Selbstbau 6 Zoll Newton - einige Fragen

  • Hi folks!


    Ich habe mich nun entschloßen einen kleinen 6 Zoll Newton mit f/6 für meine Vixen GP selbst zu schleifen und zu bauen. Soweit habe ich auch alles abgeklärt, was zum Bau notwendig ist, doch es beschäftigen mich noch zwei Fragen:


    Zum einen würde mich interessieren, ob ein 2 Zoll OAZ für einen 6 Zoll Newton sinnvoll ist. Das Teleskop soll vorwiegend für die visuelle Beobachtung eingesetzt und auch darauf hin optimiert werden.
    Dabei denke ich natürlich primär an die Ausleuchtung von 2 Zoll Okularen. Dazu habe ich die zu 100% ausgeleuchtete Bildfläche mit 12 mm Durchmesser angenommen und einen JMI NGF-DX3 Auszug als Grundlage genommen. Bei 180 mm Tubus-Innendurchmesser (und 2.5 mm Wandstärke) komme ich da auf eine kleine Achse des Fangspiegels von 37 mm. Dabei ist die Ausleuchtung bei 30 mm FOV noch bei ca. 70% und bei 40 mm FOV bei 51%.
    Lege ich einen 1 1/4 Zoll OAZ - JMI NGF-Mini3 - zugrunde, so erhalte ich mit einem 35 mm Fangspiegel bei 27 mm FOV gut 71% Ausleuchtung und ein zu 100% ausgeleuchtetes Feld von 9.6 mm.
    Somit stellt sich die Frage, ob denn bei diesem 6 Zoll f/6 Newton ein 2 Zoll OAZ Sinn macht und ob es möglich ist trotz guter Feldausleuchtung eine möglichst geringe Obstruktion zu nehmen (<25%).


    Eine andere Frage, die direkt im Bezug zur Fangspiegelgröße steht und:


    Wie "nehme" ich nun am besten den Abstand des Fokalbildes über dem OAZ? Dazu gibt es einige Stimmen, die sagen, daß es durchaus reicht, wenn man die Höhe wie folgt berechnet:


    Radius Tubus (aussen) + min. Bauhöhe des OAZ + Extrahöhe (ca. 10 bis 15 mm)


    Andere wiederum nehmen folgende Basis:


    Radius Tubus (aussen) + min. Bauhöhe des OAZ + 1/2 Travel des OAZ + Extrahöhe (ca. 10 mm)


    Letzteres wird auch von dem Programm "MyNewton" als Ausgangsbasis zur Berechnung der Fangspiegelgröße verwendet.


    Was wäre also für die vorwiegend visuelle Beobachtung am besten geeignet?


    Ein PDF-File mit allen berechneten Daten zu dem 6 Zoll f/6 Newton für 2 Zoll und 1 1/4 Zoll OAZ und verschiedenen Fangspiegelgrößen findet ihr unter:
    http://people.freenet.de/dstra…tronomie/6Zoll_Newton.pdf
    Dabei sind mir zur Verfügung stehende Materialien schon einbezogen (wie gewünschter OAZ, Maße des Tubus, etc.).


    Für Vorschläge und Anregungen wäre ich sehr dankbar.


    cu ...
    Luzy

  • Hallo Luzy,

    wenn Du, wie ich, stolzer Besitzer einer Cannon EOS 300D bist, dann ist
    deswegen ein 2-Zoll OAZ sinnvoll, weil Du diese Camera über Adapter an-
    schließen kannst. Mittels Reduzierzhülse kommst Du immer auf 1 1/4 Zoll
    herunter. Wenn Du ohnehin 2-Zoll-Okluare verwenden willst, hast Du ein
    weiteres Argument für den 2-Zoll-Auszug.

    Wenn Du jedoch konsequent auf visuelle Beobachtung abhebst, dann ist
    die Abbildung auf der Achse am besten bei kleinstem Fangspiegeldurchmesser
    und kürzestem Abstand des Fokus von der Tubuswand. Dann ist aber dieser
    Newton wirklich nur visuell benutzbar. Dann aber sollte der Hauptspiegel aus
    Duran oder Pyrex sein, bei mindestens 0.95 Strehl, superglatt, ohne abfallende
    Kante und einem mindestens L/10 der Oberfläche genauen Fangspiegel
    bestehen, bei einem Volltubus und 2-3 wirklich gute Okulare 25, 10, 5 mm.

