Ein farbreiner TMB mit kleinen Fehlern

  • Am Himmel wird dieser TMB kaum etwas zu wünschen übrig lassen. Er fällt durch eine hohe Farbreinheit auf,
    die umso deutlicher heraussticht, wenn man mit einem Objektiv vergleicht, das ebenfalls als Apochromat ver-
    kauft wird. Ganz anders ist hingegen die Situation, wenn man mit einem Astreya oder ein HCQ vergleicht. Das
    wäre dann doch eine andere Liga.
     
    Besonders auffällig an diesem TMB-APO ist seine Farbreinheit. In dieser Hinsicht kann man diese Optik ganz eindeutig in
    die Rubrik der Apochromaten einsortieren, was in anderen Fällen eher zweifelhaft ist. Trotzdem hat auch dieser APO einige
    Schönheitsfehler, die bei einem differenzierten Testdurchgang zum Vorschein kommen.
     
     
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    Zunächst nur die Dokumentation der aktuellen "Linse" mit Serien-Nummer ...
     
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    Die Farbreinheit erinnert sehr stark an die Sterntests mit einem Newton. Siehe hier weitere Beispiele:
    http://rohr.aiax.de/@Astr-Schn06.jpg
    http://rohr.aiax.de/@ZenitStar18A.jpg
    http://rohr.aiax.de/ICS-Tak02.jpg
    http://rohr.aiax.de/orionzwill01.jpg
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Reiser03.jpg]
     
    Beide Optiken werden als APO verkauft, dennoch ist der Spielraum für den Farblängsfehler nicht so groß,
    daß man unteren "APO" noch dazu zählen könnte.
     
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    Was die Auflösung betrifft hätte der TMB APO eine rechnerische Auflösung von 0.904 arcsec bei einem Airy-Scheibchen
    Durchmesser von 0.01066. Um dies auszutesten kann man einen künstlichen Sternhimmel benutzen, der mit einem
    2.5 mm Vixen bei 973-facher Vergrößerung in Autokollimation untersucht wurde. Die Abstände der Doppelsterne wurden
    unter dem Mikroskop auf Mikron genau vermessen. Immerhin eine Möglichkeit, die Leistung einer Optik einzuschätzen.
    Dieses erste Testbild entstand mit einem HCQ APO 115/1000 der alle Bedingungen einer Referenz-Optik erfüllt.
     
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    Und diese Auflösung liefert das TMB APO ab.
     
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    Obwohl der Farblängsfehler bei diesem APO sehr klein ist, hat diese Optik einen deutlichen Gaußfehler oder farbabhängigen
    Öffnungsfehler genannt. Erwartungsgemäß überkorrigiert bei F-Linie = 486.1 nm wave und unterkorrigiert bei C-Linie =
    565.3 nm wave. Das Optimum liegt erwartungsgemäßt bei 546.1 nm wave der e-Linie. An den unteren Ronchi-Linien
    erkennt man einen Öffnungsfehler, der diesen Gaußfehler überlagert und bereits im Sterntest eindeutig erkannt werden
    kann.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Reiser07.jpg]
     
    Deutlicher taucht dieser Zonenfehler beim Foucault und Lyot-Test auf. Jedenfalls bitte nicht verwechseln mit dem
    Gaußfehler, der im Focault-Test anders aussehen würde. Die Farbreinheit des TMB drückt sich aber sehr deutlich
    beim Foucault-Test aus, wenn man mit nachfolgendem Foucault-Test vergleicht, wie er beim Scopos entstand.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Reiser08.jpg]
     
     
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    Die Interferogramme zeigen auf ganz eigene Art die unterschiedlichen Schönheitsfehler. Leider verhindert beispielsweise
    ein kleiner Betrag von Astigmatismus den ultimativ hohen Strehl. Die Ursache könnte in der Fassung zu finden sein. Eine
    leichte Dezentrierung der Linsen ist ebenfalls noch vorhanden. Alle diese Fehler kann man auch dem Certifikat entnehmen.
    Bei blau erkennt man wieder die Überkorrektur, bei grün den Zonenfehler am eindeutigsten, gelb und rot zeigen nanstei-
    gende Unterkorrektur, so wie es bei allen derartigen Optiken nachgewiesen werden kann.
     
