TAL Fraunhofer 100/1000

  • Von Bernhard Schmidt gelernt, Quelle01, Quelle02, Quelle03, Quelle04, Quelle05

    Einige der ganz alten Sternfreunde ( Prof. Dr. J. Larink von der Hamburger Sternwarte der mit Bernhard Schmidt jahrelang
    zusammengearbeitet hat) haben ihn noch gekannt, und sie erzählen lustige Geschichten aus seiner Arbeit mit
    der Herstellung von optischen Fernrohren. In diese Lage kam ich heute beim Versuch, einem Fraunhofer die Achskoma
    "austreiben" zu müssen. Und da ich einige dieser alten Geschichten bereits vor vielen Jahren zugetragen bekam von
    Leuten aus Bergedorf, wo Bernhard Schmidt wirkte, benutzte ich die gleiche Methode, die Achs-Coma eines Fraunhofers
    zum größten Teil loszuwerden.

    Ein TAL 100/1000 sollte vermessen und optimiert werden. Da aber die Achskoma doch erheblich bereits im Interferogramm
    auftauchte, stand ich vor der Wahl, das Objektiv auseinandernehmen zu sollen, oder es in der Weise wie Bernhard Schmidt
    zu probieren, der für solche Fälle eine bestimmte Technik entwickelt hatte. (Hinweis im Verzeichnis) Gefühlsmäßig tastet
    man sich in gleicher Weise voran und stellt dabei voller Freude fest, daß der Anteil der Achskoma zunehmend geringer wird,
    also die LinsenVerkippung auf diese Art zu beseitigen ist.

    Nun bekommt man relativ selten diesen Fernrohr-Typ frei Haus geliefert, der sich hinsichtlich Verarbeitung und Qualität
    sehr deutlich von Optiken aus Fernost unterscheidet. Also alles saubere Arbeit, wie man das auch von Zeiss her kennt.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-01.jpg]


    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-01A.jpg]

    Beim Sterntest erkennt man sehr schnell die vom Farblängsfehler hervorgerufenen Effekte, also die Schnittweiten-Differenz
    bestimmter Spektral-Farben, die für die rot-violetten Farbsäume verantwortlich sind bei hellen Objekten. Diesen Farblängs-
    fehler kann man sehr sicher mit einem Weißlicht-BathInterferometer und engen InterferenzFiltern ermitteln. Im Falle des
    TAL FH ergeben sich folgende Werte:

    e-Linie ...+ 0.000 mm kürzeste Schnittweite
    d-Linie ...+ 0.125 mm RC-Wert: 1.145
    F-Linie ...+ 0.345 mm RC-Wert: 3.159
    C-Linie ...+ 0.645 mm RC-Wert: 5.910
    ..............................RC-Wert gesamt 4.532

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-02.jpg]

    Ebenfalls deutlich sieht man die Farbverteilung im Foucault-Test qualitativ, die man überschlägig so entsteht, daß
    bei einer mittleren Schneiden-Position der gelb-grüne Farbanteil noch intrafokal liegt, der rot-blau Anteil dagegen
    bereits extrafokal. Dadurch kommt die farbliche Auffächerung zustande, und ist zugleich ein Indiz, ob es sich um
    einen Achromat, ein HalbApochromat/ED-Optik oder schließlich um einen Voll-Apochromaten handelt. Mit der exakten
    Schnittweiten-Messungen läßt sich dies integrativ (0.707 Zone) ermitteln und man bekommt den bei Lichtenknecker
    bereits benutzten RC-Wert für Rest-Chromasie, und damit eine eindeutige Unterscheidung, ob ein APO auch ein APO
    ist. In diesem Falle ein gutes FH-Objektiv.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-03.jpg]

