Rauheit von Spiegeln

  • Hallo,
     
    eine Frage, die regelmäßig bei SC-Systemen auftaucht, weil bei der Untersuchung dieser Systeme der Foucault- und Rauhheits/Lyot-Test besonders "beeindruckend" ausfällt:
     
    http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=34376#post34376
     
    Jedenfalls stört das Streulicht den Kontrast. Das kann von der sphärischen Aberration verursacht sein, vom Gaußfehler, der einer abgesunkenen Kante oder von Zonen, wie in diesem Beispiel:
    http://www.astro-foren.de/showpost.php?p=34483&postcount=2
     
    Das große Problem jedoch ist die Quantifizierung in NanoMeter. Wobei es jedoch nicht um irgendein Schnitt-Profil geht, sondern prinzipiell über die gesamte Fläche eine Aussage getroffen werden müßte, weil auch der Einfluß der gesamten Fläche eine Rolle spielt. Ob der Vergleich der 3-D-Bilder weiterhilft, kann ich derzeit nicht beurteilen.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/SC-Lyot02.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/SC-Lyot02A.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/SC-Lyot25.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/SC-Lyot25A.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/SC-Lyot11.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/SC-Lyot11A.jpg]
     
    Dem steht in der Beogbachtungs-Praxis prinzipiell dagegen, daß bereits über die unterschiedliche Luftunruhe bei ein und demselben Spiegel der Kontrast höchst unterschiedlich ausfallen kann. Von meinen zwei Dobsons weiß ich, daß es äußerst glatte Spiegel sind. Und trotzdem habe ich pro Jahr 3-4 Mal die Gelegenheit, z.B. mein Testobjekt den Saturn wirklich kantenscharf zu beobachten oder die Orion Trapez Kompnonenten E und F als nadelscharfen exakten Punkt.
     
    Selbst wenn wir beide ein Verfahren entwickeln, die Rauhheits-Bilder oben in Nanometer überzeugend ausdrücken zu können und eine Skala entwickeln, in der die Rauhheit einsortiert werden kann, dürfte das nur für die Labormessungen richtig sein. Am Himmel haben wir nochmals eine andere Situation.
     
    Nicht zu vergessen die deutsche Unart, die in einem solchen Fall erst einmal versucht, die Fehler einer solchen Untersuchung aufzuspüren. Wie wäre es, die Rauhheits-Bilder im ersten Link in Nanometer umzurechnen? Dann hätte man zwar einen quantitativen Wert aber noch keine Aussage über den Streulichtanteil, der genaugenommen ebenfalls quantitativ ausfallen müßte. Und das immer nur realativ im Vergleich zu anderen SC-Systemen.
     
    Und dann bemerken die meisten Fernrohr-Besitzer von der Qualität ihrer Geräte erst einmal wenig bis gar nichts, weil sie fotografieren . . ., was im übrigen bestimmte Händler weidlich ausnutzen ! ! !

  • Hallo Wolfgang,


    Zitat

    Und dann bemerken die meisten Fernrohr-Besitzer von der Qualität ihrer Geräte erst einmal wenig bis gar nichts, weil sie fotografieren . .


    diese Aussage ist so wie Du es meinst zwar für mich nachvollziehbar, aber man sollte trotzdem davon ausgehen, das es auch Teleskopbesitzer gibt, die ihre Optiken auch bei der Fotografie an der Auflösungsgrenze betreiben und dann die Qualität der Optik auch einen entscheidenden Einfluss hat.


    Grüsse Leo

  • Zitat

    die meisten Fernrohr-Besitzer


     
    stimmt, lieber Leo, solche gibt es auch! Nur vermute ich die als kleine Minderheit ...

    Zitat

    was im übrigen bestimmte Händler weidlich ausnutzen ! ! !<!-- / message --><!-- sig -->


    jener von mir gemeinte AstroHändler wird mir das kaum bestätigen wollen.
     
