Ein leistungs-starkes Celestron C 9.25

  • Ein leistungs-starkes Celestron C 9.25

    Bei diesem C 9.25 sind einige Tests möglich, die man bei SC-Systemen normalerweise wegläßt. Zum Beispiel
    ein Auflösungstest, den man mit einem Baader Meßokular auch am Himmel erstellen kann, allerdings dann nur
    mit einfacher Genauigkeit, hier in Autokollimation hingegen in doppelter. Dazu mißt man den Durchmesser
    eines Sterns im Fokus, mein 0.015 mm künstlicher Stern wurde von diesem System mit ca. 0.025 mm abgebildet,
    was nach der Rechnung zu einer Mindestauflösung von ca. 1 arcsec führt. Bei einem gleich großen Newton-
    spiegel hätte man eine theoretische Auflösung von 0.589 arcsec. Wobei hier die Obstruktion noch eine Rolle
    spielt. SC-Systeme leiden häufig unter einem hohen Streulicht-Anteil, der hier stark reduziert ist und
    deswegen eine kontrastreiche Abbildung ermöglicht.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-01.jpg]

    Der Rochi-Gitter-Test mit 13 lp/mm intrafokal zeigt nahezu keinen Öffnungsfehler, noch
    gravierende Zonen, die bei SC-Systemen manchmal deutlich ausgeprägt sind.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-02.jpg]

    Ein wichtige Frage ist auch die von SC-Systemen über die Schmidtplatte eingeführter
    Farblängsfehler, der hier erstaunlich niedrig ist. Über die links/rechts Farbverteilung beim
    Foucault-Test läßt sich dieser Fehler deutlich darstellen.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-03.jpg]

    Auch der Lyot- Rauhheitstest zeigt eine vergleichsweise glatte Fläche. Damit ist der Streu-
    lichtanteil sehr gering, was auch bei den weiteren Test sehr deutlich wird.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-04.jpg]

    Der Spalt-Test ist bei SC-Systemen aus zwei Gründen sehr kritisch: Über rauhe Flächen ist
    der Streulicht-Anteil sehr hoch und verdirbt den Kontrast, der farbabhängige Öffnungs-
    fehler (Gauß-Fehler) bei manchen Herstellern derart ausgeprägt, daß eine deutliche Spalt-
    abbildung ebenfalls nahezu unmöglich ist. Bei diesem System erfreulicherweise eine ähnlich
    gute Abbildung, wie bei einem Maksutov. Man vergleiche die anderen Systeme dazu. Die
    Vergrößerung mit einem 2.5 mm Vixen Okular in Autokollimation entspricht am Himmel einer
    Vergrößerung von 1880 fach.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-05.jpg]

    Der Sterntest zeigt für geübte Beobachter alle Feinheiten sofort, so man sehr viel Übung
    mit ihm hat: Zunächst sollte das intra/extrafokales Sternscheibchen möglichst ähnlich
    bis gleich sein. Der Rand sich in beiden Zuständen nicht wesentlich unterscheiden, die
    Kreisringfläche möglichst ohne Störungen sein, zieht man die Beugungs-Ringe einmal ab.
    In diesem Fall war bereits zu Beginn klar, daß es sich hier um ein sehr wertvolles System
    handelt mit einem sehr geringen Streulicht-Anteil.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-06.jpg]

    SC-Systeme führen über die Schmidtplatten-Herstellung häufig einen Astigmatismus ein,
    der in diesem FAll erstaunlich niedrich ist, und damit ein hoher Strehlwert herauskommt.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-07.jpg]

    AtmosFringe, das in Zusammenarbeit mit dem Programmierer Massimo Ricardi ständig weiter-
    entwickelt wird, ist für die standardmäßige Streifenauswertung mittlerweile eine hochwertige
    Software geworden, die FringeXP weit hinter sich gelassen hat.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-08.jpg]


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-09.jpg]

    Interessant weiterhin ist der Umstand, daß auch dieses SC bei 532 nm wave (grün) über-
    korrigiert reagiert, was bei anderen Herstellern bis zu 30 Prozentpunkte Strehldifferenz
    ergibt. In unserem Fall muß man ca. 10 Prozentpunkte bei 532 nm wave abziehen.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@C9-10.JPG]

    Jedenfalls ein Gerät, das meinen Sammlerinstinkt wach-werden ließ. Aber leider hat es bereits
    einen anderen glücklichen Besitzer.