    Beim Ronchi-Gitter-Test würde man den Gaußfehler gut sehen, also der von der Wellenlänge abhängige Öffnungs-
    Fehler. Für Fraunhofer wäre das auf Grün (550 nm wave) optimiert, im roten Spektrum unterkorrigiert, im blauen
    Spektrum dann überkorrigiert. Genau sieht man diese Situation bei den vier Interferogrammen: Da Optimum liegt
    in der Gegen der C-Linie. Da dieser Gaußfehler aber nur gering ausgeprägt ist, müßte man den LinsenAbstand um
    wenige Micron vergrößern. In diesem Falle viel zu riskant, ein einigermaßen funktionierendes Objektiv zu zerlegen.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-04.jpg]

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-05.jpg]

    Wer nun nicht gerade ein Strehl-Fetischist ist und nur mit einem 0.99 Strehl Objektiv zufrieden sein kann, wird wissen,
    daß man am Himmel derartige Feinheiten nicht mehr bemerkt, konnte ich unlängst erst wieder an einem C14 nachvoll-
    ziehen. Somit ergibt sich für die d-Linie (587.6 nm wave) folgende Auswertung:

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-06.jpg]

    Zusammenfassend ein sehr gutes kleines TAL Fraunhofer-Objektiv, das auch im Spalttest einen sehr guten Eindruck
    machte. Natürlich stört der Farblängsfehler bei einer Vergrößerung von 800-fach, aber man erkennt ihn deutlich. Man kann
    ihn auf einfache Weise beseitigen, wenn man den Blau-Anteil über einen Gelbfilter beseitigt, oder mit dem Colar Continuum
    von Baader den SpektralBereich auf 550 nm eingrenzt. Das Filter-Sortiment von Baader ist dabei sehr hilfreich.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/@TAL100-07.jpg]

    http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=6084

  • Hallo Wolfgang,


    Danke für den schönen Bericht!

    Rohr schrieb:

    Da aber die Achskoma doch erheblich bereits im Interferogramm
    auftauchte, stand ich vor der Wahl, das Objektiv auseinandernehmen zu sollen, oder es in der Weise wie Bernhard Schmidt
    zu probieren, der für solche Fälle eine bestimmte Technik entwickelt hatte. (Hinweis im Verzeichnis)


    Ich hab die entsprechende Stelle im Verzeichnis leider nicht finden können, kannst Du bitte nochmal den genauen link geben?

    Rohr schrieb:

    Zusammenfassend ein sehr gutes kleines TAL Fraunhofer-Objektiv, das auch im Spalttest einen sehr guten Eindruck
    machte.

    Wurde der Spalttest mit Weißlicht gemacht?


    Freundliche Grüße: Uwe

  • Hallo Uwe,

    Zitat

    Ich hab die entsprechende Stelle im Verzeichnis leider nicht finden können, kannst Du bitte nochmal den genauen link geben?

    Das war auch ein Hinweis für mich selbst, wo ich die Aufzeichnungen zu suchen hätte. Manche Informationen gibt man besser intern weiter. Erstens weil erst einmal abgekupfert wird und zweitens, weil man dann erzählt bekommt, warum das ganz bestimmt nicht so funktioniert, obwohl es bei Bernhard Schmidt, der nur noch einen Arm zur Verfügung hatte, bestens funktionierte. (Von Bernhard Schmidt ist ja bekannt, daß er das Verfahren zur Herstellung seiner Schmidtplatte nie preisgegeben hat.)Es ist jedenfalls eine über 100 Jahre alte Quelle über zwei Stationen mündlich überliefert.

    Der Spalt-Test ist im Weißlicht gemacht, was man am Farbsaum erkennen kann: Und zwar wieder die typische Farbverteilung wie schon bei Foucault: Fokussiert auf den grün-gelben Bereich, umspielt vom roten/blauen (unscharfen) Bereich.

  • Noch eine Bemerkung, über die ich sehr gestaunt habe. Dieser kleine Fraunhofer hat eine völlig normale Verteilung des Farblängsfehlers, also grün-gelb ebenso dicht beieinander wie blau und rot. Bei keinem der Tests irgendeine Auffälligkeit, typ. Fraunhofer Merkmale. Es gibt aber trotzdem Händler, die erzählen, diese Optik hätte einen Gelbstich, würde man nur ein Blatt Papier vors Objektiv halten. Haben wir gemacht. Einen Gelbstich konnten wir nicht entdecken.

