Posts by Wolfi

    2.Teil Sank Anna


    Daniel Eberhard Beyschlag, der 1801 als Rektor folgte, vertrat ähnliche Ansichten wie Mertens. Anläßlich einer Prämienverteilung im Oktober 1807 hielt er eine Rede "Was läßt sich von den Kometen sagen?", worin er über den derzeitigen Wissensstand berichtete, aber auch über die Kometenfurcht früherer Zeit. "Die Bußtage könnte man sich noch gefallen lassen, weil die Menschen nicht oft genug an ihre Rückkehr zur Tugend erinnert werden können; aber daß man sich durch die Kometen wegen Krieg, Theuerung, Hunger, Pest und anderen Unfällen in Schrecken setzen, und zu mancherley albernen Maßregeln verleiten ließ, wer kann das gut heißen?" Er widerlegte dann die neueren Befürchtungen, ein Komet könne der Erde schaden oder sie zerstören, wenn er ihr zu nahe käme. Am Schluß aber ließ er sich zu Spekulationen verleiten, wenn er meinte, Kometen könnten "Wohnplätze von Gottes nach Art und Gattung Myriadenmal verschiedenen Geschöpfen sein" und würden mit ihren "glücklichen Bewohnern den unermeßlichen Aether durchfliegen".


    Im gleichen Jahr, 1807, schlug das Ende der Reichsstadt Augsburg. St. Anna wurde ein "Königlich Baierisches Gymnasium", das nun auch katholische Schüler und Lehrer aufnahm. Es wurde sogar zum einzigen Gymnasium in Augsburg, weil das katholische zu St. Salvator geschlossen wurde. In dieser paritätischen Zeit wirkte bis 1820 ein Mathematik - und Physiklehrer an der Schule, der Conrektor und Canonicus Augustin Stark, correspondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der sich metereologischen und astronomischen Beobachtungen widmete. Er veröffentlichte diese von 1813 bis 1836 regelmäßig in seinem Metereologischen Jahrbuch". Im Jahr 1813 z.B. berichtete er von 423 kleinen, 76 mittleren, 54 großen Sonnenflecken, 58 Sonnenfackeln, einer Sonnen- und einer Mondfinsternis, 3 Kometen, 6 Zodiakal- und 2 Nordlichtern. Dabei erwähnte er seinen 42zölligen Dollond, ein achromatisches Linsenfernrohr von etwa 1 in Länge, und ein "35 Pariser Fuß vom Erdboden an hohes, von N.0.S.W. bis NWN. freyes Observationszimmer" (1 Pariser Fuß 32 cm). Dabei dürfte es sich um das Zimmer seines Hauses D247 hinter der Göggingcr Mauer (heute etwa Fuggerstraße 16) handeln, wo man ihn "im geblümten Schlafrock, am weitgeöffneten Fenster mit dem großen Branderschen Tubus hantieren sah" 31. Seinen Schülern vermittelte er im Unterricht Kenntnisse aus der Kosmographie, löste mit ihnen Probleme aus der Astronomie, führte praktische Messungen mit dem Sextanten durch und suchte in den Schülern dieselbe Begeisterung wachzurufen, mit der er sich seinen Studien hingab 32.


    Wieder sind es Kometen, die uns weitere Kunde geben. In dem großen Sternatlas von Bode aus dem Jahre 1801, der noch in unserer Schulbibliothek steht, kann man handschriftliche Eintragungen von Kometenörtern entdecken, die erste 1818 wohl noch von Stark: "3.,4.,13.,30. März Komet im Fuchs, 5te Größe", wobei der jeweilige Ort des Kometen in der Sternkarte notiert wurde. Die nächsten Anmerkungen über Kometen aus den Jahren 1821, 1825 Komet Harding, 1828 Biela, 1828 Encke und 1835 Boguslawski fallen in die Zeit von Dr. J. Thomas Ahrens, der von 1821 bis 1841 Mathematik und Physik lehrte.


    In den folgenden Jahren findet man immer wieder astronomische Themen im Lehrplan, z.B. 1868/69 in der Physik der obersten Klasse "populäre Astronomie", gegeben von F. L. Wucherer. Für die Lehrerbücherei wurden einschlägige Bücher angeschafft, und für die Schüler gab es astronomische Aufgaben im Lehrbuch von Knieß (Karl Knieß war von 1893 bis 1918 Mathematiklehrer am Annagymnasium).


