der Gelegenheit gleich geschaut wie weit man mit den Justierschrauben den Hauptspiegel noch in Richtung Fangspiegel bewegen kann - ca. 5 mm - hat gerade gereicht.



    Na, wenn das nicht grenzwertig ist..
    Ein Versuch mit der WebCam am Jupiter. Es sind 2 Aufnahmen, einmal die Monde und einmal das Planetenscheibchen. Wie immer (noch) ohne Barlow, also bei 450 mm Brennweite.
    *Visuell* konnte ich erkennen wie Io gerade hinter dem Planetenscheibchen verschwunden ist, der GRF war etwa 1/3 von rechts im oberen Aequautorband (SEB ist im Newton "oben") zu sehen.


    argus

  • Morgen Argus,


    Der Jupiter schaut sehr nett aus, eine schöne Übersichtsaufnahmen. Ich denke das Gerät wird auch bei höherer Brennweite einiges in Sachen Webcam leisten. Bei F/4 kann man die Brennweite auch ohne weiteres um den Faktor 4-5 verlängern. Bei meinem 200/800 habe ich immer eine 5x-Powermate eingesetzt, das brachte die beste Auflösung. Das wären bei deinem 114er dann ca. 2250mm Brennweite und F/20.

    Bino-Tom


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  • Hi binoviewer,

    bin ueberzeugt dass man da was ansprechendes mit der WebCam und entsprechender Brennweitenverlaengerung 'rausholen kann. Wenn man den Hauptspiegel zu weit nach "oben" schiebt (damit die WebCam in den Fokus kommt) verliert man ein paar mm an Oeffnung, aber das ist wahrscheinlich nicht signifikant. Viel wichtiger ist die Kollimation, hab' vorhin etwas an eps 2 Lyr 'rumprobiert, und wenn nicht wirklich alles sehr exakt passt sieht man das sofort. Auf der anderen Seite kann man aber alles sehr exakt passend machen - und das sieht man dann auch sofort. Bei diesem Newton hat man also, obwohl er recht klein ist, bereits alle Freiheitsgrade; und die Optik ist hinreichend gut, das gefaellt mir.
    Die Powermate steht auf jeden Fall auf meiner Liste.

    argus

  • .. hab' mal versucht so was wie einen Sterntest (Vega) mit dem kleinen f/4 Newton aufzunehmen. Mit einer Barlow kommt man mit der WebCam leicht in den Fokusbereich. Intrafokal sieht man unten die Abschattung vom OAZ.
    Die Justierung des Newtons hab' ich so genau wie moeglich vorgenommen.



    Jeweils etwa 2-3 mm intra- bzw. extrafokal defokussiert.


    Was bedeuted nun der hellere aeussere Rand extrafokal? Abgesunkene Kante?
    Oder muss ich auch den hellern inneren Rand im intrafokalen Bild beachten und dann Ueberkorrektur annehmen? Oder von beidem etwas? Was kann man erkennen?


    Gruesse,
    argus

  • Hallo Argus,


    das Bild ist derzeit bei freenet.de nicht erreichbar. Du kannst es mir auch per Mail schicken und ich stelle es auf unseren Server, wenn du willst.


    Nur nebenbei für andere die Antworten wollen: solange das Bild nicht geladen wird ist nur die Direktantwort möglich, da der übliche Java-Editor darauf wartet bis alle Bilder im Thread geladen sind und sich dann erst öffnet, was aber eben nicht klappt, solange das Bild von Argus nicht geladen wird.

    Bino-Tom


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  • So, Bild kommt jetzt wieder.


    Aufgrund der Größe des FS-Schattens würde ich sagen die Parabel-Korrektur ist jedenfalls sehr gut. Eventuell kommt eine minimale abgesunkene Kante, oder eher ein abgesunkener Rand hinzu, ist aber nur minimal.


    Jedoch, die verwendete Brennweite ist für einen harten Sterntest per Webcam zu gering. Würde sie verdoppeln auf etwa 2000mm, dann sieht man Fehler wesentlich deutlicher.


    Sicher sagen kann man: die Optik ist gut und hat keine gravierenden Fehler. Für einen f4-Spiegel ist sie sogar sehr gut. Deine praktischen Beobachtungen belegen das auch.

    Bino-Tom


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  • Hi binoviewer,


    danke fuer Deine Analyse. Also auch nach dem (nicht optimal durchgefuehrten) Sterntest noch im gruenen Bereich - etwas abgesunkener Rand. Sobald ich die 5x Powermate hab' werd ich den Test wiederholen.


    Bei der Justage sieht man so gerade eben die HS Klammern im Fangspiegel. Wenn ich den Spiegel etwas weiter mit den Justageschrauben nach oben schiebe verschwinden die. Waere das optisch gesehen ein vernuenftiger Weg den Rand so auszublenden?


    Weiss nicht wie zuverlaessig der freenet-webspace ist, vielleicht waren's "Wartungsarbeiten". Wenns zukuenftig vorkommt nehm' ich Dein Angebot an und schick Dir die Bildchen.


    Gruesse,
    argus

  • Hallo Argus,


    ich würde den Rand eher nicht abblenden, denn er dürfte in jedem Fall nur
    sehr gering sein. Eine Abblendung des Randes durch Verschieben des HS
    wäre aber theoretisch eine korrekte Möglichkeit.