    Was wir aber entdeckten:

    Zitat


    ... gibt es chinesiche Hersteller, die hervorragende Optiken .... bauen ... zu einem unschlagbaren Preis.

    der Händler hätte schreiben sollen: zu einer großen Gewinnspanne. So also funktioniert der Markt.

  • Hallo Wolgang,


    damit gehört dieser TAL Fraunhofer 100/1000 zu den besten Vierzöllern in F10, wie ja schon Damals, von einem Händler bei Markteinführung gesagt.
    Aber Der, war ja aber auch gerade in der muss niedergemacht werden Fase (H-alpha usw....:mad2:) und da bleibt ein Erfolg, für so ein schönes Teil dann schnell aus.


    Gruß Günter

  • G2_Astro schrieb:

    Hallo Wolgang,

    damit gehört dieser TAL Fraunhofer 100/1000 zu den besten Vierzöllern in F10, wie ja schon Damals, von einem Händler bei Markteinführung gesagt.
    Aber Der, war ja aber auch gerade in der muss niedergemacht werden Fase (H-alpha usw....:mad2:) und da bleibt ein Erfolg, für so ein schönes Teil dann schnell aus.

    Gruß Günter



    Hallo Ihr Lieben, als einer der wenigen TAL 100R Besitzer hier in gutt oll Deutschelande....

    Ich erinnere mich deutlich an dieses Statement eines gewissen Herrn Astrohändlers (lassen wir mal den Namen wech) bei astronomie.de, war wohl in 2000 oder 2001:
    schlechte, hochreflektive Vergütung des Objektivs (So'n Quatsch, ist 'ne sehr gut ausgeführte MGF2-Vergütung); OAZ zum Schlittenfahren (ist völliger Quatsch, der ist voll justier- und einstellbar, weitere Ausgleichsplättchen sind innerhalb des OAZs eingelegt, die Friktion ist einstellbar durch Verdrehen des rechten Einstellrades gegen das festgehaltene linke, etc...:sleep: ). Die Blenden im Tubus sollten aus Holz sein(?????;) )), und was kam damals noch???
    Ach, lest doch mal selber:
    http://213.239.207.171/tal-forum/cgi-bin/UltraBoard/UltraBoard.cgi?action=Read&BID=1&TID=2244&P=1&SID=346012#ID6

    Hoffe das klappt hier.
    Jooh, und hier ist auch nochmal ein Schöner:
    http://213.239.207.171/tal-forum/cgi-bin/UltraBoard/UltraBoard.cgi?action=Read&BID=1&TID=8385&P=1&SID=346012#ID6

    Schön, dass das TAL-inchen einen so guten Eindruck beim Wolfgang hinterlassen hat, ich mag den meinen heute noch sehr!! Steht jetzt allerdings auf einer EQ-5 mit stabilem Buchenholz-Stativ. Muß ihn nur mal wieder öfters benutzen, in letzter Zeit bin ich nur noch dem 10 Zöller unterwegs!

  • Randolf,

    das tut mal richtig gut, Deinen Bericht zu lesen. Vielen Dank für den entspannten und zugleich informativen Beitrag. Ich hätte ja gar nichts gegen Kritik, wenn sie nur wenigstens nachweisbar begründet wäre. Aber in der Regel sind es dumme Behauptungen, wie die: Der TAL FH 100/1000 hätte einen Gelbstich. Ist so ziemlich das Dümmste, was mir als Argument bei einem Fraunhofer untergekommen ist. Ein Fraunhofer hat überlicherweise den bekannten Farblängsfehler, und der liefert ganz bestimmt keinen Gelbstich ab. Bei Spiegeln habe ich das über die Beschichtung, oder bei Okularen erlebt, vielleicht noch bei einem APO, aber ganz bestimmt nicht bei einem Fraunhofer-Achromat.

  • Hallo Sternfreunde, Hallo Herr Rohr !


