Scopos APO, die Zweite

  • Quote


    In eigener Sache:
    Die Vermessung des sekundären Spektrums auch chromatische Aberration genannt, kann sowohl quantitativ mit dem Foucault-Test+Interferenzfilter oder mit einem "Weiß"-Licht-Interferometer+Interferenzfilter jederzeit nachvollzogen werden. (Beispiel) Ganz wichtig: Die Lichtquelle muß dabei mitbewegt werden. Qualitativ ist dieser Test ebenfalls über Foucault oder aber über einen Sterntest möglich. Das sekundäre Spektrum ist e i n Kriterium für die Farbreinheit eines Linsen-Systems. Eine Gesamtwürdigung über die optische Qualität eines bestimmten von mir vermessenen Teleskopes ist damit nicht verbunden. Im Übrigen ist es der ausdrückliche Wunsch des Sternfreundes, diesen Bericht hier zu veröffentlichen. Von ihm habe ich auch das Teleskop zugeschickt bekommen. Siehe die Definition von Thomas Back, TMB-Designer auch hier: http://www.tmboptical.com/itemsGrid.asp?cat_id=32




    Scopos 80/560

    Mit diesem Objektiv kann man sehr zufrieden sein, es hat sein Optimum bei587.6 nm wave, das entspricht der
    gelben d-Linie, und dort hat es einen Strehl von 0.95. Auch die Fläche wirkt sehr glatt im Foucault- und Lyot-
    Test. Aus diversen Gründen wurde der Objektiv-Block gleich herausgenommen und sorgfältig über die Reflex-
    bilder mit einem Laser kollimiert. Dabei liegt eine Rest-Koma auf der Achse waagrecht, ohne die das kleine
    Objektiv locker auf 0.995 Strehl käme - leider. Die Frage, ob diese Koma dem Linsenblock selbst oder dem Feld
    zuzuordnen sei, wurde am Schluß ebenfalls untersucht. Eine horizontale Verkippung der Optik vor dem Plan-
    spiegel ändern am Koma-Betrag nichts. Also muß dieser Effekt dem Linsenblock zugeordnet werden.



    Wenn man den Rest an Achskoma ausschalten könnte, wäre dieses Objektiv bei 587.6 nm wave perfekt.



    Bei der Ermittlung des Strehlwertes für die Meßwellenlänge wurden logischerweise alle Fehler zugelassen. Trotzdem
    möchte man nähere Information darüber haben, wo das Optimum liegt, wenn alles perfekt wäre: Nach Abzug der
    Achskoma wären wir bei Strehl nahe 1.



    Die beiden folgenden Grafiken zeigen die Situation ohne die störende Koma






    Hier hingegen die 3-D-Wellenfront-Darstellung, bei der die Restkoma durch einen zarten Zentrierfehler sichtbar wird.



    Das synthetische Interferogramm einschließlich der Coma



    perfekt wäre die Situation ohne diesen Fehler.



    Vor dem Planspiegel ist der Sterntest ein sehr informativer Test, ganz besonders für die Frage des Farblängsfehler. Für
    den Normal-Fall verwende ich das 15 mm Spektros-Weitwinkel Okular, das bereits vor 30 Jahren zu den besten und
    teuersten Okularen zählte und leider nicht mehr gefertigt wird. Im Falle des Skopos entspricht das im Doppelpaß gegen
    einen Planspiegel einem 7.5 mm Okular und einer Vergrößerung von ca. 75-fach. Treibt man die Sache dagegen mit einem
    Vixen-LV-Okular 2.5 mm auf die Spitze, so hätte man in dieser Testanordnung eine Vergrößerung von 448-fach, was man
    am Himmel diesem Objektiv nie zumuten wird.



    Deutlich sind also bei einer resultierenden Vergrößerung von 75-fach die Farbsäume des Farblängsfehlers festzustellen. Über diesen Link kann man unter der Rubrik Sterntest im Überblick selbst die Zuordnung dieser Optik ausführen. Alle diese
    Sterntests entstanden mit dem 15 mm Okular von Spektros.