    Inzwischen war die Zahl der Schüler gewachsen, die alte Stadtbibliothek mußte einem Neubau mit Klassenzimmern weichen. Deshalb wurde 1894 der Sternwartenturm mit dem Bibliotheksgebäude abgerissen.


    In den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts stand im Mathematik-Lehrplan "Mathematische Geographie", wofür z.B. im Schuljahr 1929/30 in den zwei obersten Klassen das Buch von Effert-Diller "Mathematische Geographie und Astronomie" benutzt wurde. Einzelne Schüler erinnern sich etwa an eine Sonnenfinstenis in den Jahren vor 1930, zu der sie am Kerzenlicht geschwärzte Gläser mitbringen sollten (Hugo Maser, Abitur 1932), oder zehn Jahre später an Dr. Gustav Förster, der im Rahmen des Mathematik- und Geographieunterrichts ausführlich auf astronomische Probleme einging. Gelegentlich zeigte er in den Jahren um 1940 seinen Schülern Mond und Planeten durch ein Fernrohr, vielleicht sein privates, denn 1952 ist im Anna-Gymnasium außer der Steinplatte (30 x 30 qcm) einer Horizontalsonnenuhr an astronomischen Geräten nichts mehr zu finden.


    Während bis zu diesem Jahr die Hinweise über die Astronomie am Anna-Gymnasium in Zweitliteratur und in Originalquellen mühsam aufzuspüren waren, steht nun Material in Fülle zur Verfügung: eigene Aufzeichnungen, der Ordner mit dem Briefwechsel zum Bau der neuen Sternwarte, das Beobachtungsbuch der Sternwarte, Jahresberichte der Schule u.a.


    Ab Anfang 1953 wurde mehrmals im Schuljahr mit Klassen an kleinen privaten Instrumenten von der Schule aus und beim Rosenaustadion beobachtet, z.B. Venussichel, Jupiter mit seinen Monden, Saturnring, Sternhaufen, Nebel und Sternbilder. Am frühen Nachmittag des 30. 6. 54 konnte bei wechselnder Bewölkung eine partielle Sonnenfinsternis von den Fenstern an der Fuggerstraße verfolgt und fotografiert werden. Im April/ Mal 1957 wurde an mehreren Abenden der Komet Arend Roland 1956h beobachtet. Zur Information der Bevölkerung wurden Mitteilungen an die Zeitung gegeben, gewissermaßen eine moderne Form der Kometenblätter des 16. und 17. Jahrhunderts. Am 13.5.57 folgte die Beobachtung einer Mondfinsternis und im Sommer 1957 die des Kometen Mrkos 1957 d.


    Im Herbst 1957 fing in einer 7. (heute 11.) Klasse die Serie der Astronomischen Arbeitsgemeinschaften an, die bis in die 70er Jahre fortgesetzt wurden, als Astronomie Grundkursfach der Kollegstufe wurde. In manchem.Jahr liefen gleichzeitig zwei Kurse für die Mittel- und für die Oberstufe. Neben den Grundlagen der Astronomie und der Astrophysik und den praktischen Beobachtungen wurde auch die Raumfahrt behandelt. Am 4. 10. 57 waren ja der erste russische und am 31. 1. 58 der erste amerikanische Erdsatellit gestartet worden. In den 60er Jahren begann die Beobachtung und Vorausberechnung der Durchgänge heller Satelliten, vor allem von Echo 1 und 11, aber auch von Sputniks, Samos u.a. Am 4 . 9. 58 konnte das für Augsburg seltene Ereignis eines hellen Nordlichts mit wechselnden roten Streifen gesehen werden.


    Am 12. 8. 1958 erhielt das Anna-Gymnasium wieder ein Fernrohr. Durch eine Spende der Societas Annensis konnte von Herrn Deola, (Schaffhausen) ein Newton-Spiegelteleskop mit 6 Zoll (15 cm) Öffnung und 115 cm Brennweite mit parallaktischer Montierung und Handnachführung um DM 1.000,- gekauft werden, das ab Oktober 1958 im Stadtwerkehaus am Hohen Weg stationiert wurde. Die dortige Plattform wurde dem Gymnasium freundlicherweise zu Beobachtungszwecken zur Verfügung gestellt. Diese Gelegenheit wurde so eifrig benützt, daß im Dezember bereits eine kleine Astro-Fotoausstellung gezeigt werden konnte.


