Wieder ein ED-APO oder nicht ???

  • Weitere Berichte zum Thema findet man hier:
    ein baugleiches Vixen ED 114/600 SS
     
    Das heutige Beispiel, ein ca. 5 Jahre alter Vixen ED 114/600, APO oder nicht, wäre ein weiteres höchstinteressantes
    Beispiel für die hochwertigen Zwei-Linser aus ED-Gläsern, die den Sternfreunden mittlerweile zur Verfühgung stehen.
    Daß diese hochwertigen und mittlerweile sehr billigen Fast-Aposchromaten den traditionellen Apochromaten und ihren
    Händlern Absatzprobleme bescheren, versteht jeder. Und so manche Kampagnie, die dagegen anschreibt, hat hier ihre
    Ursache. Es ist aber in jedem Fall besser, sich akribisch damit auseinanderzusetzen, um die feinen Unterschiede heraus-
    zuarbeiten.
    Der heutige Fall war deswegen höchst interessant, weil es zu diesem Fast-Apo einen Feldkorrektor gibt, der zwar das
    Bildfeld ebnet, dafür aber den Farblängsfehler um den Faktor 3 verlängert und witzigerweise auch noch die Lage der
    Spektral-Farben umkehrt.
     
    Das Teleskop, von dem der bisherige Besitzer berichtet, daß ohne Korrektor das Bild "schärfer" sei, womit er, wie dieser
    Test zeigt, recht hat.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen01.jpg]
     
    Den über den BathInterferometer mit Interferenz-Filtern gemessene Farblängsfehler in der 0.707 Zone bedingt durch die
    Über-/Unterkorrektur bei blau und rot.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen02.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen02a.jpg]
     
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen02b.jpg]
     
    Sehr schön kann man über die Lage der Farben beim Foucaultbild die Reihenfolge des Farblängsfehlers darstellen,
    zusätzlich überlagert vom Gaußfehler. Bei der Grundversion ist der Farblängsfehler typisch in der Reihenfolge:
    e, d, F, C, bei der Korrektorversion hingegen F, e, d, C;
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen03.jpg]
     
    zur besseren Darstellung nochmals die Foucault-Bilder
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen04.jpg]
     
    Das Optimum liegt eindeutig im Bereich der Natrium-Doppellinie, gelb bei 587.6 nm wave: im kürzeren Septrum reagiert das
    System überkorrigiert, im längeren dagegen unterkorrigiert ohne und mit Korrektor.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen05.JPG]
     
    Die "M"-förmig verbogenen IGramme zeigen die Überkorrektur, die "W"-förmig verbogenen die Unterkorrektur an. Ein flaches
    "S" über dem gelben IGramm zeigt Achs-Coma an.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen06.jpg]
     
    Das Optimum dieses ED-Refraktor liegt eindeutig bei grün, besser noch bei gelb und hat ohne den Korrektor ebenfalls einen
    sehr niedrigen Farblängsfehler in der Nähe der bereits vorher untersuchten Apochromaten.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen07.jpg]
     
    Der WEllenfront-Darstellung sieht man sehr gut den Coma-Fehler an.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen08.jpg]
     
    Trotzdem ist dieser APO, Fast-Apo oder wie immer, ein hochwertiges Teleskop mit Werten, die man auch von den viel
    teueren APO's erwartet. Aus der Preis-Diskussion muß ich mich allerdings konsequent heraushalten. Mich interessieren
    ausschließlich die opt. Besonderheiten, und da war mir das Vixen gerade recht.

  • Hallo Wolfgang,
    ein interessanter Bericht !
    Gerade die Wirkung des Korrektors ist sehr aufschlussreich.
    Sonst hört mann immer nur " Der Korrektor verbessert das Bild ".
    Man sieht nun, wenn man sich wie du jetzt der Angelegenheit mal genau annimmt, was da optisch passiert.


    Ich habe aber noch eine Frage zu der Abb. "Farblängsfehler mit/ohne Korrektor..."
    Es sieht für mich aus als hätte die untere Bildreihe " mit Korrektor " weniger Farblängsfehler an den Beugungsbildern, oder interpretiere ich das falsch ?


    Gruß,
    Volker

  • Hallo Volker,
     

    Zitat

    Ich habe aber noch eine Frage zu der Abb. "Farblängsfehler mit/ohne Korrektor..."
    Es sieht für mich aus als hätte die untere Bildreihe " mit Korrektor " weniger Farblängsfehler an den Beugungsbildern, oder interpretiere ich das falsch ?