    In der Sache ändert zwar das kurzbrennweitige Vixen Okular nichts, es zeigt aber um einiges deutlicher
    den Farblängsfehler.



    Auch für den Foucault-Test, der bei Linsen-Optiken schlagartig den Farblängsfehler erkennen läßt, gäbe es mit dieser
    Übersicht eine Vergleichsmöglichkeit. Ein ganz anderer Fehler ist der Gaußfehler, oder farbabhängige Öffnungsfehler
    genannt. Bei allen Linsensystemen, also beginnend beim Achromat bis zum Apochromat ist der kurzwellige Spektral-
    Bereich für gewöhnlich überkorrigiert, das visuell wichtige grün meist perfekt, und das langwellige Spektrum unter-
    korrigiert. Sehr gut kann man das über den Ronchigitter-Test ab 13 lp/mm im Doppelpaß unter Benutzung eines
    ca. 0.01 mm Lichtspaltes zeigen. Der blau-violette Bereich ist bei intrafokaler Einstellung deutlich über- und der
    tiefrote Bereich deutlich unterkorrigiert, während, und auch das erkennt man sehr gut, grün noch leicht überkorrigiert,
    und das Optimum auch bei diesem Test eindeutig im gelben Spektralbereich ist.



    Bei der Messung des Farblängsfehlers stört der komabedingte Zentrierfehler ein wenig, weshalb ein 0.5 mm dickes Lineal
    für gleiche Einstellung der Interferenzstreifen sorgt, je nach Fokussierung, siehe letztes Bild, entsteht ein anderes Inter-
    ferogramm. Da ich drei dieser Objektive auf diese Eigenheit untersucht habe, bei einer nur Abweichung von von max. 0.02 mm dürfte das sekundäre Spektrum mit 0.3 mm Schnittweiten-Differenz auf 560 mm Brennweite eigentlich verläßlich vor-
    liegen. Vielleicht untersuchen noch andere diese Eigenart.

    Eine Anmerkung zu diesem Bild: Orientiert an dem Lineal stellt man entweder die Streifen in gleicher Weise ein und liest
    die Schnittweiten-Differenz an der Mikrometerschraube ab, oder aber man fokussiert exakt auf Grün und erkennt an der
    Durchbiegung der Streifen die Schnittweiten-Abweichung: Nach oben gebogen bedeutet: Schnittweite fällt kürzer, nach
    unten gebogen bedeutet, Schnittweite fällt länger.



    Die Verkippung des Objektivs vor dem Planspiegel hatte im Bereich +/- 1 Grad keine Auswirkungen auf den Coma-Effekt.
    Also kann man ihn eindeutig der Zentrierung anlasten. Trotzdem ist ein Strehl von 0.95 ein durchaus üblicher Wert.

  • Hallo Wolfgang,


    wieder einmal ein schöner Testbericht von einer aktuell diskutierten Optik.


    Auch in diesem Fall ergibt sich für mich das Resultat, das mit der alleinigen Strehlangabe die optische Leistung nicht aussreichend beschrieben werden kann.
    Wenn ich mir den Farblängsfehler des Scopos Triplets ansehe, verdient er ja nur die Bezeichnung " Fraunhofer Achromat". Vom APO trennen ihn ja noch Welten.







    Auch scheint sich zu bestätigen, das bei den verkitteten Triplet Objektiven das Achskoma/ Zentrierung nicht in den Griff zu bekommen ist.


    Zum Vergleich mal der Tal 100/1000 :




    Viele Grüße,
    Volker

  • Hallo Volker,

    Quote

    Auch in diesem Fall ergibt sich für mich das Resultat, das mit der alleinigen Strehlangabe die optische Leistung nicht aussreichend beschrieben werden kann.



    Genau das ist der Punkt! Bei Spiegelsystemen hat die Strehl-Diskussion noch eine gewisse Berechtigung, wenngleich auch dort manche Diskussion auf die Spitze getrieben erscheint.