    Alle anderen Lösungen sind Kompromisse in irgendeine Richtung.

    Wünsche Dir unabhängig viel Erfolg mit Deinem Projekt.

    Der Abstand des Fangspiegels vom Hauptspiegel ist ein geometrisches
    Problem. Dabei nimmt man natürlich die kleine Achse der Fangspiegel-
    Ellipse.

  • Hi folks!


    Erstmal vielen Dank. Ich habe zunächst tatsächlich überlegt, den 6 Zöller visuell wie fotografisch tauglich zu machen. Jedoch war mir der Kompromiss zu ungünstig in beiden Richtungen. So habe ich mich entschlossen den 6 Zoll f/6 für die reine, visuelle Beobachtung zu optimieren. Da ich den Spiegel selbst schleife, kann ich auf eine entsprechend präzise Qualität hinarbeiten und somit nichts dem industriellen Zufall überlassen.


    Natürlich ist die Verwendung eines 2 Zoll OAZ sicherlich sehr verlockend für große Gesichtsfelder (Deep Sky), doch in Anbetracht einiger "Empfehlungen", die besagen, daß der Helligkeitsabfall am Rand (ausgehend von dem größten Feldblendendurchmesser) 25-30% nicht übersteigen sollte. Damit käme ich schon auf einen Fangspiegeldurchmesser von 46 mm!
    In meinem obigen Beispiel läge der Helligkeitsabfall am Rand eines 2 Zoll Okulars mit 40 bis 42 mm Feldblendendurchmesser schon bei 50%!


    Somit denke ich, ist für die visuelle Beobachtung ein 1 1/4 Zoll OAZ für einen 6 Zoll f/6 Newton sicherlich günstiger. Dabei käme ich auf 35 mm Fangspiegeldurchmesser. Die begrenzt dann allerdings Bildfeld auf ca. 1.7 Grad (bei 27 mm Feldblendendurchmesser), dafür aber mit gut 71% Ausleuchtung am Rand.


    Mir stehen derzeit 4 Okulare zur Verfügung:
    - 32 mm Celestron Plössl (mit 28 mm Feldblende)
    - 20 mm Vixen LV
    - 10 mm Vixen LV
    - 6 mm TS SWM SuperWide
    Diese wurden für meinen 4 Zoll f/10 Fraunhofer angeschafft, sollten aber auch gut zum Newton passen.


    Sicherlich dürfte es günstiger sein, zwei Geräte zu haben ... eines für die visuelle und eines für die photographische Nutzung.


    Angesichts der geforderten Qualität des Fangspiegels, stellt sich die Frage, wo ich denn einen solchen guten Spiegel erwerben kann?


    cu ...
    Luzy

  • Hallo Lucy,

    Quote

    Angesichts der geforderten Qualität des Fangspiegels, stellt sich die
    Frage, wo ich denn einen solchen guten Spiegel erwerben kann?



    Wenn er gut sein soll u.U. mit Certifikat, dann ist er natürlich teuer, weil
    ausgesucht und es kämen gleichermaßen, TS, ICS, Ludes, Orion UK aber
    auch noch andere Händler in Frage, da in der Regel L/8 PtV surface ausreichen.

    Verspannen darf man den Fangspiegel natürlich nicht. Also bitte so aufkleben.
    Wenn Du dem Frieden jedoch nicht traust, dann besorge ich Dir einen passenden
    Planspiegel.

    Mit Silikon-Kleber an 3 Punkten aufgeklebt. Hält prima.



    Ein Sternfreund aus Berlin hatte diese Idee.

  • Hi folks!


    Quote

    Wenn Du dem Frieden jedoch nicht traust, dann besorge ich Dir einen passenden Planspiegel.


    Auf das Angebot würde ich sehr gern in nächster Zeit zurückkommen ... ich würde einen solchen von 35 mm kleine Achse benötigen, möglichst mit einer Verspiegelung von 94% ... wäre sowas möglich?