    Sorry für die verspätete Stellungnahme. Bin neu hier in diesem Forum !
    Als Besitzer des oben getesteten TAL100RS, möchte ich noch mal danken für den aufschlußreichen Bericht.
    Die Gelbstichlegende dürfte ja eindeutig widerlegt worden sein. In einem Link von Randolf ist von einem TAL Königsplössl die Rede, das einen Gelbstich hat. Vermutlich haben auch betr. Astrohändler durch so ein TAL Plössl geschaut !? Aber gleich das FH-Objektiv vom "TAL" für den Gelbstich verantwortlich zu machen, halte ich für sehr oberflächlich. Das wäre ja so, als ob ich den Fernsehverkäufer nach der Bildqualität eines speziellen TV-Gerätes frage (daß sich vielleicht nicht so gut verkauft wie ein "Medion von Aldi"), er vorher Kontrast u. Helligkeit am Gerät verstellt hat, und mir dann antwortet: Das Gerät kann ich Ihnen nicht empfehlen, da die Bildröhre ein sehr flaues Bild erzeugt.
    Aber irren ist ja menschlich oder manchmal sogar gewollt !?


    Viele Grüße
    MF

  • Hallo Markus, kennst du eigentlich das Yahoo Tal Scopes Board???

    http://groups.yahoo.com/group/TALScopes/messages

    Musst allerdings, um dort zu lesen und posten, Mitglied werden! Ist aber interessant, da der Tal Refraktor in USA und Ausser-D viel verbreiteter ist, als man glaubt.

    Übrigens, die Beo-Berichte sind schon von mir. Mehr auf Talianer.de im Forum...

  • Hallo Randolf,


    Danke für den Tip. Kenne dieses das Yahoo-Board, hab schon öfters mal rein geschaut. Aber meine Englischkenntnisse sind nicht die allerbesten !!
    Muß mir mal ein Übersetzerprogram zulegen (Babylon oder so).


    Grüße Markus

  • Hallo Wolfgang,



    bei dem Tal Messprotokoll hast du einen Strehlwert von 0,95 bei 587,6nm angegeben. Da aber gleichzeitig ein nicht kleiner Farblängsfehler vorhanden ist, wird der Kontrast und das Auflösungsvermögen doch wieder drastisch verschlechtert.
    Demnach wäre doch die generelle Angabe des Strehlwertes ( der immer als Qualitätsbeweis angeführt wird), nur die halbe Warheit.
    Zumal es ja auch Vollapos , Tripletts, mit 0,95 Strehl gibt, die dann aber wohl eine wesentlich bessere Leistung bringen.


    Vielleicht könntest du diese Zusammenhänge noch mal kurz erläutern.


    Dann noch eine Frage zum RC- Wert. Wie wird der errechnet ?


    Gruß,
    Volker

  • Hallo Volker,

    erstmal Danke für Dein Interesse! Die Berechnung des RC-Wertes findet man hier:

    Zitat

    Zur Ermittlung dieser Werte sind zwei Formeln notwendig:

    Schärfen_Tiefe = 2 * Wellenlänge(e) * (f/D)^2 und
    RC/S2N-Wert = S2gemessen/Schärfen_Tiefe



    Der Strehl wurde bisher für 532 nm wave (grün) angegeben, beri TMB z.B. Früher bei 632.8 nm.
    Da wurde z.B. auf den Gaußfehler keine Rücksicht genommen. Und nur der ist für Dein Problem zuständig.

    Gaußfehler = farbabhängiger ÖffnungsFehler: Rot für gewöhnlich unterkorrigiert, grün soll perfekt sein,
    blau für gewöhnlich überkorrigiert. Das überlagert sich dann noch durch die Schnittweitendifferenz der
    einzelnen Farben, der Gaußfehler ist aber viel gravierender als Ursache für störendes Streulicht in der
    jeweiligen Farbe.

    Noch meine Antwort zum anderen Beitrag. Moderieren/editieren wird ein Mod nur im äußersten Fall,
    wenn ein Beitrag einen anderen User persönlich-beleidigend angreift, weil wir nämlich sonst juristische
    Auseinandersetzungen fürchten müssen. Bisher zeigte die Staatsanwaltschaft jedoch kein Interesse.
    So groß ist also diese Droh-Kulisse gar nicht.