    Bei Linsen-Systemen sind sehr viel mehr Parameter im Spiel, da ist die Strehl-Diskussion lediglich ein Aspekt. Man könnte über alle Farben auch einen Strehl-Durchschnittswert nach Gewichtung der Spektral-Farben erstellen. Die Gewichtung genau nach der Empfindlichkeit unserer Augen für die jeweilige Spektral-Farbe. Komme ich bei Gelegenheit darauf zurück.

    Was man hingegen nie vergessen darf ist das Preis-Leistungsverhältnis. Nur um das einigermaßen in den Griff zu kriegen, braucht man zuverlässige Parameter. Der für den Farblängsfehler entwickelte W-gesamt-Wert ist ein solcher Parameter. Bereits Lichtenknecker hat vor mindestens 30 Jahren versucht, über seinen RC-Begriff in ähnlicher Weise Klarheit in die Sache der "Farbreinheit" zu bringen.

    Daß schließlich äußerst preisgünstige und teilweise sehr hochwertige Objektive unsere Ansprüche an Optik völlig aus den Fugen geraten lassen ist das tägliche Brot der Händler. Bei Teleskop Service hat man es mit einem kooperativen Händler zu tun.

  • Hallo Wolfgang


    Wie ich sehe hasst du auch einen TAL 100R getestet, nun meine Frage:


    Was ist das für ein Design, ist es ein FH od. Steinheil od.?
    Habe mir gestern einen TAL 75R gekauft deswegen meine Neugierde.



    CS Martin

    Viele Grüsse u. klaren
    Himmel wünscht Martin


    TAL200K/EQ6
    FH 140/1500/AZM
    TAL-75R
    Bino 10x80

  • Hallo Martin,

    beim Steinheil Achromaten siehe hier die technischen Details. Damit unterscheidet sich der Steinheil Achromat dadurch, daß zuerst die Flint-Linse und dann die Kronlinse folgt, bei einem "normalen" Achromaten ist es umgekehrt. http://de.wikipedia.org/wiki/Achromat
    Für mich interessant war das relativ geringe sekundäre Farbspektrum. Leider habe ich es damals nicht ausgemessen, was ich mittlerweile der Klassifizierung wegen mache. Ob das TAL nur ein üblicher Achromat oder ein Steinheil Achromat ist, habe ich damals nicht untersucht, und im Web in der Kürzue der Zeit auch nicht dazu gefunden.
    Probiere es doch einmal hier: http://www.talianer.de/tallinks.htm
    Jedenfalls viel Freude an Deinem TAL und laß wieder von Dir hören.

    Siehe auch hier: http://alice.as.arizona.edu/~r…hapters/Chapter%203b.html

  • Hallo Wolfgang


    Vielen Dank für deine Ausführungen, das mit der Farbe ist bei meinen TAL 75/600 kein Thema, hab in gequällt am Mond, an der Wega es kommt keine
    Farbe, nur in Ex+Infrafokalscheibchen ist im Zentrum ein kleiner violetter
    Punkt.
    Das war es in aller kürze zu mehr hat die 1.Beobachtung nicht gereicht.

    Viele Grüsse u. klaren
    Himmel wünscht Martin


    TAL200K/EQ6
    FH 140/1500/AZM
    TAL-75R
    Bino 10x80

  • Offenbar ist in einem anderen Forum eine heiße Diskussion über die Farbreinheit von Linsen-Systemen entbrannt, die mich, obwohl ich mich an dieser Diskussion leider nicht beteiligen kann, zu folgender Erklärung veranlaßt:

    Quote


    In eigener Sache:
    Die Vermessung des sekundären Spektrums auch chromatische Aberration genannt, kann sowohl quantitativ mit dem Foucault-Test+Interferenzfilter oder mit einem "Weiß"-Licht-Interferometer+Interferenzfilter jederzeit nachvollzogen werden. (Beispiel) Ganz wichtig: Die Lichtquelle muß dabei mitbewegt werden. Qualitativ ist dieser Test ebenfalls über Foucault oder aber über einen Sterntest möglich. Das sekundäre Spektrum ist e i n Kriterium für die Farbreinheit eines Linsen-Systems. Eine Gesamtwürdigung über die optische Qualität eines bestimmten von mir vermessenen Teleskopes ist damit nicht verbunden. Im Übrigen ist es der ausdrückliche Wunsch des Sternfreundes, diesen Bericht hier zu veröffentlichen. Von ihm habe ich auch das Teleskop zugeschickt bekommen. (Siehe auch Apochromat)



    Einer meiner nächsten Berichte wird eine Anleitung sein, wie man das sekundäre Spektrum selbst ausmessen kann. Siehe hier:
    http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=7713

  • Hallo Uwe,

    die chromatische Aberration oder das secundäre Spektrum einer Linsenoptik für astronomische Zwecke ist ein wichtiges Kriterium, um die Farbreinheit eines Linsen-Designs zu bestimmen. Wer z.B. einen Voll-Apo entwickelt, und mit einem solchen Experten stehe ich in Kontakt, muß über diesen Sachverhalt ganz genau Bescheid wissen. Seit Mitte der 70-er Jahre Wolfgang Busch sein HAB auf den Markt brachte, ist mir die Sache hinlänglich bekannt, weil ich damals schon über Foucault+Farbfilter das Spektrum, noch nicht ganz so genau wie heute, ausgemessen habe.

    Wer es ganz genau haben will braucht enge interference filter üblicherweise von Melles Griot, Edmund scientific oder anderen Lieferanten: http://shop.mellesgriot.com/products/optics/optics.asp?plga=042168&CatID=1026&mscssid=&Page=5
    Wie man sieht, sind die ca. 12 mm im Durchmesser und ca. 4 mm dicken engen Farbfilter für die e-Linie +2/-0 nm Toleranz zu ca. 92.- Euro ohne Steuer, Mindermengen und Versand nicht gerade billig, aber aus Gründen einer eindeutigen Messung unabdingbar. Für diese Wellenlänge würde sich auch der Solar Continuum von Baader eignen, obwohl dessen Bandbreite um ein Vielfaches ungenauer ist.


    Damit wäre aber nur die wichtige e-Linie (grün) bei 546.1 nm wave abgedeckt, es fehlt also noch die C-Linie mit 656.3 nm wave eventuell den (H-alpha Passfilter 2" (ZWL 656nm)und die F-Linie mit 486.1 nm wave mit einem 2" Bandpassfilter Hellblau (470 nm) , für eine exakte Vermessung leider nicht genau genug, aber die Tendenz würde man eindeutig erkennen, als Unterscheidungs-Kriterium würde das schon ausreichen: Setzt man einen Voll-APO über einen ellipt. Fangspiegel (Newton) in Autokollimation, dann darf beim Foucault-Test kein Unterschied bei diesen drei Farben erkennbar sein. Den Filter hält man jeweils vor das Auge. Bei einem Achromaten würde man bei Einstellung auf die e-Linie (grün) sehen, daß blau oder rot eine intrafokale Einstellung zeigen. Die Differenz kann man dann mit einer Micrometerschraube ausmessen, wobei unbedingt die Lichtquelle mitbewegt werden muß, oder aber der Betrag halbiert werden muß.
    Mit einem "Weiß"-Licht-Interferometer geht das natürlich exakter, aber das wird Inhalt meines Berichtes sein.