    Das mit dem Aufkleben habe ich auch schon bei den Synta/Skywatchern gesehen. Mit Silikon dürfte es auch keine Verspannungen geben. Die Idee halte ich für gut und praktikabel.


    cu ...
    Luzy

  • Hallo Luzy,


    irgendwie kommt mir vor du bringst da was mit den Okularauszügen durcheinander. Wie groß der Fangspiegel sein soll hat mit dem Okularauszug gar nichts zu tun, sonder hängt nur davon ab, welche Ausleuchtung du am Rand des Feldes noch haben willst. Du solltest, ganz egal welche Ausleuchtung auch immer, auf jeden Fall einen 2" OAZ dranbauen, denn eine Reduzierung auf 1,25" ist sowieso immer dabei und nur mit 2" OAZ bekommst du das maximal mögliche Gesichtsfeld.


    Zweiter Punkt: mach dir wegen der Ausleuchtung keine Gedanken! Ich habe selbst einen 7"f8 Newton mit nur 13,4% Obstruktion und verwende an diesem mit Erfolg und völlig problemlos ein 2" Widescan 30mm, welches mir das maximale Gesichtsfeld bringt. Die Ausleuchtung am Rand beträgt weit unter 50%. Das merkst du visuell aber nicht. Warum? Weil zum einen die Ausleuchtung ja nur langsam zum Rand hin abfällt und weil zum anderen das Auge am Rand den Unterschied von etwa einer Größenklasse gar nicht erkennen kann. Also ruhig Blut und bitte keine schlaflosen Nächte wegen der Ausleuchtung. Die spielt bei visueller Beobachtung überhaupt keine Rolle. Lass dir von anderen nichts falsches Aufschwatzen. Entweder willst du ein fotografisches Gerät oder ein visuelles, da ist es ganz einfach:
    fotografisch: Ausleuchtung spielt eine Rolle
    visuell: Ausleuchtung spielt überhaupt keine Rolle
    Das ist alle. Mehr gibt es dabei nicht zu überlegen.


    Dritter Punkt: du willst einen visuell optimierten Newton? Dann mach ihn doch mit f8 und nicht mit f6. Ein f6 Newton kann niemals visuell optimal sein, weil du für höchste Vergrößerungen eine Barlow oder viellinsige Okulare brauchst und die bringen eben keine maximale Performance.


    Vierter Punkt: wieviele Spiegel hast du schon selbst geschliffen? Sollte es dein erster sein kann ich nur raten einen f8 zu schleifen, denn ein f6 als erstes Projekt wird dir ganz schön zu schaffen machen!


    Fünfter und letzer Punkt: deine jetzigen Okulare kannst du bis auf das Celestron Plössl in die Tonne werfen, da sie nichts taugen. Die LV sind schlichtweg als schlecht und flau zu bezeichnen, das TS SWM ist auf der Achse nicht schlecht, hat aber Reflexe und bei f6 ist es auch nicht randscharf. Außerdem gibt es deutlich besseres. Also wenn du einen sehr hochwertigen supertollen Newton bauen willst, dann machen dir diese Okulare das Bild nur wieder kaputt --> weg damit!


    Das wars vorerst. Ich hoffe ich hab dir bei ein paar Punkten weitergeholfen.

    Bino-Tom


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  • Hi folks!


    Ersteinmal vielen Dank für die Tips. Ich habe das mit dem 6 Zoll f/6 Newton aufgrund meiner derzeitigen Möglichkeiten abgewogen, dennoch finde ich es erstaunlich, wie kontrovers eben über diesen Newton diskutiert wurde :-) Also alles andere, als eine exakte Wissenschaft ;-)


    Meine Erwägungen möchte ich auch im Hinblick auf Empfehlungen von Stathis und anderen erfahrenen Spiegelschleifern- und Erbauern kurz erläutern:


    Ein 6" f/8 scheidet aus einem Grund einfach aus: er ist für meine derzeitige Montierung - einer Vixen GP - einfach zu lang. Eine neue Montierung werde ich nicht für den 6 Zöller einplanen, das Gerät wird einfach den Möglichkeiten angepasst und soll zudem noch leicht transportabel sein. Ansonsten stimme ich völlig überein, daß ein f/8 durchaus ein feines und unproblematisches Gerät ist.