    Besondere Ereignisse waren am 7. 7. 1959 eine Regulus-Bedeckung durch Venus, am 2. 10. 1959 wieder eine partielle Sonnenfinsternis, am 7. 11. 1960 ein Merkurdurchgang vor der Sonne, am 24. 10. 1961 die Verfinsterung des Jupitermondes 2 Europa durch den Jupitermond 1 Io, am 24. 6. 1964 eine totale Mondfinsternis und weiter die Kometen Seki Lines 62 c, Ikeya 63a sowie die Nova 63 Lyrae. Zur partiellen Sonnenfinsternis am 15. 2. 1961 wurden das Newtonteleskop und private Instrumente im Schulhof vor dem Hollbau aufgebaut, und auf einer Projektionsleinwand konnten alle Schüler das astronomische Schauspiel verfolgen.


    Neben Vorträgen vor verschiedenen Gruppen wurden ab Herbst 1961 fast regelmäßig Volkshochschulkurse über Astronomie mit Beobachtungen und mehrmals Kurse an der Pädagogischen Hochschule gehalten. Der Newton wurde sogar zu Skikursen mitgenomrnen, wo jedes Jahr bei gutem Wetter der prachtvolle Winterhimmel im Gebirge ein zwar kaltes, aber für unsere Großstadtkinder seltenes Erlebnis bedeutete. Im März 1962 konnte zum ersten Mal ein neu angeschafftes dreizölliges Linsenfernrohr mit 76 cm Brennweite eingesetzt werden. Nun entsprach die Fernrohrausstattung wohl wieder etwa derjenigen vom Ende des 18.Jahrhunderts. Ein großer Mondatlas, Sternkarten, Literatur und Dias kamen hinzu. Immer wieder lassen sich auch Schüler anregen, selbst ein Fernrohr zu bauen (z.B. Christoph Blümner, Abitur 1963), Spiegel zu schleifen (Klaus Aker, Abitur 1979) oder sich ein Instrument von Eltern oder Mäzenen schenken zu lassen.


    Schon im Mai 1961 begannen im Hinblick auf den Neubau des Anna-Gymnasiums die vielen Besprechungen und Korrespondenzen mit Architekten, dem Kultusministerium und der Stadt Augsburg, mit Sternwarten und Herstellern von Kuppeln und Instrumenten wegen einer Beobachtungsstation. Besuche bei Sternwarten und Firmen folgten. Am 14. 2. 1962 unterrichtete Herr Scheidler von der Augsburger Allgemeinen die Leser von diesen Planungen, am 20.1.1963 kam eine Sendung im Schwabenspiegel des Bayerischen Rundfunks. Im März 1962 wurde vom Kultusministerium der Bau einer Plattform bewilligt. Im Dezember wurden vom Stiftungsreferenten Dr. Hof Mittel aus dem protestantischen Studienfonds für den Ausbau einer Sternwarte in Aussicht gestellt und am 15. 1. 1963 wurde ein Voranschlag von DM 81.000,- vom Stiftungsausschuß angenommen. Am 29. 4. 1963 erfolgte die Genehmigung des Kultusministeriums.


    Am 12.11. 1965 fand das Richtfest für den Neubau des Anna-Gymnasiums statt, wobei das Richtbäumchen die Kuppel der Stemwarte krönte. Die neue Stemwarte besteht aus dem Kuppelraum mit 4,5 m Durchmesser, einem Geräteraum, einem Gang, dem Treppenaufgang und einer Plattform von 100 qm mit einer Betonbrüstung und 3 Betonsäulen mit Elektroanschluß für die Fernrohre. Als 1969 die Schertlinstraße ausgebaut wurde, verwendete die Stadt Augsburg auf unsere Bitten im Sichtbereich der Sternwarte Speziallampen, die die Beobachtung nicht stören. In der Kuppel ist ein Coudé-Refraktor von 8 Zoll (20 cm) und 3 m Brennweite mit vierzölligem Sucherfernrohr, Protuberanzenrohr und achtzölliger Schmidtkamera der Firma Wachter, Uhlbach, auf einer Säule fest montiert (Abb. 5). Sonnenokular, Spektrometer, Photometer und vor allem ein Ha -Filter für die rote Wasserstofflinie (0,5 Å) sind das wichtigste Zubehör.