    Noch eine Bemerkung zum W_gesamt-Wert. Dieser Wert trennt glasklar zwischen APO, Halb-APO und Achromat, was bei genauerer Betrachtungsweise tatsächlich stimmt. Am Beispiel des Takahashi-APO's 102/820 mit einer Diff. im sekundären Spektrum von 0.03 mm
    und einem W_gesamt-Wert von 0.2125 trifft dies in wunderbarer Weise zu, obwohl hier auch leichte Achskoma vorliegt, worüber sich nun keiner aufregt.
    Meine Intention innerhalb dieser ganzen Diskussion geht dahin, eindeutige meß- und rechenbare Unterscheidungs-Kriterien beizusteuern, die vor allem von jedem anderen zu gleichen Ergebnissen führen soll. Vielleicht läßt sich ja auf diese Art sowohl die Grau-Zone wie der Wild-Wuchs eindämmen. Mein Interesse zielt in Richtung Versachlichung der Diskussion.
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    folgendes Beispiel mal von hinten aufgezäumt:




    Für meinen TMB APO gibt es u.a. die Darstellung der chromatischen Aberration. Unter der Annahme, daß sowohl die X-Achse einem Millimeter entspricht, wie die Y-Achse dem Radius entspricht, liegt die rote Hilfslinie exakt in der 0.7-Zone, wo ich den Farblängsfehler messe. Aus der Division der jeweiligen Pixel, wie man sie dem Schaubild entnehmen kann, ergibt sich sowohl die Schnittweiten-Differenz der Farben zu Grün, das exakt auf der Y-Achse liegt in der 70%-Zone. Daraus die Einzel-Werte und schließlich der GesamtWert ermittelt, ergibt wiederum einen Wert in der Mitte zwischen 0 und 1, wie es die Definition verlangt. Sternscheibchen-Aufnahmen habe ich vor knapp zwei Jahren nicht gemacht, aber das Lyot-Test-Bild liefert eine sehr farbreine Fläche ab, bei Foucault wäre das etwas "bunter". Wenn ich also in den nächsten Tagen die tatsächlich gemessenen Werte vorliegen, bin ich mal gespannt, wie weit oberes Diagramm von der Wirklichkeit entfernt liegt. In Fall des HCQ lag das dicht neben der Rechnung.

  • Hallo Wolfgang


    Herr Ransburg hat jetzt ein Spot Diagramm für seinen TL 805 auf seiner HP veröffentlicht.
    Es handelt sich aber um das neue Objektiv mit 504 mm Brennweite, also nicht das mit 560mm welches du getestet hattest.
    Nun Würde mich mal deine Meinung dazu interessieren.


    Grüße Gerd

  • Lieber Gerd,

    zunächst würde mich interessieren, inwieweit das Diagramm des sekundären Spektrums (erstes Diagramm) mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Das läßt sich nämlich sehr leicht nachmessen.

    Mit dem eigentlichen Spotdiagramm (zweites Diagramm auf dieser Seite) wird einem unbedarften Sternfreund Sand in die Augen gestreut: Und wenn die Spot-Diagramme - lediglich vom Designer-Programm in der schönen Theorie entworfen, und wenn die Spot-Diagramme, bzw. die bei der Optik verwendeten Glas-Schmelzen nicht exakt der Berechnung entspricht, dann ist es schon "Essig".
    Und wenn Du dann einen Hersteller hast, der nachmeßbar andere Radien schleift, weil er nicht exakt gemessen hat, dann stimmen die schönen Spot-Diagramme wieder nicht. Und wenn dann derjenige, der den Dreilinser beim Verkitten nicht sauber zentriert und auf diese Art eine Achskoma entsteht, dann nützen die Spotdiagramme abermals nichts. Und wenn dann auch noch Kittfehler eingebaut sind, wie in meinem Beispiel - schau mal hier:
    http://rohr.aiax.de/scopos.html und achte auf das Logo im letzten Bild ...

    Solange der Hersteller nicht INTES, oder Takahashi, oder Zeiss oder LOMO oder Berliner Glas usw. also ein renomierter Hersteller ist, sondern ein chinesisches Urprodukt mit einer ordentlichen Gewinn-Spanne, solange ist ein Spot-Diagramm nur ein Versprechen, das man an jedem dieser Dreilinser neu überprüfen muß. Mit Scopos handelte man sich bisher mehr Probleme als Renommé ein, egal aus welcher Ecke sie geliefert wurden. Würde dem jeweiligen Objektiv ein Interferogramm bei 550 nm wave beigelegt, dann könnte das jeder Interessierte mit einem Shareware Programm auswerten bei einer UNgenauigkeit von allenfalls 2-3% StrehlPunkte.