    Zahlreiche Empfehlungen und Erfahrungen (u.a. auch von Stathis, etc.) lauten, daß die Vignettierung zum Bildfeldrand bei Weitwinkelokularen möglichst die 25% nicht übersteigen sollte. Hinzu kommt, daß bei langsamen Öffnungsverhältnissen die Ausleuchtung zum Bildfeldrand schon dramatisch abnimmt ... bei 2 Zoll eben schon 50%. Das mag sicherlich bei der Beobachtung reiner Sternenfelder nicht störend sein, doch wie ist der Eindruck bei schwachen Ausläufern feiner Nebel? Wenn ich also auf 2 Zoll Okulare verzichte, so kann ich bei diesem Gerät getrost auf einen teureren 2 Zoll OAZ verzichten, da hier der OAZ in seinem Durchmesser keinen begrenzenden Faktor darstellt. Bei schnellen Öffnungsverhältnissen oder niedrigerem (sprich kleinerem im Durchmesser) Tubus mag das der Fall sein. Somit brauche ich keinen Kompromiss eingehen, d.h. die Bildfeldausleuchtung beträgt auch bei 30 mm Felddurchmesser noch gut 65 bis 70% und die Obstruktion kann dadurch noch weiter gedrückt werden. Was nützen 8 Zylinder unter der Haube, wenn man nur 20 PS hat :-D


    Das Ziel ist eben ein kleines, kompaktes Newtonteleskop mit dem nötigsten auszustatten, was für eine sinnvolle visuelle Beobachtung brauchbar ist. Und ein Bildfeld von rund 1.7° bei recht guter Ausleuchtung und möglichst geringer Obstruktion ist schonmal was. Sicher würde man mit einem 2 Zoll OAZ nichts verlieren - aber in meinen Augen auch nichts gewinnen - gut, er wäre teurer ;-)


    Was die Herstellung eines f/6 Spiegels angeht, so denke ich, auch nach zahlreichen Erfahrungen und Austausch mit anderen Spiegelschleifern, daß dies durchaus und ohne Schwierigkeiten zu machen ist. Zahlreiche Erstlingsprojekte von 8 Zoll f/6 Spiegel zeigen eine hohe Erfolgsquote, so daß mir auch von anderen dazu geraten wurde. Ich habe zunächst auch auf die alten Werke von Hans Rohr und Kurt Wenske gebaut, doch Materialien, wie auch Bearbeitungsmethoden haben sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte deutlich verbessert. An handwerklichem Geschick und Geduld soll es mir nicht mangeln ;-)


    Nun ja, was die LV-Okulare angeht, so gehen die Meinungen auch hier stark auseinander. Die einen halten sie für sehr gut, die anderen für zu "gelbstichig" ... doch weder erscheinen sie mir flau noch unbrauchbar. Abgesehen davon habe ich sie sehr günstig im Tausch gegen etwas anderem erhalten, so daß ich auch hier nicht meckern würde. Sie haben mir schon viele schöne Einblicke in den Himmel gezeigt ;-) Es mag durchaus bessere Okulare geben, unbestritten! Doch ist das zunächst eine Frage des Geldes und der Zeit ... später wird sicherlich auf- und ausgebaut.


    cu ...
    Luzy

  • Hallo Lucy,

    darf mich nochmals melden: Die russischen 20 cm f/8 Newtons von TAL haben
    einen sphärischen Hauptspiegel mit hoher Qualität was Sphäre und Glätte
    betrifft. Damit und bei einer f/8 Parabel reduziert sich der Einfluß der Coma, die
    bei Newtons prinzipiell im Bildfeld die Bilddefinition verschlechtern, ganz erheb-
    lich und erspart Dir bei einem f/8 System die schwierige Parabolisierung. Das
    ist durchgängige Lehrmeinung mindestens seit Hans Rohr "Das Fernrohr für
    Jedermann" aus den 50-er Jahren des 20.ten Jahrhunderts.

    Gute Spiegelschleifer wie der Stathis müssen nicht in gleicher Weise erfahrene
    Stern-Beobachter sein. Schon deswegen wirst Du auf widersprüchliche Aus-
    sagen stoßen. Je gründlicher ein Sachverhalt diskutiert wird, umso differen-
    zierter fallen auch die Darstellungen aus. Glaube nur denen, die ihre Behaup-
    tungen auch hiep und stichfest beweisen können, und nicht nur Meinungen
    streuen, wie man das oft erlebt. Beweise wären ein beweisfähiges Foto, eine
    beweisfähige Optikrechnung, eine beweisfähige Feldaufnahme vom Himmel,
    oder eine astreine Planeten-Aufnahme.

    Quod erat demonstrandum.

