eine Räuberpistole ...

  • Dieser Hersteller hat seine Webseiten mittlerweile geändert:
    http://www.opticalmechanics.com/tele.../20/index.html
    http://www.opticalmechanics.com/tele...20/20-100.html
    mit deutlichem Astigmatismus:
    http://www.opticalmechanics.co…rs/testdata/20/20-20.html

    Ein Wald und Wiesen-Spiegel

    Schon beeindruckend, wenn ein Hersteller seine Meßergebnisse fein säuberlich auf seinen Internet-Seiten
    publiziert: Offenbar im Vertrauen darauf, daß die wenigsten seiner Kunden die Testbilder auch wirklich lesen
    können. Dieser Hersteller war mir in Erinnerung geblieben wegen einer Diskussion um die Behandlung vom
    spiegel-eigenen Astigmatismus, den man nicht mit dem Test-stand-Astigmatismus verwechseln darf, weil er
    über die senkrechte Lagerung großer Spiegel eingeführt wird. Es sind auch einige meßtechnische Klimmzüge
    nötig, um das eine vom anderen zu trennen. Siehe auch diesen Bericht:
    http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=33897#post33897

    Der Dobson, den der Sternfreund anläßlich der Messe in Villingen-Schwenningen von einem Händler aus NRW kaufen
    wollte, war bilderbuch schön. Mich hätte dieser Dobson auch gereizt. Nur als es um den Hauptspiegel ging, vereinbarte
    der Sternfreund den Kauf nur unter der Bedingung, das der Hauptspiegel in Ordnung wäre. Und wie zur Bestätigung
    der hohen Qualität, verwies der Sternfreund (mutmaßlich vom Händler informiert) auf jene stolze Internetveröffentli-
    chung, wie man sie auf folgendem Bild sieht. (Habe vorsichtshalber die Erkennungsmerkmale getilgt)
    Nicht umsonst scheint hier der Hersteller das Interferogramm abgedunkelt zu haben und auch das Ronchi-Gramm
    ohne Angabe der Gitterkonstante macht einen fürstlichen Eindruck. Der Strehl läge bei stolzen 0.96, bei 550 nm wave
    prüft eigentlich keiner, entweder bei 532 nm wave oder mit einem Interferenzfilter, wenn er den Bath-Interferometer
    benutzt, und dann wäre er bei der e-Linie mit 546.1 nm wave. Aber selbst ein Doppelpaß Interferogramm darf diese
    Verbiegung nicht haben, wie sie im synthetischen Interferogramm dargestellt wird. Das auf der Webseite veröffent-
    lichte rechte Streifenbild kann man also so noch nicht auswerten.



    Meine erste Tat war also, das Bild etwas aufzuhellen, damit man den Rand erkennt, und nun kam die ganze "Schönheit"
    des Hauptspiegels über das Hersteller-Interferogramm zum Vorschein. Die Auswertung mit AtmosFringe war die Sache
    von ein paar Minuten ...



    und es entstand folgendes Ergebnis. Würde ich, wie der Hersteller auch, den Astigmatismus ganz abziehen, dann wäre
    mein Strehlergebnis sogar bei 0.971, also sogar um einen Strehl-Punkt besser als vom Hersteller angegeben. Würde ich
    hingegen den Astigmatismus als spiegeleigenen zulassen, dann verblieben gerade mal nur Strehl = 0.557, und das war
    dem Sternfreund etwas zu wenig.
    Nicht zu vergessen, es war also das Interferogramm des Herstellers selbst, das ich ausgewertet hatte, und
    das zunächst als Qualitäts-Beweis herzuhalten hatte.



    Nun begann erst einmal das übliche Spiel mit jenem Händler - eigentlich deren zwei, und bescherten dem Sternfreund
    durch besonders "kundenfreundlichem" Anfangsverhalten erst einmal zwei schlaflose Nächte. Immerhin war ja schon ein
    Teil des Kaufpreises angezahlt worden. (Der Fall wurde aber dann ein paar Tage später doch noch einvernehmlich gelöst.
    Und das wäre die positive Nachricht.