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    Das Optimum liegt also in dem für das menschliche Auge empfindlichsten Bereich.
     
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  • Hallo Wolfgang,


    wieder einmal ein sehr interessanter und objektiver Testreport, der zeigt, dass auch bei TMB Gurken existieren.
    Gemäß dem von Dir erstellten IFG hat diese Optik RMS 0,04 und PTV 0,238 und hätte gar nicht ausgeliefert werden dürfen sondern im Mülleimer von LZOS landen müssen!!!


    siehe hier:


    "für TMB Apo Linsen


    Annex No.2


    Contract No. 28/OG-99


    Specification for Apochromatic Lenses


    1. Optical image quality
    For systems of diameter up to 152mm
    - Wave front error RMS is no more than 0.035 of wave-length at 532 nm. Wave front error p.t.v. is no more than 0.24 of wavelength at 532 nm.
    For systems of more than 152mm up to 254mm diameter
    - Wave front error RMS is no more than 0.033 of wave-length at 532 nm. Wave front error p.t.v. is no more than 0.166 of wave-length at 532 nm."


    aus: http://web26.h137151.serverkompetenz.net/html/cms_seite.php?catchoice1=&catchoice2=63&choice=63


    Ich darf an dieser Stelle an den hohen Qualitätsanspruch und die straffe Qualitätskontrolle von Astro Physics erinnern:


    "Our extensive hand-figuring techniques and the use of high quality blanks allows us to guarantee that all production lenses will meet the 1/50 RMS (98.4% Strehl ratio) minimum limit."


    aus:


    http://www.astro-physics.com/


    Viele Grüße
    Cord

  • Hallo Cord


    "wieder einmal ein sehr interessanter und objektiver Testreport, der zeigt, dass auch bei TMB Gurken existieren."



    Also wenn ein APO mit Strehl 0.94 eine Gurke sein soll, dann weiß ich nicht, was noch gut sein soll!
    Vielleicht nur noch Strehl 0.999?!
    Ich dachte immer Strehl 0.80 sei noch als gut zu zählen?!


    "Gemäß dem von Dir erstellten IFG hat diese Optik RMS 0,04 und PTV 0,238 und hätte gar nicht ausgeliefert werden dürfen sondern im Mülleimer von LZOS landen müssen!!!"


    Nun da wir das orginal Prüfprotokoll von LZOS nicht gesehen haben, kann auch nimand sagen in welchem Zustand LZOS es ausgeliefert hat.


    "Ich darf an dieser Stelle an den hohen Qualitätsanspruch und die straffe Qualitätskontrolle von Astro Physics erinnern:"


    "Our extensive hand-figuring techniques and the use of high quality blanks allows us to guarantee that all production lenses will meet the 1/50 RMS (98.4% Strehl ratio) minimum limit."


    Nun, Wunsch und Wirklichkeit gehen auch bei AP auseinander, da gibt es z.T. auch erhebliche Differenzen.


    Gruß Uwe

  • Hallo Uwe,


    ich weiß dass Du ein Anhänger von TMB Apos bist, und das wahrscheinlich auch zu Recht.
    Aber das ist schon der zweite 152er TMB mit desolaten Werten für RMS und PTV. Ich erinnere: vor ca. einem Jahr wurde eine 152er von einem bekannten Astrohändler in Kamen als "Apo der Referenzklasse" angeboten. Auch dieses Gerät war an der unteren Grenze der TMB-Qualitätsanforderungen: hatte PTV 1/4 lambda und einen Strehl von 0.94. Solche Werte werden eigentlich immer in IFGs von 6" f/8 China-Achromaten getoppt (liegen mir vor).
    Außerdem zeigt diese TMB-Optik hier einen deutlichen Gaußfehler und einen Astigmatismus.