    Aber nun mal zum Thema: Wie kriegt man denn einen Maßstab, wieviel Rauhheit vertretbar ist ?





  • Hallo ,


    leider muss ich gestehen, dass meine Frage eine "Fangfrage" war, um endlich klar zu machen, dass man leider mit dem Lyot- oder Foucault-Test keine Rauheit im Sinne von DIN/ISO-Vorschriften bestimmen kann.
    Z. Zt. entwickle ich mit einem Unternehmen in Muenchen ein Programm, das auf der Basis eines Interferogramms die Rauheit bestimmbar macht. Dabei wird wohl auch das Phase-shifting noch heftig diskutiert werden muessen.
    Um noch einmal es klar zu machen: Nach wie vor gelten die DIN/ISO Vorschriften bezueglich der Rauheit im mm- und im Mikrometerbereich.
    Erst im Jahre 2009 werden die Rauheits- Parameter im Nanometerbereich auf 3D bezogen d.h., dass dann die 2D-Rauheitsparameter wie z.B. Sa, Sz usw. nicht mehr angewandt werden.


    So schoen auch die 3D-Bilder ausschauen, leider geben Sie keinen Anhaltspunkt fuer die "wahre" Rauheit wieder.
    Sobald das Programm fertig sein wird, werde ich es vorstellen.




    Viele Gruesse
    bmibonn

  • Hallo,
     
    da sind wir uns ja ziemlich einig, sehe ich. Zur interferometrischen Rauhheits-Analyse muß ich sagen, daß ich die auch nicht für so genau halte. Am ehesten wird das noch mit dem Phasenshift-Verfahren zu machen sein.
     
    Nimmt man eines meiner Interferogramme und vergleicht sie nun mit dem Lyot-Test Bild:
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Oldham40.jpg]
     
    dann hat man Mühe, die wesentlich feinere Struktur, wie sei bei Foucault und bei Lyot auftaucht, im Interferogramm
    zu erkennen. Insofern sind sowohl Foucault wie Lyot wesentlich genauer, aber ganz schlecht quantifizierbar. Also
    qualitative Tests mit Vergleichs-Charakter. Bei Foucault dürfte man locker eine Flächen-Abweichung von L/40 erkennen
    die man im Interferogramm so nicht mehr sieht. Im PhasenShift-Verfahren könnte es genauer zugehen, so man einen
    modernen Zygo PhasenShift-Interferometer benutzt, wie hier: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=6740
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Oldham01.jpg]
     
     
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Oldham42.jpg]
     
     
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Oldham43.jpg]

  • Hallo ,


    nun wollte ich noch ein Beispiel anfügen, aber da sind Sie mir zuvorgekommen.
    Anscheinend hat nun der Server mein Bild zur Rauheitsanalyse nicht mehr annehmen wollen.
    Natürlich gibt es hier im Labor schon Beispiele für die Rauheitsanalyse mittels Interferogrammen.
    Bezüglich Ihres Kommentars zur Genauigkeit, verweise ich auf die einschlägige Literatur zur Interferometrie und Rauheitsanalyse. Abgesehen von der FFT, die auf jeden Fall nach dem "unwrapping" nötig ist und auch sehr kritisch ist, um die Streifen zu entfernen, bleibt immer ein Rest, der kritisiert werden kann. Aber dafür ist es ein Verfahren, das man als "non-contact" Verfahren bezeichnen kann und somit seine Vorzüge hat.
    Es gibt ausser der Interferometrie u.a. noch die Rasterkraftmikroskopie mit der man die Rauheit messen kann. Aber auch die Rasterkraftmikroskopie hat ihre Tücken über die ich jetzt mich nicht auslassen werde.
    Es gibt genügend Literatur zur Messgenauigkeit und Reproduzierbarkeit dieser metrologischen Verfahren. Diese Erkenntnisse sind bisher in die DIN/ISO Vorschriften zur Rauheitsanalyse auch eingegangen.
    Auch gibt es Interferometer, die durchaus noch bis zu 3nm- 5nm auflösen können ... ohne von der genannten Firma zu sein.