  • Hallo Wolfgang,


    na ja, leistungsstark, ich weiß ja nicht. Kein besonderes I-Gramm: 0.94 Strehl und ptv 1/5 lambda im roten Licht. Die sind alle ähnlich, vielleicht das eine oder andere etwas schlechter (siehe e-mail). Der Sterntest ist auch nicht berauschend, wenn ich da an mein oranges C8 denke...
    Entscheidend eher die Leistung am Himmel: da haben wir das C9,25 mit dem I-Gramm (e-mail) getestet: am Planeten keine Chance gegen 6" ED Apo, 7" MN (Intes MN76) oder 9" Mak (Intes MK-91), hat halt zuviel Obstruktion und keine hervorragenden optischen Oberflächen...


    Viele Grüße
    Cord

  • Hallo Cord,

    erst einmal vielen Dank für das Certifikat vom Kollegen, das Du mir per Email zukommen hast
    lassen. Nun lassen sich aber dieses Certifikat und mein Bericht hier nur bedingt miteinander
    vergleichen. Qualitative Aussagen hinsichtlich Streulichtanteil, Glätte der opt. Bauteile,
    bzw. Wellefront, Farblängsfehler, und Gaußfehler fehlen völlig. Was mich jedoch an diesem
    Interferogramm nachdenklich macht, daß bei diesem C9.25 die Optimierung bei 532 nm sein soll?
    Bisher habe ich bei fast allen SC's eine Optimierung bei 632.8 nm wave und eine korrelierende
    Überkorrektur bei 532 nm wave feststellen können. Da juckt es regelrecht in den Fingern, das
    noch einmal genauer zu untersuchen. Das IGramm wäre für meine Begriffe untypisch.
    Im übrigen geht es bei allen SC-Sytemen weniger um den Strehl, sondern um die Farbfehler, das
    Streulicht und den herstellungsbedingten Astigmatismus. Bei der großen Zahl von SC-Systemen,
    die ich hier bereits untersucht habe, ist der über die Schmidtplatte eingführte Astigmatismus
    der Strehl-"Killer" Nr. 1. Und gegen den ist kein Kraut gewachsen. Insofern sind üblicherweise
    Maksutov-Systeme den SC-Systemen überlegen. Natürlich auch hinsichtlich ihres geringeren Streulicht-
    anteils.
    Da man aber unterschiedliche Systeme nicht miteinander vergleichen sollte, kann man mindestens
    von dem hier untersuchten C9.25 sagen, daß alle Tests auf ein sehr gutes System hinweisen.

    Zitat

    Entscheidend eher die Leistung am Himmel: da haben wir das C9,25 mit dem I-Gramm (e-mail) getestet: am Planeten keine Chance gegen 6" ED Apo, 7" MN (Intes MN76) oder 9" Mak (Intes MK-91), hat halt zuviel Obstruktion und keine hervorragenden optischen Oberflächen...


    Da stimme ich Dir unumwunden zu. Das wäre für ein SC-System bei dem heute üblichen
    Herstellungsverfahren auch gar nicht anders denkbar. Das weiß aber auch jeder, hoffe ich.
    Andererseits werden gerade mit SC's wunderbare Planeten-Aufnahmen abgeliefert, so daß
    die Qualitäts-Diskussion auf mich dadurch schon sehr fragwürdig wirkt.

  • Hallo Seal,

    Zitat


    Kann AtmosFringe mitlerweilen "AutoTrace" ?
    Wenn nicht ist die Auswertung von Interferogrammen
    in CoC eine Gedultsarbeit die edliches an Zeit benötigt....
    <!-- / message -->



    AtmosFringe wird ständig weiterentwickelt, da sorge ich schon im Eigeninteresse dafür. Ein ganz wesentlicher Schritt war das automatisierte "Sprühen" der Punkte mit der Maus mit unterschiedlicher Einstellung der Punktabstände und die iterative mittige Optimierung der Punkte. So kann man jetzt in einem Zug einen Interferenz-Streifen mit der gedrückten Maustaste nachziehen und anschließend programmseitig mittig korrigieren. Damit entfällt das Einzelpunkt-Setzen, das viel Zeit gekostet hat, wie Du richtig schreibst. An der Funktion der automatisieren Streifenerkennung programmiert Massimo gerade, es dauert also auch nicht mehr lange. Da ist allerdings ein kontrastreiches Interferogramm ganz wichtig, wenn sich das Programm nicht "verlaufen" soll, wie man das von FringeXP her kennt. Einer meiner Wünsche ist auch eine Averaging-Funktion, mit der man auf der Ebene der Zernike-Koeffitienten mehrere Interferogramme einer Optik zusammenfassen kann, wie das ein Zygo auch macht. Was genaugenommen auch jetzt schon möglich ist, weil man die Zernike-Polynome einzeln variieren kann. Im Extremfall aber noch sehr umständlich.