    Jedenfalls kriegte ich genau diesen Spiegel zum Nachmessen, und gewohnheitsmäßig untersuchten wir gemeinsam, der
    Sternfreund und ich den gut sichtbaren Astigmatismus: Einmal über den Sterntest im Krümmungsmittelpunkt und der
    üblichen Drehung um 90° clockwise und passend dazu auch die Interferogramme mit einem Interferometer. Beide
    bestätigten den eindeutigen Sachverhalt.



    Um also nicht irgendeinem Kollimationsspiegel oder Kompensations-Linse die Schuld geben zu müssen, wenn nach
    der Ursache des vorhandenen Astigmatismus gesucht würde, wurde bewußt nur der Spiegel im Krümmungsmittelpunkt
    (RoC) auf zwei Arten untersucht. Und zwar sowohl in der Grundposition Null und hernach in der Position ein, also
    um 90° clockwise nach rechts gedreht. Im ersten Fall also der Sterntest extrafokal, bei dem besonders der Rand
    auf Astigmatismus untersucht wird, und danach mit dem Interferometerauch, der ebenfalls den besonders wichtigen
    Rand mit der größten opt. Fläche untersucht. Siehe jeweils die Testbilder. Die 3-D-Wellenfront-Darstellung zeigt den
    sich mitdrehenden Astigmatismus in aller Schönheit. Zieht man diesen ab, dann bekommt man ähnlich hohe Strehl-
    ergebnisse, wie der Hersteller auch - aber wirklich nur dann.
    Je nach Lagerungs-Position schwankt der Strehl (+ Astigmatismus) zwischen 0.55 und 0.25), und in diesem
    Bereich liegt er also, dieser Strehl-Killer Nr. 1. Am Himmel würde man das als ovales Sternscheibchen sehen.






    Nun ging es aber auch um die Frage, wie glatt der Kandidat denn nun ist -
    na ja, habe eigentlich schon bessere Spiegel gesehen, aber dieses Bild ergibt eine schöne Entsprechung zum obereren
    Hersteller Interferogramm, wenn man auf eine der mittleren Streifen von unten draufschaut, dann sieht man gleichermaßen
    die Zone außen und den etwas abfallenden Rand.



    Auch das Ronchigramm entspricht dieser Situation (intrafokal 13 lp/mm) Die Störungen der dünnen Beugungslinien verraten
    die beim Rauhheitstest sichtbare unruhige Fläche, oben. Was aber auch hier verwundert ist der Unterschied zum
    Ronchigramm, wie es der Hersteller verwendet. Wieso sind denn dessen Streifen so schön gerade?



    Statt 13 lp/mm als Gitterkonstante schob ich ein Gitter mit 5 lp/mm in den Lichtkegel. Und jetzt wird die Sache sehr
    viel "kundenfreundlicher", oder besser "händlerfreundlicher", weil der argumentiert ja mit solchen Testbildern, wenn er
    es nicht besser weiß. Und meine Streifen würden noch brillianter, hätte ich hier ein Gitter mit 2 Linienpaaren pro Milli-
    meter. Auf diese Art lassen sich tatsächlich Wald- und Wiesen-Spiegel auf das Vornehmste darstellen.
    Mit dem Hersteller hatten wir sofort eine Verständigung über email, der Händler zierte sich zwei Tage länger nach dem
    Motto, vielleicht gibt der Kunde ja klein bei. Wo die Beweislage doch so eindeutig ist ! ! !

  • Hallo Wolfgang,


    sieht man mal wieder, wie "Gurken" auf die Wanderschaft geschickt werden sollen :mad2:!


    Sehr interessanter Bericht !


    Kanns sein das der Händler mit "O" anfängt und mit "V" aufhört ? :ninja:


    CS


    Immo

  • Über diesen Hersteller stolpern offenbar immer wieder die Sternfreunde: http://forum.astronomie.de/php…/Number/438115#Post438115

    Wo bei auch die Antworten auf diesen Beitrag für sich selbst sprechen: Der was wissen könnte, hält sich bedeckt, die
    anderen schwafeln, eine fundierte Information wird man dort nicht finden.