    ZEMAX, optical Design: Newton 150/900 (f/6) Parabel, Bei Felddurchmesser

    30 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 7.8 * Lambda o. Strehl von 0.000
    20 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 5.2 * Lambda o. Strehl von 0.000
    10 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 2.6 * Lambda o. Strehl von 0.369
    05 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 1.3 * Lambda o. Strehl von 0.786

    Ohne Coma-Korrektor ist die Vignettierungs-Diskussion Schall und Rauch.
    Ohne Gesamt-Rechnung Newton+Okular bereits wieder, weil sowohl der
    Newton in diesem Fall eine Bildfeldwölbung von 225 mm hat, wie auch die
    Okulare eine Bildfeldwölbung haben, die zueinanderpassen müssen.

    Ein Bildfeld von 30 mm wäre mindestens bereits aus diesem Grund illusorisch.
    Ein Newton ist kein Weitwinkel-Objektiv.


    --------------------------------


    ZEMAX, optical Design: Newton 150/1200 (f/8) Sphäre, Bei Felddurchmesser

    30 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 3.2 * Lambda o. Strehl von 0.000
    20 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 2.2 * Lambda o. Strehl von 0.347
    10 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 1.1 * Lambda o. Strehl von 0.659
    05 mm coma-erz. Bildfehler bei PtV 0.6 * Lambda o. Strehl von 0.755

    Die Situation einer f/8 Sphäre ist um Klassen besser als eine f/6 Parabel
    bei variiertem Felddurchmesser.

  • Hallo Wolfgang,


    vielen Dank für die sachliche Ansicht. Ich bin selbstverständlich für Vorschläge jeder Art dankbar. Die Erwägung einen 6 Zoll f/6 zu machen entstand eben aus dem Vorhandensein der Vixen GP. Ein 1,2 Meter langer Tubus ist sicherlich schon grenzwertig darauf.


    Aber die Betrachtung ist interessant und besagt eigentlich in dem Zuge, das die so beliebten 6 Zoll f/5 tatsächlich über ein nur winziges, brauchbares Bildfeld verfügen und die Anforderung an die Okulare in Anbetracht des 150-EUR-Newtons (z.B. Celestron 150/750) dem kaum in Rechnung steht.


    Wenn ich das aber mit dem Aufwand einer einwandfreien Parabolisierung bei einem f/6 Newton aufrechne, so müsste ich doch auch damit eine brauchbare Abbildung bei zumindest 25 bis 27 mm Feldblende bzw. Felddurchmesser bekommen?


    Gut, frage ich mal anders:
    Welche Empfehlung würdet ihr jemandem geben, der einen 6 Zoll Newton für die visuelle Beobachtung selbst herstellen möchte? Das unter Berücksichtigung einer vorhandenen Vixen GP (okay, Leichtbau ginge sicher noch) und der Inkaufnahme des Abenteuers des Selbstschliffes und Parabolisierung des Hauptspiegels.


    cu ...
    Luzy

  • Hallo Lucy,

    Dir fehlen ein paar Jahre Diskussion um optische Systeme und die Strahlen-
    durchstoßdiagramme bzw. Spot-Diagramme:

    unterschiedliche MC-Systeme



    Newton-Systeme






    Quote

    Wenn ich das aber mit dem Aufwand einer einwandfreien
    Parabolisierung bei einem f/6 Newton aufrechne, so müsste ich doch auch
    damit eine brauchbare Abbildung bei zumindest 25 bis 27 mm Feldblende bzw.
    Felddurchmesser bekommen?



    Bei einem 6" Newton f/6 , 150/900, bekommst Du ganz widerliche Coma-
    Effekte zusammen - außer, Du verwendest einen Coma-Correktor, der aber
    den opt. Fehler nicht restlos beseitigt. 25-27 mm Bildfelddurchmesser
    ist nicht zu realisieren.

    Übrigens ist ein 6" Newton f/8 ca.
    1 200 mm - (halber TubusDurchmesser + OAZ) + Hauptspiegelzelle
    also jedenfalls kürzer als die Brennweite des Hauptspiegels.