    Im Geräteraum stehen für die Benützung auf der Plattform der 4-Zoll-Newton, der 3-Zoll Refraktor und neu hinzugekommen ein 7-Zoll-Schiefspiegler-Teleskop, das mit der Optik der Firma Lichtenknecker (Weil der Stadt) von Herrn Ziemer von Dukowsky (Augsburg) gebaut wurde und auf einer parallaktischen Montierung von Wachter benutzt wird. Die Bundesbahn stiftete eine alte Pendeluhr, die als Stemzeituhr eingerichtet wurde. Als Anschauungsmaterial kamen zwei Teilplanetarien (Tellurien), Himmels- und Mondglobus sowie ein Schieferglobus hinzu. Zur bevorstehenden Eröffnung der Stemwarte erschien in der Augsburger Allgemeinen am 7. 6. 1966 ein Artikel von Bobinger über die Geschichte der Astronomie in Augsburg, beginnend im 11. Jahrhundert bei St. Ulrich. Zur Schuleinweihung am 27.10.1967 war die Sternwarte fertig eingerichtet und voll funktionsfähig.


    Schon am 31.10.1967 wurde von 12.31 -13.04 Uhr mit dem Ha - Filter eine brillante Sonneneruption beobachtet. Das folgende Maximum der Sonnenaktivität in den Jahren 1968/69 bot reichlich Gelegenheit, die Erscheinungen der Sonne: Protuberanzen, Filamente, Fackeln, Flecken zu studieren. Eine Arbeit über zweijährige Fleckenaufzeichnungen mit einem neuen Vorschlag für die Relativzahlbestimmung brachte dem Schüler Andreas Keil (9. Klasse) im Jahre 1969 den 4. Preis bei einem astronomischen Wettbewerb unter der Leitung von Prof. Rolf Müller vom Wendelsteinobservatorium. Am 29. 4. 1976 durften am Vormittag viele Klassen nacheinander die partielle Sonnenfinsternis sehen, wobei die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft die Führung übernahmen. Höhepunkt der Sonnenbeobachtung wurden die hervorragenden Sonnen-Fotos vom nächsten Maximum 1979/80, aufgenommen von Peter Aniol, die sich mit denen großer Sternwarten messen können und Hauptobjekte der Astronomie-Ausstellungen in der Schule im Sommer 1980 und 1981 waren. Bereits im Dezember 1967 aber fand eine kleine Astro-Ausstellung statt. Dazu wurde im Gang des 1. Stocks ein maßstabgetreues Modell des Sonnensystems aufgebaut, Entfernungen im Verhältnis l:(3× 1011), Größe der Planeten l:(3× 108). Über Wochen hinweg wurde täglich der Stand von Erde, Mond und Planeten dem tatsächlichen Verlauf entsprechend von Schülem nachgestellt.


    Die nächtlichen Beobachtungen wurden mit der neuen Sternwarte intensiviert und wendeten sich diffizileren Objekten zu: z.B. Planetoid Ikaros mit der Helligkeit m = 13,5 am 17.6.1968, Planetold Geographos m = 12,5 am 6.9.1969; die Novae Delphimi und Vulpeculae 1967, Serpentis 1970 wurden bis zu sehr geringer Helligkeit verfolgt, ebenso einige Kometen z.B. Honda 1968c, Bennet 1969, West 1976. Leider waren uns bisher keine so brillianten Novae und Kometen vergönnt wie den Astronomen im ersten Jahrhundert des Anna-Gymnasiums. Von der Jupiteroberfläche wurden Zeichnungen und photographische Aufnahmen angefertigt. Am frühen Abend des 24. 12. 1968 wurde der Mond fotografiert, während ihn gerade die ersten Menschen im Raumschiff Apollo 8 umkreisten.