    Ich hoffe inständig, daß sich derartige Merkmale nicht erneut bei diesen neuen Objektiven finden.

  • Hallo Wolfgang


    Ja die Frage wäre jetzt ob die beiden Diagramme die Eigenschaften eines existierenden und getesteten Objektives wiedergeben oder es sich um Simulationen handelt die sich auf Grund des Designs der Optik Theoretisch ergeben würden.
    Wo dann aber in der Praxis vorhandene Fertigungstoleranzen unberücksichtigt bleiben.


    Na zumindest Theoretisch könnte man diese Optik soweit ich das nach diesen Diagrammen einschätzen kann sogar als APO bezeichnen.
    Wie es Praktisch aussieht ist halt die große Frage.


    In dem von dir verlinkten Test des 90/600 Objektives scheint ja auch die Praxis gewaltig von der Theorie abzuweichen.


    Wäre aber schon anzunehmen das der Hersteller in der Lage ist dazuzulernen und das sich zumindest eine Verbesserung gegenüber den alten Optiken ergeben hat.
    Im Buch Astrooptik heißt es zu einem ähnlichem Sonderglasapochromaten mit innenliegendem Kurtzflint (SG-APO Objektiv ) das auf Grund des angespannten Designs die Herstellung schwierig ist, das ganze ist an der Grenze des Technologisch machbaren.

    Grüße Gerd

  • Hallo Gerd,

    Du wirst gemerkt haben, daß mein Link: http://rohr.aiax.de/scopos.html mit hoher Wahrscheinlichkeit das Scopos TL 906 (Öffnung 90mm - Brennweite 600mm -apochromatisches Triplet Objektiv) ist, obwohl ich es absichtsvoll nicht dazu geschrieben habe.

    im Zusammenhang mit den Tak APO's gibt es ja auch derartige Diagramme, die den Farblängsfehler darstellen. Und obwohl diese Apochromaten wirklich hervorragend sind auch hinsichtlich ihrer Farbreinheit, gibt es doch deutliche Unterschiede zwischen der Lage der Farben im Diagramm und am konkreten Objektiv.

    Spotdiagramme veröffentlicht Takahashi erst einmal gar nicht. Spotdiagramme sagen nur etwas aus über das in ZEMAX, Oslo etc. gerechnete System ohne Garantie, daß dies mit der Wirklichkeit übereinstimmen muß. Im günstigstens Fall sind dann die Werte so ähnlich.

    Worum geht es eigentlich?
    - daß die Objektive sauber zentriert sind, also keine Koma, kein Astigmatismus haben
    - daß der Farblängsfehler so gering ist, daß eine hohe Farbreinheit entsteht und damit vergleichbar z.B. mit den TMB's, TAK's oder Zeiss APQ's sind. Alles andere wäre nur Werbung.

    Vergiß nicht, daß die Dinger an die Astro-Fotografen "verhökert" werden!

    - bei einem f/6.66 System ist das wegen der großen Öffnung fast nicht zu schaffen, weil über den Airy-Scheibchen-Durchmesser, die Schärfentiefe immer kürzer ist, in der der Farbrestfehler verschwinden sollte.

    http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=32941#post32941

    Es gibt sie doch, die wunderbaren, farbreinen APO's. Nur beim Scopos habe ich so meine Zweifel. Guck mal meine Übersicht: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=6084

    Quote

    Anmerkungen zum Diagramm:
    Wo hat denn das TL 805 sein Optimum, also den besten Strehl? Wäre es bei 546.1 nm wave, dann müßte die hellgrüne Linie eigentlich mit der senkrechten Y-Achse oder Ordinate zusammenfallen. Stattdessen hat diese Farbe ebenfalls eine sphärische Aberration. Das langwellige Spektrum ist deutlich unterkorrigiert, das kurzwellige deutlich überkorrigiert. Es wäre also wieder einmal interessant, im Sinne von Thomas Back sich den Gaußfehler (sphärochromatische Aberration) genauer anzusehen.