  • Hallo Luzy,


    warum du bei einem f6-Newton auf 2" Okulare verzichten willst verstehe ich immer noch nicht. Gerade ein kurzbrennweitiger Newton ermöglicht besonders große Gesichtsfelder und ist schon aufgrund der kurzen Brennweite und des schnellen Öffnungsverhältnisses eher ein Allround-Gerät, vor allem also geeignet zur Deepsky-Beobachtung und für Planeten auch, aber nicht optimal. Und da willst du auf maximales Gesichtsfeld verzichten? Das Geld spielt dabei keine Rolle, denn einen guten 2" OAZ von GSO bekommst du häufig für deutlich unter EURO 50,-. Ich habe soeben selbst meinen verkauft für schlappe 35,- weil ich mir einen TS-Crayford eingebildet habe, der GSO war aber genauso feinfühlig.


    Zum Thema Ausleuchtung nochmal: was Stathis und viele andere sagen beruht nicht auf der praktischen Beobachtung, sondern auf alter tradierter Überlieferung, das ist auch schon alles. Frag bei jenen Leuten mal direkt per Mail nach, ob sie die Ausleuchtung und ihre Folgen auch selbst an Geräten mit geringer Randausleuchtung ausgetestet haben. Du wirst erfahren, daß sie das nicht haben.


    Ich beobachte nun schon einige Jahre mit meinem MN78 und kann dir aus der echten Praxis her versichern, es gibt keinerlei Probleme mit der Ausleuchtung, auch nicht bei ausgedehnten Nebeln. Der Verlust ganz am Rand beträgt etwa 1 Größenklasse und da bringen falsche Okulare oder auch die Coma eines f-6 Newtons sowie der zugehörige Okularastigmatismus weit mehr Verluste an Punkthelligkeit. Der MN hat hier den Vorteil, daß er den Strehl aufgrund der Komafreiheit bis zum Rand hin voll behalten kann. Siehst du ja an der Rechnung vom Wolfgang, wie Koma den Strehl zum Rand hin reduziert. Nicht vergessen: die Punkthelligkeit ist direkt proportional zum Strehl, je geringer der Strehl, desto schwächer glimmt ein Sternchen.


    Noch was generelles: wenn du ein rein visuelles Gerät konzipierst, solltest du die Obstruktion bei 18-20% ansetzen. Darüber hast du sichtbaren Kontrastverlust, darunter brauchst du einen sehr teuren und guten FS, weil dieser dann bis zum Rand ausgenutzt werden muß und billige FS oft eine hängende Kante haben. Ich würde daher auf 20% gehen und den äußersten mm des FS dabei unbenutzt lassen.


    20% Obstruktion sind bei f6 problemlos möglich. Da brauchst du noch nichtmal einen besonders niedrigbauenden OAZ.


    Nochmal zu den Okus: klar, es gibt immer verschieden Ansichten, wenn aber von 100 Leuten 95 sagen, daß die LV nicht taugen, dann dürften sie wohl eher recht haben als jene 5, die das Gegenteil behaupten.
    Übringens sind bessere Okulare gar nicht teurer als die LV. Schein ein einfaches Barium-Okular für EUR 15,- gebraucht zu bekommen ist deutlich besser! Probiers einfach aus.

    Bino-Tom


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  • Hallo Wolfgang, Hallo Bino-Tom!


    @Wolfgang

    Quote

    Dir fehlen ein paar Jahre Diskussion um optische Systeme und die Strahlendurchstoßdiagramme bzw. Spot-Diagramme:


    Das bestreite ich nicht ... ich wollte eigentlich nur einen kleinen Newton bauen :-D
    Aber ich finde die Diskussion doch schonmal sehr interessant, da sie vor allem in ganz andere Richtungen geht, als das bei der gleichen Diskussion in anderen Foren der Fall war.
    Nun, daß ein Newton auch mit Parabolspiegel nur auf der optischen Achse wirklich einwandfrei abbildet, ist mir durchaus bewusst. Wenn ich Deine Aussage mal weiterinterpretiere, dann komme ich weiter zu dem Schluß, daß somit die kleinen Newtons wie 6 Zoll f/5 oder 8 Zoll f/5 kaum brauchbare Bilder liefern müssten ausserhalb ihrer optischen Achse. Die Frage ist nur, wie sehr fällt es letztlich beim Beobachten ins Gewicht?