    Das Interferogramm im beigefügten Beispiel wurde von einem defekten Spiegel aufgenommen.
    Die Rauheitsanalyse wurde mit dem Programm SPIP (TM) von Imagemetrology durchgeführt, das noch nach den "alten" DIN/ISO-Vorschriften rechnet.
    Viel Grüsse
    bmibonnastro-foren.de/wcf/index.php?attachment/441/

  • Hallo,


    da solche Messverfahren wahrscheinlich, außer der komplizierten Anwendung auch sicher dann einen hohen Preis haben werden, sollte es da nicht auch ein statistisches Verfahren geben um sowas zu testen!
    Grundlage könnten doch syntetisch gerechnete Spiegelbilder mit geeichter Rohheit sein, die dann quasi als Rauheitsfilter, dem tatsächlichen Spiegelbild in entsprechend geeigneter Weise überlagert werden. Alle Spiegel oder Optik - Rauheiten die darüber hinausragen, werden mit dem nächst gröberen Rauheitsfilter geprüft, z.B. 1 nm; 3 nm; 5nm, 7nm, 9nm; usw.
    Solche Programme, die eine solche syntetischen Berechnungen erlauben sind ja verfügbar!
    Wenn sich das denn noch an nach DIN geprüften Standardrauheiten eichen lässt, sollte es auch für Andere reproduzierbar sein.


    Gruß Günter

  • Hallo Günter,


    Ihre Anregung finde ich für den Amateurbereich sehr gut.
    Da sollte man etwas entwickeln !


    Auf der anderen Seite sind interferometrische Messungen mit anschliessender Rauheitsanalyse durchaus noch erschwinglich. Aber was hat man schon von einem Messwert, wenn man ihn nicht mit anderen Parametern korrelieren kann aufgrund fehlender anderer Erfahrungswerte.
    Jedoch bleibt eine Simulation immer noch eine Simulation.
    Aber Sie wissen ja, manche möchten ein Messprotokoll.
    Was ich mit meiner provokanten Frage nur bezwecken wollte, war nur die Tatsache, dass man den Lyot- und Foucault-Test nicht als anerkannte Rauheitstestmethoden bezeichnen kann, da diese beiden anerkannten optischen Verfahren in der Metrologie für Rauheitsmessungen bisher keinen Eingang gefunden haben.


    Obige Bilder von dem Foucault -Test zeigen es deutlich: Die Beleuchtung dürfte ein Problem darstellen.
    In der Interferometrie benutzt man monochromes Licht z.B. 550nm, das somit standardisiert ist.
    Um im non-contact mode arbeiten zu können, muss man aber eine konstante und reproduzierbare Beleuchtung haben, um Ergebnisse vergleichen zu können.
    Abgesehen davon, dass die obigen 3d-Bilder des Foucault-Tests leider Negativ-Bilder sind ( es wurde in der 3d-Routine kein negativer Wert eingegeben) zeigen Sie doch deutlich, dass sie für die Rauheitsanalyse zu grossen Beleuchtungseinflüssen unterworfen waren. (Das Programm I.A. Version 1.28 dürfte mit einen Einfluss gehabt haben, da diese Einflüsse anscheinend verstärkt wurden ).
    Aber vielleicht kann man beim Foucault-Test auch mit einem 550nm-Laser arbeiten. Es kommt auf den Versuch an.
    Ausserdem muss man mit Kalibrierobjekten, die speziell für den Foucault-Test entwickelt werden müssen, vor jeder Messung unter den gleichen Beleuchtungsbedingungen kalibrieren.
    Also z.B. wenn ein planer Spiegel gemessen werden soll, müssen die Kalibrierobjekte plane Stufen haben. Wenn ein Parabolspiegel gemessen werden, soll müsste das paraboloide Kalibrierobjekt entsprechend geformte Stufen haben.
    ..... usw. usw....
    Es gibt also viel zu tun.... warten wir es ab.....