  • Hallo Wolfgang,


    Zitat

    Gaußfehler = farbabhängiger ÖffnungsFehler: Rot für gewöhnlich unterkorrigiert, grün soll perfekt sein,
    blau für gewöhnlich überkorrigiert. Das überlagert sich dann noch durch die Schnittweitendifferenz der
    einzelnen Farben, der Gaußfehler ist aber viel gravierender als Ursache für störendes Streulicht in der
    jeweiligen Farbe.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, ist z.B. eine Optik mit einem sehr hohen Strehlwert im Grün, aber mit einem großen Gausfehler/Schnittweitenfehler in den anderen Farben, dann doch wieder in der Auflösung weniger Perfekt, als das es der Strehlwert vermuten lässt.
    Das würde dann heissen, am Strehlwert allein ( in einer Farbe gemessen ) , kann man letztendlich keine Aussage über die Qualität einer Optik machen?


    Gruß,
    Volker


    P.S. ...hab mich hier noch nie bedroht gefühlt....

  • Hallo Volker,


    So viel ich weiß nimmt man den Strehl für Grün zur Qualitätsbeurteilung deshalb, weil das menschl. Auge auf dieser Wellenlänge am schärfsten sieht.
    (Wolfgang möge mich korrigieren). Und was den Farblängsfehler angeht, so ist der doch im Testaufbau bei 800x facher Vergrößerung gemessen worden.
    Zitat:"Da aber gleichzeitig ein nicht kleiner Farblängsfehler vorhanden ist, wird der Kontrast und das Auflösungsvermögen doch wieder drastisch verschlechtert." Ja, in der Theorie.
    In der Praxis zeigt sich bei meinem TAL aber ein sehr geringer Farbfehler. Wer will kann ja den minimalen Blausaum (bei sehr hohen Vergrößerungen) mit Filtern behandeln, aber nicht nötig. Selbst bei 250x Vergr. zeigt sich am Jupiter kaum ein sekundäres Spektrum und schon gar kein "drastischer Kontrastverlust". Theorie ist eben das eine, Praxis das andere. Eben ein sehr guter Fraunhofer !!



    Grüße
    MF

  • Hallo MF,


    da hast Du mein Posting jetzt wohl falsch verstanden, oder ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt.


    Ich habe den Testbericht zu Anlass genommen um das Thema Strehl und seine Aussagekraft im Bezug auf die Qualität einer Optik zu diskutieren.
    Es geht mir um Grundsätzliches, nicht um Dein Gerät.


    Vielleicht kann Wolfgang mir zu diesem Thema noch etwas " auf die Sprünge helfen".


    Viele Grüße,
    Volker

  • Lieber Volker,
    lieber Markus,

    erst einmal Danke für Eure Beiträge, auf die ich ein paar Antworten geben darf:

    Zitat

    So viel ich weiß nimmt man den Strehl für Grün zur Qualitätsbeurteilung deshalb, weil das menschl. Auge auf dieser Wellenlänge am schärfsten sieht.

    stimmt! Das menschliche Auge ist in diesem Wellenlängenbereich sowohl tagsüber wie nachts am empfindlichsten.

    Zitat

    Und was den Farblängsfehler angeht, so ist der doch im Testaufbau bei 800x facher Vergrößerung gemessen worden.


    Den Farblängsfehler messe ich interferometrisch. Das liefert sehr genaue Ergebnisse ab. Wie funktioniert das denn?

    Angenommen, die Farbe grün hat die kürzeste Brenn- bzw. Schnittweite. Dann ist der Abstand von der letzten Linsenfläche zum Fokus dieser Farbe am kürzesten. Das wäre der Bezugs-Punkt. An diesem Bezugspunkt wird so fokussiert, daß die Interferenzstreifen im Idealfall streng parallel und vor allem nicht durchgebogen sind, wie das bei defokussierten Streifen der Fall ist. Ich werde das vielleicht einmal beschreiben müssen.