    Am meisten Performance gewinnt man bei diesem Gerät sicherlich durch eine
    möglichst perfekte Justage. Hier kann man schonmal 10-20% mehr an Leistung
    herausholen.

    Bino-Tom


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  • Hi binoviewer,


    mit einer Barlow muss man den HS auch nicht mehr verschieben um in den Fokus mit der WebCam zu kommen. Kann er also bleiben wo er ist.
    Ansonsten bereite ich mich schon mal auf die naechste Mars-Opposition vor.
    Das Mars-Scheibchen soll zwar mit etwa 20" nicht so gross sein wie 2003 mit 25", aber ich will trotzdem mal sehen was da mit WebCam machbar ist.
    Auf den tief stehenden Mars hab' ich ab und an schon mal visuell draufgehalten, aber mehr als Andeutungen von Farbschattierungen konnte ich bisher nicht erkennen. Vielleicht waren die auch von der Brechung in der Luft. Nachdem ich mir eine Nachfuehrung fuer die Astro-3 zugelegt und nach kurzer Zeit mit der Powerstation abgeraucht hab (falsch gepolt, hat zuerst gepfiffen und dann geraucht, aber irgendwie wars trotzdem witzig) versuch ichs jetzt mal mit einer EQ-1 samt el. Nachfuehrung. Rein vom durchschauen ist die EQ-1 meines Dafuerhaltens nicht so hakelig wie die Astro-3. Ich weiss nicht genau welche Rolle die Montierung bei der Planetenfotografie spielt, aber ich vermute dass eine genaue Montierung eben mehr gute Einzelbilder produziert.


    Gruesse,
    argus

  • Hallo Argus,


    ich schätze Mars wird diese Opposition mehr Detail zeigen als letzte, da man einfach
    wesentlich höher vergrößern können wird. In guten Nächten werden sicher Vergrößerungen
    bis über 600fach möglich sein, was bei so einem tiefen Stand von Mars wie es vor zwei
    Jahren der Fall war von vornherein ausgeschlossen war.
    Der diesmal hohe Stand von Mars wird vor allem für große Geräte ein Vorteil sein.


    Die EQ1 ist meiner Erfahrung nach praktisch genauso tragfähig wie die Astro 3,
    ein Holzstativ darunter vorausgesetzt. Problem bei der EQ1 ist aber der originale
    Nachführmotor, denn dieser hat keine Einstellung für die exakte Nachführgeschwindigkeit,
    sondern einfach nur einen rasterlosen Regler für Geschwindigkeiten von praktisch Null
    bis etwa doppelte Nachführgeschwindigkeit. Dadurch wird es fast zum Lotteriespiel,
    die exakt benötigte Geschwindigkeit zu finden. Das kann schonmal eine Viertelstunde
    dauern. Vielleicht ist da aber auch bastlerisch was möglich.
    Webcam-Aufnahmen kann man damit auf jeden Fall machen, hab ich auch schon
    gemacht, mit meinem Ex-102mm Mak.
    Ich bin mir sicher dir werden da einige sehr gute Aufnahmen gelingen, trotz dem
    Mangel des Nachführmotors.

    Bino-Tom


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  • ..die Ungenauigkeit der EQ-1 an Atair als er im Meridian stand ueber 5 Minuten - etwa 2". Zum Vergleich das Marsscheibchen um 3 h morgens aufgenommen, 13' Durchmesser.
    Ohne die Schleife waers nicht uebel, aber die Nachfuehrgeschwindigkeit aendert sich etwas ueber die Zeit.
    Mir faellt kein work-around fuer den ECO Antrieb ein.
    Selbst wenn man die Geschwindigkeitseinstellung mit einem zweiten Potentiometer untersetzen wuerde - die Drift bleibt. Andrerseits kann man
    in 5 Minuten einige hundert Aufnahmen machen.


    argus

  • Hallo Argus,



    mir ist aufgefallen, wenn man bei den kleinen Montierungen das Spiel der Schnecke minimiert, kann der Rundlauffehler die Achse in den Gleitbüchsen mehr oder weniger verkippen.
    Wenn man nun die Schnecke an der einen Lagerseite, mit eine ausreichend starken Feder andrückt , müsste sich der Fehler ruduzieren lassen, da jetzt die Feder den Höhenschlag von Schnecke oder Schnekenrad zum Teil aufnimmt. Auch die Seitwärtsbewegung der Schnecke sollte falls vorhanden mit z.B. kleinen Scheiben oder Tellerfedern minimiert werden, damit die Kräfte vom Höhenschlag, Die ja irgendwo hin müssen, die Schnecke nicht beiseite schieben können, wenn der "Buckel" durch läuft.
    Es sind zwar alles relativ kleine Bewegungen aber diese summieren sich wahrscheinlich zur gezeigten Schleife.


    Gruß Günter

  • Hallo G2_Astro,


    nachtraeglich alles Gute zum Geburtstag!


    Die Modifikation mit der Tellerfeder sollte nicht schwierig sein, das probier ich und nehme noch mal eine Sternspur auf. Wenn's den Fehler von der
    EQ-1 nur halbiert kann man mit einer Mini-Montierung dieser Preisklasse echt
    zufrieden sein. Wenn mir das Objekt 15 Minuten bei 3 m Brennweite auf dem ToUCam CCD Chip bleibt ohne das ich die Montierung anlangen muss ist das ok und zur Fotografie im Solarsystem sollte das allemal genuegen denke ich.


    Gruesse,
    argus