    Viele Grüsse
    bmibonn

  • Hallo,
     
    wir diskutieren nicht auf der Basis gleicher Begriffe.
     
    Bei Foucault schon gar nicht und auch beim Lyot-Test geht es N I C H T um den von bmibonn gewünschten quanti-
    fizierbaren Rauhheits-Begriff wie er in der Industrie allgemein für Oberflächen benutzt wird. Ich kenne diesen Begriff
    aus der Metall-Verarbeitung.
     
    Der Foucault-Test, auch Messerschneide-Test genannt, dient bei der Retouche von sphärischen Spiegeln als Nachweis
    der perfekten Sphäre, bei Parabolspiegeln als Möglichkeit, eine perfekte Parabel über eine Meridian-Linie herzustellen
    über die Schnittweiten-Messung in den einzelnen Zonen. In diesem Fall funktioniert er so ähnlich wie der Caustik-Test.
    Der Foucault-Test macht bei Linsen-Optiken auch das Sekundäre Spektrum sichtbar. Die Empfindlichkeit des Foucault-
    Testes drückt sich je gerade darin aus, daß er im Beispiel einer Sphäre selbst kleineste Flächen-Abweichungen zu
    zeigen in der Lage ist. Er ist ein hochgenauer Schatten-Test, daher auch Schattenprobe genannt.
     
    Der Lyot-Test ist dem Foucault-Test ähnlich: Statt der Messerschneide wird eine transparente Filterlinie benutzt, die
    man hinter das Abbild eines Lichtspaltes im Fokus stellt. Diese Filterlinie dämpft das direkte Licht, während das licht-
    schwächere Streulicht mit dem gedämpften direkten Licht "reagiert" indem es die Oberflächenstrukturen noch deut-
    licher sichtbar macht.
     
    Im zweiten Lyot-Test-Bild meines vorigen Beitrages erkennt man so ganz eindeutig die Polierstriche und die Art, wie
    der Polierer verwendet wird: Oldham retouchiert mit der Kante des Polierers und das gibt diese "eingepflügten" Flächen.
     
    Wie tief diese "Furchen" sind, kann der Lyot-Test nur schwer bestimmen, aber im Vergleich zu vielen anderen Spiegeln
    läßt sich sehr wohl unterscheiden, ob ein Hersteller eher glatte Flächen produziert, oder rauhe. Bei Spiegel-Optiken
    bzw. Newtons kommt es ja gerade auf glatte Flächen an, bedingt durch die Reflexion, während bei Linsen-Optiken die
    Fläche um den Faktor 4 "rauher" sein darf.
     
    Bei der ganzen Rauhheits-Diskussion geht es primär N I C H T um den Absolutwert der Rauhheit in Nanometer, sondern
    um die Frage, wieviel Streulicht über die "Rauhheit" eines Systems eingeführt, den Kontrast stört.
     
    Am augenfälligsten wird diese Diskussion bei SC-Systemen, und da kommt die "Rauhheit" gerade nicht vom
    Hauptspiegel, sondern von Schmidtplatte und Fangspiegel-Retouche.
     
    Die Frage wieviel Rauhheit ein Spiegel verträgt, ist also äußerst selektiv auf nur einen Fall bezogen: Newton oder
    andere Spiegelsysteme. Und auch dort gerade mal eine von mehreren Einfluß-Faktoren. Auch fehlt die exakte
    Definition, was bitte schön als Rauhheit aufzufassen sei?
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@OMI07.jpg]
     
    Zählt wie im oberen Beispiel eine abgesunkene Kante ebenso dazu, wie eine weiche Ringzone, wie die Hundekuchen-
    Oberfläche, oder ist wirklich nur die Feinstruktur gemeint, wobei man wissen muß, daß man mit dem Weißlicht-
    Interferometer in einen ganz anderen Rauhheits-Bereich kommt, der mit dem Lyot-Test sehr wenig zu tun hat.
     
