"Lidl"-Refraktor Skylux 70/700

  • Durch Zufall erhielt ich einen kleinen "Lidl"-Refraktor. Leider war die Abbildung grottenschlecht. Der Saturn z.B. nur als ovaler Fleck erkennbar. Der Sterntest an einem künstlichen Stern zeigte intrafokal gleichmäßige Beugungsringe, extrafokal nur einen flauen, nebelartigen Kreis.
    Eine Verbesserung konnte ich durch eine drastische Verringerung des Luftspaltes erreichen. Die Distanz zwischen den beiden Linsen wurde im Originalzustand durch einen ca. 2,3 mm breiten Kunststoffring erzeugt. Da die Optik offensichtlich unterkorrigiert war und noch ist, habe ich diesen Abstand stückweise verringert. Ergebnis: Die visuelle Abbildung wurde deutlich besser. Als Beispiel: Einen Millimeter große Schrift ist aus ca. 50 Meter Entfernung bei 120x Vergrößerung sicher lesbar. Der Sterntest sieht jetzt so aus:


    http://freenet-homepage.de/noetzel7/Astro/Stweb.jpg


    Der Abstand beträgt aber nur noch 0.1 mm (!). Ein abschnittsweises Verdrehen der Linsen führte nochmals zu einer Verbesserung der Abbildung.
    Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit diesem Fernrohrtyp ?


    Ralf

  • Hallo Ralf,

    Herzlich willkommen, mit der Anmeldung hat es ja doch noch geklappt.



    Ein paar Anmerkungen zum Sterntest: Der Refraktor ist noch unterkorrigiert, das erkennt man am deutlichen Farbring intrafokal und am ausgefransten Rand extrafokal. Je nach Design ändert man das am Abstand der Linsen. Nur wenn sich die Linsen berühren, ist Schluß, und dann müßte man das Objektiv retouchieren. Zur Herstellung der Aufnahmen hast Du ein 6 mm Okular benutzt, wobei 120-facher Vergrößerung den Achromat schon ganz schön strapaziert, wie man wieder an den Sternscheibchen erkennt. Der Blaue Fokus liegt ganz weit hinten, Grün, Gelb und Rot offenbar dicht beieinander. Besser wäre, wenn Rot ganz hinten läge und Blau/Grün/Gelb beieinander liegen würde.
    Verbleiben nur noch Koma und vermutlich kein Astigmatismus, weil den würde man sehen bei dieser Vergrößerung.
    Erst wenn sich die Sternscheibchen intra/extra-fokal angleichen hätte man den richtigen Linsenabstand.

  • Komisch, ich heiße doch gar nicht "Noetzel" - aber die Story hätte 100% von mir sein können!


    Ich habe auch mal so einen Lidl-Refraktor gekauft, auf dem Trödelmarkt für 27 Teuro. Mehr war er auch nicht wert. Die Montierung ist sehr wackelig.


    Der Sterntest war bei mir genau so wie beschrieben, und wurde ebenfalls sichtbar besser mit einem Linsenrandabstand von nur noch 0,1 mm.


    Eine Verdrehung der Linsen brachte keinen Unterschied.


    Am deutlichsten war die Verbesserung durch das Schwärzen der Linsenränder (Edding) und etlicher glänzender Stellen in Tubus und Okularen (Pelikan Plaka-Farbe) - jetzt zeigt er Milchstraße statt Milchsuppe :p


    Wesentlich schöner werden Beobachtungen mit besseren Okularen, selbst ein 10 Teuro Schnäppchen vom Essener ATT hatte ein vielfaches Sichtfeld wie die mitgelieferten Gucklöcher.


    Übrigens gibt es etliche Internet-Seiten zum Lidl-Refraktor und -Montierungs-Tuning, einfach mal nach googeln...

  • Hier noch ein kurzer Nachtrag zum Lidl-Refraktor. Der Abstand der beiden Linsen ist nach weiteren Versuchen jetzt praktisch Null. Dies führte zu einer weiteren visuellen Verbesserung der optischen Abbildung. An den Kontaktflächen treten jetzt Newton-Ringe auf, welche sich über fast die komplette Fläche erstrecken. Die beiden zugewandten Radien scheinen somit nahezu identisch zu sein. Macht es Sinn die beiden Linsen nach diesen Ergebnissen zu verbinden - z.B. mit Kanadabalsam oder Immersionsöl ?
    Eine Bemerkung am Rande: Durch die drastische Verringerung des Abstandes der Linsen verkürzte sich die Brennweite um einige Zentimeter. Ob möglicherweise der Distanzring nur zur Einstellung der korrekten Brennweite von f=700 mm dient ?


    Gruß Ralf

  • Hallo liebe Sternenfreunde!


    Auch ich bin neulich zufällig zu einem Lidl scope gekommen. Mit sicherheit ist auch meine optik nicht optimal und ich würde sie gerne korrigieren.
    Jetzt hab ich hier ein paar Fragen dazu wie ich die nötigen Messungen am besten Durchführe und deute.


    1) Ist es besser die messung an einem Stern oder an einem Künstichen Stern Durchzuführen?


    2) Wie Bastle ich mir einen Künstlichen Stern? Welche Wellenlängen sollte dieser Aufweisen?


    3) wie erreicht ihr die verringerung des Luftspalts? Wenn ich das richtig verstehe wird der durch einen Plastikring zwischen den Linsen erreicht. Abdrehen? Die Tolleranzen müssen ja sehr genau eingehalten werden.



    Ich hoffe ihr könnte einem Neuling helfen sein nicht so tolles Rohr zu verbessern.



    Vilen dank Flo

  • Hallo Flo,

    wenn's ein Zweilinser mit Abstandsplättchen ist . . .

    (Hatte gestern nämlich so ein Quelle Kaufhausteleskop in den Fingern. Da klapperten lediglich zwei Linsen in der Kunststofffassung herum)

    also wenn es ein Zweilinser mit Abstandsplättchen ist, dann muß man das Objektiv öffnen, aber genau aufpassen, wie herum die Linsen zueinander eingebaut sind. Dann kann man den Abstand im Bereich bis max. 0.5 mm vergrößern oder verkleinern. Ein künstlicher Stern ist schnell hergestellt, wenn Du mit einer Nadel ein ca. 0.1 mm großes Licht in eine ALU-Folie stichst und dahinter eine kleine Birne. Das Ganze dann in mindestens 20 m Entfernung irgendwo aufgestellt.

    Abe bitte aufpassen, daß hinterher die Zentrierung der Linsen auch noch stimmt ! ! ! ! ! ! ! (d.h. sie dürfen zueinander nicht verkippt sein)

  • Vielen dank für die schnelle Antwort!


    Eine Frage hätte ich da allerdings noch. Um die Messung durchzuführen würde ich intuitiv ein Kurzbrennweitiges Okular benutzen. lieg ich damit richtig?
    Ist mit "verkippen" gemeint, dass sich die Linsen zueinander nicht verdrehen sollen oder wie muss ich das verstehen.


    Rein interessehalber: Was sind Newtonringe?



    Wie immer, danke im voraus Flo