    Demnächst befasse ich mich intensiver mit den Feinheiten der ZYGO-Meßtechnik in einer Firma nicht weit von hier.

    Unabhängig davon ist die Auswertung von Kegelschnitt-Flächen (Parabel) aus dem RoC weitaus kritischer als Autokollimations-Messungen, wobei die Lagerung der Spiegel zusätzliche Probleme verursacht, man in bestimmten Fällen vertikal messen müßte. Das große Problem der RoC Streifenbilder für den Betrachter: Koma und Astigmatismus erkennt man nur noch schwer. Also enthält das Programm die Umrechnung auf Null, als wäre es ein Kompensations-Interferogramm. Macht ein ZYGO ebenso.

    Trotzdem auch weiterhin hoch interessant, die Sache.
    Außerdem gehe ich "schwanger" mit dem Messen von großen Newton-Spiegeln gegen eine Flüssigkeits-Oberfläche.

  • Hallo Seal,

    Massimo wird eine ältere Demo-Version verschicken. Ich kenne die gar nicht, sondern jeweils die aktuellen Updates, die ich dann zum Testen bekomme.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/AtmosFringe07.jpg]

    [IMG:http://rohr.aiax.de/AtmosFringe08.jpg]

    und erst die Umrechnung auf Null im einfachen Durchgang läßt den Astigmatismus deutlich erkennen:

    [IMG:http://rohr.aiax.de/AtmosFringe09.jpg]

  • Hallo Wolfgang,


    wenn ich diese Auswertung sehe dann weiß ich einmal mehr, warum ich selbst kein SC mehr besitze. Die Kontrastleistung ist einfach zu gering für hohe visuelle Ansprüche.


    Es zeigen auch die Ronchilinien schon die immer noch hohe Rauhigkeit, auch der Sterntest zeigt stark ausgefranste Beugungsringe, wieder die Rauhigkeit. Im Verhältnis zu anderen SC's ist dieses sicher vergleichsweise glatt, aber ein gutes MC von Intes-Micro wäre um Welten glatter.


    Hinzu kommt die hohe Obstruktion und der meist schlechte Auskühlzustand. Die Performance geht dann ganz schnell in den Keller.


    Ich persönlich sage daher nach wie vor "Nein Danke!" zu diesen Geräten.

    Bino-Tom


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  • Hallo Tom,

    hier in meinem Optik-Keller findest Du zwei erstklassige Dobsons, weitere nicht eingebaute Newton-Spiegel, je ein TMB Apo, ein Synta FH, derzeit ein Clant, natürlich auch ein C11 und noch eine Reihe weiterer Russentonnen etc. Mein Lieblings-Dobson ist der mein 12,5", der an Auflösung und Kontrast unschlagbar ist: Visuell, weil mein Schwerpunkt nicht auf der Fotografie, sondern eher beim Testen von Geräten liegt.
    Visuell und Fotografie sind widerstreitende Anwendungen, die mit unterschiedlichen opt. Systemen glücklich werden können. Es ist eher ein "Religions-Krieg", der beide Gruppen trennt. Aus dem Kampf-Getümmel werde ich mich daher lieber heraushalten. Ich schätze die Vorteile beider Systeme und lebe schon lange auch mit ihren Nachteilen ganz unbeschwert.

  • Hallo Binoviewer,

    ich frage mich, ob Dein gedanklicher Ansatz für einen Großteil der Beobachter richtig ist. Sicherlich gibt es noch bessere Optiken, aber auch teurere und schwere Geräte.
    Ich kann verstehen, wenn Du für Dich andere Geräte bevorzugst. Warum soll man mit einem guten SC nicht gute Beobachungen machen können, dabei Öffnung haben, kompakter und relativ leichter Tubus, der zudem bezahlbar ist. Stimmt noch die Qualität, so ist das sicher ein Grund zur Freude für den Besitzer. Jedenfalls dann, wenn man nicht die absolut beste Optik haben muss. :cool2:
    Und in der Summe aller Eigenschaften wird es sowieso die ideale Wahl nur für die Anforderungen geben, die der Beobachter an sich stellt.
    Dann kann durchaus ein SC herauskommen.