    Oder wie sind neben der Kombination einer ganzen Reihe von Strukturen (Kante abgesunken, Hundekuchen im
    Randbereich, größere und kleinere Ripples, deutliche Polierspuren, atypische Flächenfehler) die Gesamtfläche zu
    bewerten, auf welcher Ebene will man denn die Rauhheits-Diskussion ansiedeln? Ich vermute sehr stark, daß unser
    Begriff von Rauhheit sehr verschieden sein muß und die Begriffe in keiner Weise klar sind.
     
    Wir haben es hier mit einer "Rauhheit" zu tun, die sich im cm^2 Bereich einer Spiegel-Oberfläche ansiedeln
    läßt, während ich beim Weißlichtinterferometer die Rauhheit im mm^2 Bereich und kleiner vermute.
     
    Spiegeldurchmesser 455.5 mm
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@Oldham28.jpg]

  • Hallo,


    für mich kommt der Begriff "Rauheit" aus der Metrologie.
    Das geht schon aus meinen Bemerkungen zu den DIN/ISO-Vorschriften hervor.


    Daher dürfte es wohl klar sein, was ich gemeint habe.
    Seit 1993 werden in meinem Labor mehrere Rauheitmessverfahren nach DIN/ISO verwendet.


    Viele Grüsse
    bmibonn

  • Hallo,


    doch schon, denn auch die "metrologische Rauheit" hat einen Einfluss auf die Optik. Mir ging es nur um eine Klarstellung des Begriffs mit meiner Frage.
    Was nun hoffentlich auch gelungen ist.
    In der Regel lässt sich Rauheit ... sofern man metrologisch arbeitet, auch quantifizieren.
    Mir ist leider eine andere "Rauheit " als die metrologische Rauheit nicht bekannt.
    DIN 4762 regelt Begriffe und Kenngrössen der Oberflächenrauheit und schafft somit wesentliche Voraussetzungen für Verständnis und Anwendung der Rauheitsmesstechnik.
    Sorg, 1995, führt u.a. aus: Rauheit hat etwas mit der Oberfläche und DIN-Normen zu tun.


    Aber vielleicht könnte man auch noch in diesem Zusammenhang den Begriff "Gestaltsabweichung" klären. Denn auch bei der Gestaltsabweichung geht es um Toleranzen d.h. Beträge für zulässige Abweichungen von Idealwerten.




    Viele Grüsse
    bmibonn

  • Anbei ein paar Links zum gleichen Thema:
    http://www.astrosurf.com/tests…les/contrast/contrast.htm
    http://www.astrosurf.com/tests/defauts/defauts.htm#rugosite
    http://www.astrosurf.com/tests/test460/test460.htm#haut
    http://www.astrosurf.com/tests/defauts/fig2b.htm



    Hallo,
     
    wir haben es hier doch mit einer breiten Mischung von unregelmäßiger "Rauhheit" im cm^2 Bereich zu tun, die in der Spiegelschleifer-Szene mit unterschiedlichen Begriffen belegt ist: Texereau, second Edition, 87 ff:
    Im Kapitel: Primary and micro ripple veröffentlicht er auf auf Seite 90 6 Fotos, wobei er deutlich zwischen primary and micro ripples unterscheidet.
    Micro ripples: Diese Struktur wäre noch am ehesten für unseren Rauhheits-Begriff geeignet, der aber ebenfalls im cm^2 Bereich angesiedelt werden muß.
     
    (ähnliche Lyotgraphs findet man bei Daniel Malacara, Third Edition 2007, Optical shop testing Seite 306, bzw. Foucault-Test 275 ff)
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/Lyotgraph01.jpg]
     
    Dieser Teil befaßt sich unter gleicher Überschrift [91 ff] mit Zonal Defects
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/Lyotgraph02.jpg]
     
    Die Frage, wieviel Rauhheit toleriert werden kann, enthält ganz bestimmt nicht diese höchst differenzierte "Rauhheit", die in den Beispielen möglich ist, sondern suggiert eine gleichmäßig rauhe Fläche, die aber nicht vorliegt.
     