  • Hallo Wolfgang


    Bei dem von dir verlinktem Test handelt es sich ja um den „Großen Bruder“ wo laut TS FPL - 53
    verbaut sein soll.
    Ein Glas was sich auf Grund seines von den Partnergläsern stark abweichenden Ausdehnungscoeffizienten absolut nicht zum verkitten eignet, wie ja auch dein Test Überdeutlich zeigt.


    Da hab ich auch keine Hoffnung auf Besserung der 90ger ist Offensichtlich eine Fehlkonstruktion.

    Die Diagramme beziehen sich ja auf den 80ger mit dem Kurzflint in der Mitte und zwar den neuen mit 504mm Brennweite.


    Da scheint es ja bei seeehr sorgfältiger Ausführung tatsächlich möglich zu sein einen echten Verkitteten Apo zu bauen.
    Wie das SG - APO Objektiv auch als Superplanetarieapochromat bezeichnet vor Jahrzehnten gezeigt hat.


    Dort verwendete Gläser sind mBK7 / mKzFS1 / mBaFN10.


    Also Gläser die denen beim TL 805 ähnlich sein dürften.
    Praktisch wird man natürlich den Scopos aufgrund der schlechteren Fertigungsqualität und des schnelleren Öffnungsverhältnisses nicht mit dem Oben genannten Objektiv vergleichen können, Das zeigt ja auch dein Test hier deutlich.
    Wobei ich die Hoffnung auf Besserung auf Grund des Theoretischen Potentiales beim TL 805 nicht ganz aufgeben möchte.
    Vielleicht ist das neue Objektiv mit 504mm Brennweite ja tatsächlich besser.


    Grüße Gerd

  • Hallo Gerd,


    Quote

    Da scheint es ja bei seeehr sorgfältiger Ausführung tatsächlich möglich zu sein einen echten Verkitteten Apo zu bauen.


    einer der ersten APOs die Tele Vue gebaut hat, war ein verkitteter 3 Linser mit Kurzflint.
    Das Teil hieß Oracle 76/560mm und hat ein sehr farbreines Bild abgeliefert.
    Also alles schon mal da gewesen.


    Grüsse Leo

  • Hallo Gerd,

    Quote

    Vielleicht ist das neue 504mm Objektiv ja tatsächlich besser.



    Die Sache ist sehr einfach: Wenn ich so ein Ding zwischen die Finger kriege, dann untersuche ich es auf alle die uns interessierenden Merkmale. (Notfalls rechnen wir das System nach.) Du mußt eigentlich nur dafür sorgen, daß irgendwann einmal, so ein Objektiv bei mir landet. Kosten entstehen keine - außer das Porto.

    Sollte eine Qualitäts-Steigerung stattgefunden haben, wäre ich der Letzte, der dies nicht zu würdigen wüßte.

  • Hallo allerseits,
    zur problematik von verkitteten Objektiven hätte ich auch etwas beizutragen. Ich habe ein Objektiv der Firma OPTOLYTH mit den Daten Öffnung 100 mm und einer Brennweite von 700 mm. Es handelt sich um einen verkitteten Dreilinser. Dieses Objektiv wurde für die Astronomie optimiert und ist quasi ein Prototyp. Ich verwende dieses Teleskop in der Hauptsache visuell. Einige "Experten" haben schon durch geschaut und die Optik als "erstklassig" bezeichnet, was immer das auch heisen mag? Da ich ein erklärter ZEISS Freund bin dachten einige meiner Sternfreunde schon, nach dem durchguggen, ich hätte ein APQ 100/640 verbaut.
    Falls es Euch interessiert würde ich Herrn Rohr bitte dieses Objektiv mal zu beurteilen. Interesse?:whistling


    Gruß Armin