    Tauscht man nun innerhalb des parallelen Lichtbündels den grünen Interferenzfilter gegen blau, dann biegen sich die Streifen wieder durch, weil der Fokus dieser blauen Farbe um wenige hundertel Millimeter dahinter liegt. Nun dreht man solange an der Mikrometer-Trommel, bis die Streifen wieder gerade sind für die blauen Streifen, und liest die Differenz der beiden Fokus-Schnittweiten ab: Der Farblängsfehler zwischen grün und blau. Ähnlich geht das bei Gelb und rot. In der Systematik fange ich regelmäßig bei der kürzesten Schnittweite an und gehe schrittweise zur längsten. In der Regel grün, gelb, rot, blau. Je nach Apochromat kann das auch verschieden ausfallen.

    Mit einem Okular gemessen, wäre das viel zu ungenau. Es geht ja um eine Genauigkeit von 0.01 mm, die man über MehrfachMessungen sicher erreicht.

    Noch ein paar Bemerkungen zum Strehl:

    Zitat

    Ich habe den Testbericht zu Anlass genommen um das Thema Strehl und seine Aussagekraft im Bezug auf die Qualität einer Optik zu diskutieren.
    Es geht mir um Grundsätzliches, nicht um Dein Gerät.

    Vielleicht kann Wolfgang mir zu diesem Thema noch etwas " auf die Sprünge helfen".



    Der Strehl mißt in erster Linie integrativ die Aberration der ankommenden Wellenfront, also die Sphärische Aberration (Öffnungsfehler), incl. die Über-, Unterkorrektur, incl. den Astigmatismus incl. die Choma, incl. bis zu einem bestimmten Grad die Flächen-regelmäßigkeit.

    Der Strehl mißt nicht das Streulicht, nicht die Glätte eines Spiegels, mißt nicht den Lichtverlust bei Beugungseffekten, miß nicht die Kontrast-Übertragung. Sie wird nur aus dem Interferogramm abgeleitet bzw. aus der Obstruktion. Eine direkte Messung ist das nicht.

    Um also ein ganz bestimmtes optisches System richtig würdigen zu können, muß man die opt. Eigenheiten dieses Systems gesondert würdigen. Der Strehl ist ein Teil dieser Würdigung, der nicht verabsolutiert werden darf.

    Ganz typisch ist dies bei Refraktoren. Ein Strehl von 0.99 bei APO's bei 550 nm wave, kann bedeuten, daß dieser Wert bei blau wegen der Überkorrektur niedriger, und bei Rot wegen der Unterkorrektur ebenfalls niedriger ist. Ich kenne noch keine Aussage, wo dies dann gemittelt würde. Wäre die Politur rauh, was bei APO's in der Regel nicht vorkommt, dann nützt ein hoher Strehlwert ebenfalls nichts.

  • Hallo Wolfgang Rohr,


    Habe neulich bei Google eine interessante Diskussion über den TAL100 Refraktor entdeckt (Astrotreff 2004). Haben wir ja exklusiv bei dir im Astrokeller geprüft.
    Da ist u.a die Rede von einem "Steinheildesign" und den "verwendeten Glassorten" sogar vom "Gelbstich" ist die Rede (haben wir ja widerlegt) allerdings 2 Jahre später erst. Alles sehr geheimisumwittert damals 2004. Aber geklärt werden konnnte die Frage nach dem "Steinheildesign" wohl bis heute nicht, oder ? Vielleicht kannst du ja das Rätsel klären ob "Steinheil" oder "normaler Fraunhofer". Das gute Testergebnis ist vielleicht ein Indiz für ein "Steinheilobjektiv" ?