    @Bino-Tom
    Also, ich habe durchaus bei der ersten Überlegung einen 2 Zoll OAZ eingeplant, bin aber aufgrund zahlreicher Aussagen eben zu einem 1 1/4 Zoll zurückgegangen. Ich habe seinerzeit ausgehend von einem 37 mm Fangspiegel einen 2 Zoll JMI mit niedriger Bauhöhe geplant. Das gäbe dann gut 24% Obstruktion.
    Aber du hast Recht, denn es soll ein gutes Allround-Gerät werden. Dabei lege ich weder Gewicht auf Deep-Sky, noch auf Planeten. Ich werde aber, aufgrund Deiner Anregungen, das ganze nochmal für den 2 Zoll OAZ mit geringerer Obstruktion durchrechnen. Denn im Prinzip hast Du meine anfängliche Annahme - vor Stathis und Martys Empfehlungen - bestätigt.


    Danke nochmal ...
    cu ...
    Luzy

  • Hi folks!


    So, ich habe nochmal die Konstruktionsdaten neu berechnet und als PDF-Datei hochgeladen. Wer Interesse hat, kann sich die Daten gern einmal anschauen und ggf. Vorschläge oder Verbesserungen anbringen.


    Für strikte Nutzung von 1 1/4 Zoll Zubehör:
    http://people.freenet.de/dstra…mie/6Zoll_Newton_1_25.pdf


    Und für die Nutzung von 2 Zoll Zubehör:
    http://people.freenet.de/dstra…onomie/6Zoll_Newton_2.pdf


    Dabei habe ich die Daten für jeweils zwei Fangspiegelgrößen errechnet und bin dabei von Durchmessern ausgegangen, wie man sie käuflich erwerben kann. Ich muss allerdings gestehen, daß mit die 2-Zoll-Version mit 38 mm Fangspiegel am besten gefällt. Die Obstruktion erreicht jedoch schon gut 25%. Ich habe zusätzlich zu der Höhe des OAZ noch 1/2 Travel und 10 mm Extrahöhe eingerechnet. Ggf. ließe sich das ja auch noch reduzieren, ich bin jedoch von recht konservativen Werten ausgegangen.


    cu ...
    Luzy

  • interessant wäre da vielleicht noch eine Variante mit 30mm Fangspiegel, also 20% Obstruktion und dem Fokus dann etwa 6cm über dem Tubus. Ist mit dem JMI-Auzug ohne Probleme möglich. Müßtest nur schauen, ob es in dieser Größe einen günstigen Standard-FS gibt.

    Bino-Tom


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  • Ja, den würde ich bauen. Auch die Ausleuchtung am Rand ist noch sehr gut und das 100% Bildfeld ist auch sehr groß für visuelle Zwecke. Der Kontrast wird durch den kleinen FS ebenfalls sehr gut sein. Würde ein schönes Teil werden, vor allem eines, das es nirgendwo käuflich zu erwerben gibt, als reinen Newton natürlich. (Intes Micro hat ja den MN66, der fast identische Daten hat.)

    Bino-Tom


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  • Ja, auf jeden Fall. Das das einwandfei funktioniert beweist ja auch die Beliebtheit des MN66. Frag mal bei Besitzern dieses Teleskops nach. Die müssen es ja wissen.
    Lassen sich über die Foren sicher ein paar davon ausforschen.

    Bino-Tom


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  • Hm, das ist wohl richtig, das MN61 hat auch "nur" 30 mm Fangspiegeldurchmesser ... ich denke, ich werde das mal in Angriff nehmen. Ich bin zwar noch wegen der starken Vignettierung am Rand, vor allem bei 2 Zoll Okularen, etwas skeptisch, aber ich denke, da sprechen sicher die Erfahrungen der Beobachter mit diesen Geräten. Selbst wenn es wirklich nicht funktionieren sollte, ist ja eigentlich nichts verloren.


    Noch abschließend zu der Höhe des Fokus über dem Tubus:
    Meinst Du, daß zusätzlich zur Höhe des OAZ (hier 40 mm) der 1/2 Travel (also ca. 20 mm) reicht - also insgesamt 60 mm? Komme ich damit bei allen Okularen bequem in den Fokus (sprich 2 und 1 1/4 Zoll)?


    cu ...
    Luzy

  • Hi Luzy,


    es gibt ein paar wenige Okulare die eine knappe Fokuslage haben, wie zb. das Speers Zoom oder die Widescans. Sollte sich aber auch mit diesen noch ausgehen. Auschließen
    kann man aber nicht, daß es selten aber doch mal nicht klappt. Ersatz für ein anderes
    Modell gibts in dem Fall aber sicher. Würde mir darüber also keine großen Sorgen machen.

    Bino-Tom


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