     
    Ich gehe davon aus, daß Du dieses Bild meinst. Die Ausleuchtung der Sternscheibchen mit meiner Olympus Camedia 5050 ist abhängig von der Fokus-Nähe und der damit verbundenen kürzeren Belichtungszeit. Über die Verkleinerung des jeweiligen Bildes geht vor allem die Information des für den Farblängsfehler wichtigen Randes verloren. Deshalb kam ich auf die Idee, jeweil intra/extrafokal einen Ausschnitt der Normal-Auflösung einzufügen, weil man dann die Lage der Farben gut sieht. Je mehr sich der Farbeindruck des Sternscheibchen einer weißen Scheibe annähert, umso farbreiner wäre die Abbildung. Das schaft aber nur ein reines Spiegelsystem, bereits Maksutovs und SC's haben einen leichten Farblängsfehler, nahezu alle APO's, etwas ausgeprägter die ED's und besonders deutlich natürlich die FH-Optiken.
    Siehe dazu meine Sammlung: http://rohr.aiax.de/foucault-bilder.jpg
     
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ED-Vixen03.jpg]

  • Danke Volker für die Präzisierung, ich habe daraufhin meine Bilder nochmals untersucht: Als Information kann man dem Sternscheibchen und dem Foucault-Test nur die Lage der Farben entnehmen, nicht den exakten Abstand vom Nullpunkt, der läßt sich nur über farbige Interferogramme genau bestimmen. Unabhängig davon werde ich mich mit dieser Art Darstellung natürlich weiter beschäftigen, da gibt es noch einige Möglichkeiten.

  • Hallo Wolfgang,
    ich dachte man könnte den Farblängsfehler direkt auf den Detailaufnahmen erkennen. Das sah für mich so aus als wenn eventuell die beiden Bildreihen, oben und unten, vertauscht worden wären.


    Vielen Dank und Grüße,
    Volker

  • Hallo Volker,
     
    die Systematik werde ich mir an einem FH-Objektiv nochmals schrittweise genau ansehen
    und hernach noch etwas besser darstellen. Jedenfalls überlagern sich die Farb-Schnitt-
    weiten mit den Schnittweiten der Zonen der Farben. Damit entsteht eine Überlagerung, die
    in gleicher Weise beim Sterntest wirkt: Intrafokal hat man beim Sternscheibchen als Saum
    die länger fallenden Spektral-Farben, extrafokal wieder als Farbsaum die kürzer fallenden
    Strahlen.
     
    Beim Foucault-Test kann man auch die Lage der Farbschnittpunkte/Zonen ablesen, was ich
    aber noch etwas einleuchtender untersuchen möchte. Viele Geräte habe ich leider immer
    nur wenige Stunden.
     
    Hier ein Beispiel, wie sich ein und dasselbe Bild in der Mitte bei ein und derselben Messer-
    schneide-Einstellung unter den Spektralfarben darstellt und in der Mitte überlagert. Zusätzlich
    kommt in diesem Fall noch Achskoma und Über-/Unter-Korrektur hinzu. Während sich in der
    linken Hälfte mehr rot und blau zonen- und korrekturabhängig überlagern, findet rechts die
    Überlagerung von grün und gelb statt. Wobei grün/gelb nahezu eine Schnittweite haben,
    und blau und rot ebenso.
     
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ZeissAS.jpg]
     
    wenn man das Zusammenspiel der vier Farben genauer untersucht, (die Messerschneide kommt von rechts)
    dann liegt für blau/rot der Schatten noch intra- und für grün/gelb der Schatten bereits extrafokal, dem
    roten Bild sieht man auch noch die Unterkorrektur durch den flachen "Berg" an. In der Zusammenschau in
    der Mitte kann man nun blau, gefolgt von rot der längeren Schnittweite und grün und gelb der kürzeren
    Schnittweite zuordnen. Das wird über die IGramm-Messungen bestätigt. Der große Vorteil dabei ist, daß
    man bei jedem Refraktor und katadioptrischen System sofort den Farblängsfehler und die Lage der Spektral-
    Farben bestimmen kann, nicht jedoch die exakten Abstände.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/ZeissAS1.JPG]
     
    Auch beim Sterntest geht man wohl besser in Fokusnähe.

  • Zu diesem Objektiv gibt es eine lustige Geschichte: Unter den älteren Optik-Freaks, zu denen ich mich ja zählen darf, gibt es einen über 30-jährigen Kontakt und wir tauschen uns regelmäßig aus. Dieses wirklich hervorragende Objektiv wurde also aus mir zunächst unbekannten Gründen ausgerechnet zu einem mir befreundeten Optik-Spezialisten geschickt, zusammen mit meinen eigenen Ergebnissen auf einer CD. Auch dieser Tester kam nun zum gleichen hervorragenden Ergebnis, wie ich auch, fand ebenfalls keinen Farbquerfehler und schaute sich aber nun etwas aufmerksamer den Bereich um den Objektivring an. Dort fand er Markierungen von Baumarktschrauben, die mit großer Wahrscheinlichkeit eine Taukappe zu halten hatten. An drei Stellen natürlich. Bei richtiger Dosierung des Schraubdruckes läßt sich dadurch die hervorragende Qualität einer Optik mühelos reduzieren auf das Level einer Gurke. Und da beginnen dann die Gurken-Threads und die bösen Tester, die das dann kaschieren! Diese Bemerkung zielt nicht auf den derzeitigen Besitzer dieses Opjektivs.