    Unten mal die Links zum nachlesen:

    http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=8451
    http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=10005


    Grüße
    Markus

  • Hallo Markus,

    bei den beiden Links von Dir reicht es völlig, sich die Namen der diskutierenden User anzuschauen. Da sind die sattsam bekannten Vielschreiber darunter, die weder durch Herstellung noch durch Optik-Berechnung von Linsen-Objektiven in irgendeiner Weise vorher aufgefallen sind. Zeitgenossen mit Erfahrung in einem der beiden Bereiche findet man auf Foren höchst selten - sie lehnen es geradezu ab, durch die Foren gezerrt zu werden. Hat man jedoch die Ergebnisse dieser Fachleute auf der opt. Bank, verliert man das Interesse an solchen Foren-Diskussionen völlig.

    Das von uns untersuchte TAL 100/1000 entspricht in der Qualität einem Zeiss AS Objektiv und hat seine Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt - alles übrige sind Luftnummern.

  • Hi Wolfgang,


    Verstehe ich das jetzt so, daß es gar kein angewendetes "Steinheildesign" bei den TALs gibt, also nur ein Gerücht ist, daß irgendwann mal aufgetaucht ist. Es gibt sozusagen gar kein "Beweis" dafür, daß Objektive in diesem Design verbaut worden sind.
    Könnte man überspitzt ausgedrückt von einer "Steinheillüge" sprechen ?
    Laut "Binoviewer" dürfte es keine Lüge sein, der meint zu wissen.


    --------------------------------------------------------------------------Zitat: (aus Astroforen.de)
    binoviewer10.04.2006, 10:36
    Hallo Martin,


    ich weiß nur, daß der 100er und der 125er von TAL das Steinheildesign haben. Dieses hat meines Wissens nach aber keine echten Vorteile gegenüber dem normalen Fraunhofer (E-Objektiv). Werde aber nochmal im Laux nachlesen, da ist vielleicht was dazu zu finden.


    --------------------------------------------------------------------------


    Verwirrung komplett !


    Grüße
    Markus

  • Hallo Markus,

    Zuerst ein paar Links zur Info:
    http://www.astro-foren.de/showpost.php?p=29745&postcount=5
    http://www.telescopes.ru/product.html?cat=1&prod=1

    welches System beim TAL 100/1000 realisiert worden ist, war bei unseren damaligen Untersuchungen zweitrangig. Wenn man das aber unbedingt diskutieren muß, dann hätte ich noch ein paar Anmerkungen:

    In Uwe Laux "AstroOptik" 2. Auflage, S 26ff bespricht er ein 100/1000 AS Objektiv dessen Schnittbild an ein Steinheil-Design erinnert, wie in meinem ersten Link oben, also mit einer negativen Flintlinse vorne und einer positiven Kronglaslinse dahinter. Dieses Design wurde offenbar von verschiedenen Herstellern realisiert.

    Wenn man sich die von mir ermittelten Index-Zahlen für das sekundäre Spektrum einmal anschaut:
    für das Zeiss AS 200/2000 Index: 4.3543 und
    für das TAL 100/1000 .......Index: 4.5324 und sich dazu die
    jeweiligen Farbsäume der Sternscheibchen-Übersicht

    dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß es sich in beiden Fällen um AS-Achromate handelt, die genau dieses Steinheil-Design haben. Mit anderen Fraunhofern verglichen sehr "farbrein" sind, also ein kurzes sekundäres Farbspektrum haben. Die Historie der Entwicklung von Achromate mit ihren Feinheiten möge man dann beim Uwe Laux nachlesen.

    Nicht die Steinheil-oder-nicht-Diskussion wäre für mich wichtig, sondern ein sekundäres Farbspektrum, das mit einem Zeiss-AS-Achromaten (oft auch als Halb-Apochromaten bezeichnet) gut verglichen werden kann hinsichtlich Leistung und handwerklicher Herstellung. Was bitte, soll an diesem kleinen Teleskop schlecht sein, nur weil nicht der Name Zeiss drauf steht, sondern TAL? Und wenn schon einer einen Gelbstich feststellt, dann wären sowohl die verwendeten Okulare und die jeweiligen Augen in die Betrachtung einzubeziehen: Spätestens hier beginnt das beinharte Marketing, mit dem sich bestimmte Gruppen in der Szene durchsetzen möchten.