    Es grüßt Ralf

  • Richtig Ralf, deshalb habe ich auch geschrieben:


    "Ich persönlich sage daher nach wie vor "Nein Danke!" zu diesen Geräten"


    Das ist also ein ganz persönliches Fazit.
    Diskutieren kann man über persönliche Vorlieben sowieso nicht, nur über physikalische Fakten. Diese sind hinreichend bekannt und ist jeder frei in seiner Entscheidung.

    Bino-Tom


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  • Hallo Wolfgang,


    entspannt stehe ich ebenfalls allen Systemen gegenüber. Über 12 Jahre lang habe ich intensiv mit einem 8" SC von Meade (Modell 2080, eines der Ersten) beobachtet. Vor allem Saturn war immer grandios damit, Jupiter allerdings weniger, was mich damals immer gewundert hat. Heute weiß ich warum.


    Als ich dann das erste Mal Jupiter im 7" Maksutov-Newton gesehen habe traute ich meinen Augen nicht und fing erst damals an zu begreifen, was optische Qualität wirklich bedeutet.


    Heute sage ich: freuen wir uns doch, daß wir unter sovielen schönen Systemen wählen können. So kann jeder glücklich werden, ganz wie er meint.


    ps. mein 12" Newton zeigt am Jupiter nochmal deutlich mehr als der 7" MN, allerding nicht ganz so astrein ästhetisch (wegen der Spikes).

    Bino-Tom


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  • Hallo Uwe,


    ich denke, daß im Großen und Ganzen die C9,25 nicht besser sind als die anderen SC's. Es wird aber mit diesem Gerät bevorzugt Fotografiert und so gibt es hier auch die meisten guten Ergebnisse.


    Dieses Vorurteil, daß die C9,25 besser sind hat sich aus einer Zeitspanne heraus entwickelt, in der jenes Gerät nur sehr selten verkauft wurde und durch die derart geringe Stückzahl auch eine entsprechend sorgfältige Fertigung möglich war.
    Heute gehen bereits soviele C9,25 über den Ladentisch, daß es ebenfalls nur mehr als Massenartikel betrachtet werden kann. Die Qualität hat eindeutig nachgelassen, die wirklich sehr guten Exemplare werden immer weniger. Ich kenne selbst 2 C9,25 die lediglich durchschnittliche Optiken haben.


    Gute Exemplare kenne ich aber auch vom C8, C11 und C14 sowie vom 10" Meade. Die große Masse ist aber nur von durchschnittlicher Qualität. Diese liefern auch gute Bilder, man sieht aber als erfahrener Beobachter sofort die gebremste Kontrastleistung.


    Wenn man bewußt ein wirklich sehr gutes SC sucht muß man sich schon ganz schön ins Zeug legen, ist nicht so leicht zu bekommen, außer man hat echtes Glück. Mit sehr gut meine ich hier: mind. 0,95 Strehl im Grünen, kaum Fließstrukturen, vergleichsweise gute Glätte, kein Astigmatismus, kaum Shifting.


    Es gibt solche Geräte von Celestron und auch von Meade, von Celestron etwas häufiger. Die Häufigkeit schätze ich dabei auf etwa 1:10.

    Bino-Tom


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  • Hallo Tom,


    Deine Einschätzung kann ich nur bestätigen:


    Zitat

    Dieses Vorurteil, daß die C9,25 besser sind hat sich aus einer Zeitspanne heraus entwickelt, in der jenes Gerät nur sehr selten verkauft wurde und durch die derart geringe Stückzahl auch eine entsprechend sorgfältige Fertigung möglich war.
    Heute gehen bereits soviele C9,25 über den Ladentisch, daß es ebenfalls nur mehr als Massenartikel betrachtet werden kann. Die Qualität hat eindeutig nachgelassen, die wirklich sehr guten Exemplare werden immer weniger. Ich kenne selbst 2 C9,25 die lediglich durchschnittliche Optiken haben.


    Eine genaue Untersuchung findet in der Regel nicht statt, und Feldaufnahmen sind nur bedingt miteinander vergleichbar. Gerade der Foucault-Test zeigt sehr schnell, was man vor sich hat.