    Lange Rede, kurzer Sinn:


    1) ich erwarte von high-end Apo, und als solche werden die TMBs immer angepriesen, absolute optische Perfektion und hohe werte für PTV und RMS im IFG (nicht nur wegen des Wiederverkaufwertes).


    2) Das ist hier schon der zweite schlechte 152er TMB, Zufall?
    Andere TMB Modelle habe ja eigentlich immer ein besseres IFG (ich besaß mal einen 115er mit PTV 1/10 lambda und 0.99 Strehl).


    Viele Grüße
    Cord

  • Hallo,
     
    sehr interessante Beiträge von Euch allen, Danke! Für mich persönlich neige ich natürlich ebenfalls in Richtung Referenz-Optik-Qualität, nachdem mein eigener TMB 100/800 diesem Anspruch ziemlich nahe kommt. Weil aber der Mensch, besonders wenn er perfektionistisch veranlagt ist, mit nichts zufrieden ist, liegt unten im Keller ein HCQ APO für den gleichen Zweck einer Referenz-Optik, der mit 50 mm Glasweg gerechnet, eine hohe Farbreinheit hat, und ich in den kommenden Ferientagen studieren will. Mit ihm ist auch der artificial sky entstanden. Zwischenzeitlich sind auch zwei Scopos hier angelandet, die mich ebenfalls brennend interessieren, wie ihr Euch denken könnt. Zum oberen TMB APO wäre zuerst der Preis ins Verhältnis zu Qualität zu setzen, wobei die noch vorhandene Achskoma und der Astigmatismus näher untersucht werden müßte, weil das seine Ursache in der Fassung haben könnte. Weil ich nicht so gemein bin, habe ich nach einer ersten interferometrischen Untersuchung bei 532 nm wave den Objektivblock um 90 Grad gedreht, da lag die Achskoma waagrecht und war wunderbar zu bewundern. Sie steckt wohl noch im Interferogramm drin, aber halt in anderer Form, die man nicht so gut erkennt. Fazit, vielleicht hilft ja eine kleine Untersuchung der Fassung weiter.
     
    Ansprechend für diese Optik ist die Farbreinheit, was ich ja herausgestellt habe. Eindeutige Schönheitsfehler sind Coma und Astigmatismus, was möglicherweise behebbar ist.
    Was jedoch mich gestört hat, ist die schlechte Flächen-Qualität und der Öffnungsfehler. Der sollte bei hochwertigen Optiken wirklich nicht sein. Vielleicht wurde dieser TMB als Schnäppchen günstig erworben, dann dürfte man nicht mäkeln.
     
    Zum künstlichen Sternhimmel ein paar Worte. Dafür eignen sich hervorragend die kleinen Spiegel, wie man sie in der Optik verwendet, also oberflächenbeschichtet. Und weil es auch Ausschußware gibt, die nicht sauber belegt sind, findet man unterm Mikroskop nicht nur den allerschönsten Sternhimmel, dort wo er fehlerhaft beschichtet ist, sondern auch noch jede Menge an Doppelsternen und Vielfach-Systemen. Man muß nur unterm Mikroskop bei 800-er Vergrößerung die Durchmesser und Abstände der Sterne genau vermessen, wofür sich eine Mikrometerschraube oder eine 0.001 mm Meßuhr sehr gut eignen. Ich hab' mir halt ein Feld rausgesucht, das Doppelsterne zwischen 0.010 und 0.003 mm zeigt, leuchte das von hinten mit einem Lichtleiterkabel 1 mm Querschnitt an und schau nach, was mir die jeweilige Optik davon in Autokollimation abliefert in Abhängigkeit zur Auflösung des opt. Systems.
     
    Hier findet man eine Übersicht der von mir erstellten Sterntests in Autokollimation zum Vergleich. Wenn gewünscht, auch ein Vergleich zu Foucault-Tests, Ronchi-Gitter-Tests und Lyot-Tests. In der Zusammenschau manchmal sehr interessant.