    Insofern würden wir die ausufernde Diskussion wiederholen, was wir letzlich meinen. Bei Spiegeln ist ein Rauhheits-Begriff, der von einer gleichmäßigen oder "homogenen" Rauhheit ausgeht, überhaupt nicht zielführend.

  • Hallo,


    wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen um die Gestaltsabweichung 2. Ordnung, die in DIN 4761 definiert wird.
    Dann müssen Sie auch von Welligkeit sprechen.
    Da ich in einem entsprechenden Arbeitskreis, der sich mit der Thematik der Rauheit beschäftigte, mitarbeitete, kenne ich die einzelnen Begriffe.
    Viele Grüsse
    bmibonn


    P.S.
    Bitte beim Scannen auch an das Copyright denken.... sorry.
    Texereau kenne ich, da ich das Buch ebenfalls besitze.



  • Hallo,
    Die von Texereau veröffentlichten Bilder haben etwas mit Welligkeit und nichts mit Rauheit zu tun, da kein Mikroskop benutzt wurde und somit die Gestaltsabweichungen den langwelligen Anteil der Gestaltsabweichungen darstellen.
    Viele Grüsse
    bmibonn

  • Hallo,
     

    Zitat

    Die von Texereau veröffentlichten Bilder haben etwas mit Welligkeit und nichts mit Rauheit zu tun, da kein Mikroskop benutzt wurde und somit die Gestaltsabweichungen den langwelligen Anteil der Gestaltsabweichungen darstellen.


    Das rot markierte ist in beiden Fällen nicht richtig.
    Wer sagt denn, daß nur mit dem Mikroskop dargestellte Rauhheit Gültigkeit hätte?
    Wer sagt denn, daß beim Lyotgraph nur der langwellige Anteil welchen Spektrums bitte zur Gestaltabweichung beitragen würde? Solche Lyotgraphs habe ich von 486.1 nm wave bis 656.3 nm wave durchgängig gemacht.
     
    Fakt ist jedenfalls, daß es in der veröffentlichten Spiegelschleifer-Szene über den Foucault- wie Lyot-Test genügend differenzierte Beispiele gibt mit englisch- bzw. französisch-sprachigen Begriffen gibt, die in der Szene meist auch benutzt werden. Um verstanden zu werden, benutze ich deswegen meist diese Begriffe.

  • Hallo,



    sicher ist Herr Texereau kein Experte für Rauheit.
    Daher empfehle ich das Buch von Horst Sorg, 1995, ISBN 3-446-17528-8, zu lesen, wenn Begriffe wie z.B. Rauheit benutzt werden.
    Dort wird u.a. auf Seite 30 ein Beispiel dargestellt, um Welligkeit von Rauheit zu unterscheiden. Auch in den DIN-Vorschriften ist ein klarer Unterschied zwischen diesen Begriffen gemacht worden.
    Welligkeit ist der langwellige Anteil der Gestaltsabweichung.
    Der "kurzwellige" Anteil kann meistens nur mit dem Mikroskop gesehen werden. ("Rauheiten" im cm-Massstab sind daher technisch nicht möglich, weil diese eben aufgrund ihrer Grösse langwellig ausfallen und somit als Welligkeiten definiert sind)
    Aber das kann man alles sehr schön im Buch von Horst Sorg sehen.


    Nun hoffe ich, dass die Begriffe geklärt sind. Dann hätte meine Frage einen Sinn gehabt.
    Denn eine spannende Diskussion liest sich einfach besser als ein langweiliger Monolog.


    Viele Grüsse
    bmibonn


    P.S. Bitte , bitte: Langwelligkeit hat in Bezug auf Welligkeit nichts mit der Lichtwellenlänge zu tun , sondern mit der Frequenz der Gestaltsänderung.

  • Hallo,
     
    unsere Diskussion wird zu nichts führen !
     
    Warum?
     