    Den dort zur Diskussion gestellten Spiegel habe ich mit meiner Software ausgewertet. Dabei glaubt James Mulherin
    immer noch, man könne die IGramme so abdunkeln, daß man damit die Fehler verschleiern kann. Spätestens wenn
    man die Bilder aufhellt, wird der Sachverhalt wieder klar. :laugh: Der Streitfall liegt im Abzug des Astigmatismus, der hier
    an den ansteigenden Streifenabständen von Nord nach Süd erkennbar ist. Wäre er nur lagerungsbedingt, könnte man
    so verfahren. Um diesen Nachweis drückt sich Meister James Mulherin jedoch herum.

    Hier die Quelle: http://www.opticalmechanics.com/18-124-072305.htm


  • Dabei glaubt James Mulherin
    immer noch, man könne die IGramme so abdunkeln, daß man damit die Fehler verschleiern kann. Spätestens wenn
    man die Bilder aufhellt, wird der Sachverhalt wieder klar.

    Die abgedunkelten Ränder sehen in der Tat komisch aus. Ist das wirklich Absicht? Naja, es wäre wie bereits gesagt sehr einfach zu beheben... Das gibt zu denken.

    Quote

    Der Streitfall liegt im Abzug des Astigmatismus, der hier
    an den ansteigenden Streifenabständen von Nord nach Süd erkennbar ist. Wäre er nur lagerungsbedingt, könnte man
    so verfahren. Um diesen Nachweis drückt sich Meister James Mulherin jedoch herum.

    Einfach 90 Grad drehen und Untersuchung wiederholen wäre hier die Lösung, stimmts?

  • Hallo notoxp,

    da glaube ich wirklich mittlerweile an Absicht: Sowohl abgesunkene Kante wie hochgezogener Rand - wie in diesem Fall - verschwinden erst einmal ! Im vorhergehenden Fall verschwand der Astigmatismus sehr augenfällig.

    Das-um-90-Grad-Drehen des Spiegels ist klar! Nützt aber auch nur, wenn der Spiegel einen signifikanten Astigmatismus hat, und wenn man den Spiegel wie im oberen Fall nachmessen kann. Dort zeigen die rechts auseinander laufenden Streifen den Astigmatismus an, im zweiten Beispiel sind die die ansteigenden Streifenabstände von Nord nach Süd. In beiden Fällen hilft es, den Rand abzudunkeln, und schon schaut die Sache nicht mehr so schlimm aus.

    Es war ein Glücksfall, daß man bereits herstellerseitig mühelos den Beweis antreten konnte, während sich der deutsche Händler erst einmal fürchterlich gespreizt hat, der Hersteller jedoch bereits Einverständnis signalisiert hatte

    Das synthetische Interferogramm "glättet" zwar die Situation, unterdrückt aber den Sachverhalt prinzipiell nicht. Wenn dann noch zu 100% der Astigmatismus abgezogen wird - wenn er also signifikant und deutlich erkennbar ist, dann wird die Sache diskussions würdig.

    Dagegen steht allerdings die Erfahrung, daß man Mühe hat, einen Astigmatismus von bis zu L/3 PV der Wellenfront am Himmel überhaupt zu erkennen. Und darin besteht das Dilemma.

  • Hallo,
    Sachen gibt´s... nun wollte ich jemandem aus dem schwarzen Forum diesen Thread als Link per PM schicken - dann zensiert A.de einfach!!!???
    Was soll das denn?Bekriegen sich jetzt schon I-netforen?
    verwunderte Grüße Rainer
    P.S.: ich habe einfach Leerzeichen eingebaut um der Zensur zu umgehen :stupid:
    P.P.S. : ok das ist hier eigentlich nicht das Thema...wenn der Moderator diesen Beitrag verschieben will,gerne.Ich war nur etwas entsetzt.

  • Lieber Ralph,

    so vermute ich mal Deinen Namen. Obwohl wir alle das gleiche schöne Hobby haben, entsprechen manche Foren dem starken Bedürfnis einiger Majoritäten, sich gegen uns abzuschotten indem in deren Software ein lumpiger String-Filter eingebaut ist. Wie man damit umgeht, hast Du ja angedeutet: Das World wide Web kratzt nämlich solche Animositäten erst einmal nicht.

    Unabhängig davon vielen Dank für Deine Unstützung, wer Interesse an unserem Forum hat, läßt sich von solchen Barrieren nicht beeindrucken, Google jedenfalls überhaupt nicht.