    Nun - das eine ist die Welt der DIN-Norm, die von ihrer Erfordernis ausgeht, und ihren Bereich exakt definiert hat, was von mir ja gar nicht bestritten wird.
     
    Das andere ist die Welt der Spiegel-Schleifer, die Glasflächen u.a. mit Foucault- [1856 von Jean Bernard Léon Foucault entwickelt] und Lyot-Graphen [Bernard Ferdinand Lyot (* 27. Februar 1897 in Paris; † 2. April 1952 in Kairo)] auf die richtige Form und Feinstruktur untersuchen, im ersten Fall immerhin schon seit 151 Jahren.
     
    Man gewinnt also wenig, wenn man Spiegelschleifer mit DIN-Normen beglücken will, die für diesen Bereich wenig Aussagekraft haben, weil es letztlich um den Streulichtanteil geht, der von Rauhheit verursacht wird, und den müßte man zahlenmäßig ausdrücken können.
     
    Ein ganz anderer Fall ist die Frage, ob man per Interferometrie die Rauhheit quantifizieren kann. Mit den von uns verwendeten Interferogrammen jedenfalls nicht. Mit Interferogrammen, im mikroskopischen Bereich erzeugten, vermutlich schon. Aber da sind wir dann in einer Dimension unter 1 mm^2, die zur Frage des Streulichtes wenig beiträgt. Da müssen wir zurück zum Lyotgraphen und zur Dimension 1 cm^2.
     


     
    Sehr lesenswert:
     

    Measurement of Surface Quality
    1. Lyot Test
    2. FECO
    3. Nomarski Interferometer


    4. Phase-Shifting Interference Microscope
    http://www.optics.arizona.edu/…ementOfSurfaceQuality.pdf
     

    Zitat

    Lyot Test (Zernike Phase Contrast)
    Ref: Kingslake, Vol IV, p. 67
    The figure below illustrates how the Lyot test, or as it is commonly called, the Zernike


    phase contrast test, can be used to measure surface roughness. [...]

  • Hallo,


    nun, dann wären wir einen Schritt weitergekommen.


    Übrigens, auf der website der PTB findet man wertvolle Hinweise zu den einzelnen Begriffen der Gestaltsabweichungen wie z. B. Welligkeit und Rauheit. (Auch wertvolle Literatur!)
    Vor über 100 Jahren durfte man den Begriff der Rauheit anders definieren.
    Natürlich gibt es auch Firmen, die Komplettsysteme (u.a. Phase-shifting-Interferometer inkl. Hard- und Software) zur Oberflächenbeurteilung und Rauheitsmessung anbieten.
    Da, wie Sie aus meinen emails wissen, demnächst in meinem Labor mit Hilfe von zwei verschiedenen Phase-shifting Mikroskopinterferometern und entsprechender Software auch Rauheit bestimmt wird, habe ich mich auch um die dazu notwendigen Piezos kümmern müssen.
    Wie im Leben so oft, müssen auch diese Piezos kalibriert werden, was aufgrund der Alterungsprozesse usw. immer häufiger nötig sein wird.
    Daher können Sie sicher verstehen, dass Messunsicherheiten auch bei diesen Verfahren schon lange bekannt sind ( siehe die Liste der einzelenen Interferometertypen und ihrer Vor- und Nachteile auf der website der PTB).
    Trotzdem gibt es aber zur Interferometrie (bezüglich der Auflösung) keine gleichwertige Alternative im Non-Contact -Bereich.
    Übrigens kennen Sie die Tastschnittgeräte, die wirklich grosse Flächen scannen und anschliessend in 3D darstellen können ? Man kommt ins Staunen, dass "Werkstücke" wie z.B. Autos damit auf Ihre Form- und Gestaltsabweichung gescannt werden können.
    Solche Geräte füllen einen ganzen grossen Laborraum aus.


    Bezüglich der Probleme mit dem Image Analyzer 1.28 empfehle ich das Forum von Herrn Vinther.


    Viele Grüsse
    bmibonn