    Um die Schüler mit dem Sternhimmel vertraut zu machen, wurden 1967/68 in jedem Monat Blätter mit den jeweils gerade gut sichtbaren Sternbildern zum Eigenstudium verteilt. 1969 erschienen diese Sternbildblätter im Druck 33. Neben den Beobachtungen mit Unterklassen und der astronomischen Arbeitsgemeinschaft waren es stets einzelne Schüler, die intensiv viele Nächte auf der Sternwarte arbeiteten. Klaus Hiemeyer (Abitur 1969) z.B. setzte vor allem die Schmidt-Kamera ein. Andreas Keil und Dieter Schäfer (Abitur 1974) beobachteten in den Jahren 1972 - 1974 systematisch etwa 20 Halb- und Unregelmäßige Veränderliche zwischen 6. und 13. Größe in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Berlin (AVB). Im vierten Quartal 1972 z.B. führten sie 207 Helligkeitsbestimmungen durch, die in den Astronomischen Nachrichten (Springer) Bd 294/5 erschienen. Als der große Siemenscomputer des Projekts der Zentralstelle verfügbar war, besorgten sie 1974 - 1976 die Zusammenstellung aller Beobachtungen der AVB für Deutschland. Noch eine andere Verbindung gab es zu dem Computerprojekt: Eine Schülergruppe der 9. Klasse entwickelte in der Sprache LIDIA ein Auskunftsystem über die Astronomie. Im Dialog konnte man sich Angaben über Sonne, Planeten, Sterne geben lassen. Sogar die Sternbilder erschienen auf dem Bildschirm. Klaus Aker verfaßte 1978/79 eine Facharbeit über Teleskopspiegel-Prüfung, mit der er im Landeswettbewerb "Jugend forscht" den 2. Platz belegte.


    Die Volkshochschule, die 1966 gegründete Astronomische Vereinigung Augsburg, die inzwischen die Volkssternwarte in Diedorf betreibt, und andere Gruppen sind Gäste auf der Sternwarte, ebenso Studenten der Universität Augsburg, für die 1973/74 und 1976 Astronomie-Vorlesungen mit Übungen auf der Sternwarte gehalten wurden. Vom übrigen Lehrerkollegium führte Herr Keidel 1971/72 eine astronomische Arbeitsgemeinschaft durch; Herr Brockmann übernahm 1972 die Betreuung der Sternwarte und hielt 1978/79 und 1980/81 in der Kollegstufe Grundkurse Astronomie. Lehrpläne dazu erschienen erst im Sommer 1979.


    Die Sternwarte einer Schule kann kein wissenschaftliches Institut sein, aber sie kann jungen und älteren Menschen einen Blick über unseren kleinen Erdball hinaus auf Gesetze, Aufbau und Größe des Weltalls ermöglichen. Das Gymnasium bei St. Anna, das bereits in seinem ersten Jahrhundert die Astronomie pflegte und einen der frühesten Sternwartenbauten Deutschlands erhalten hatte, führt diese Tradition mit der wahrscheinlich größten Schulsternwarte Deutschlands in unseren Tagen weiter.



    1) Teichmann jürgen: Wandel des Weltbildes, Deutsches Museum Bd. 6, München 1980 S. 201


    2) Köberlin Karl: Geschichte des Humanistischen Gymnasiums bei St. Anna in A.gsburg, Augsburg 1931, S. 27


    3) ebenda S. 79


    4) Mezger G.C.: Geschichte der vereinigten kgl. Kreis- und Stadtbibliothek in Augsburg, Augsburg 1842, S. 10


    5) Velth F.A.: Bibliotheca Augustana, Augsburg 1785-1796, Bd. VII S. 190 und 188.


    6) Schmidbauer R.: Die Augsburger Stadtbibliothekare durch vierjahrhunderte, Augsburg 1954, S. 65


    7) Brahe Tycho: Astronomiae Instauratae Progymnasmata, Prag 1602, s. 534 ff


    8) Dreyerj.L.E.: Tycho Brahe 1890, deutsch Karlsruhe 1894, S. 31 und S. 85


    9) Briefe in der, Österreichischen Nationalbibliothek Wien, Cod 10 68666


    10) Holl Elias: Die Hauschronik der Familie HolI, ed. von Christian Meyer, München 1910, S. 58


    1 1) Zinner Emst: Astronomische Instrumente des 11. - 18. Jahrhunderts, München 1956, S. 221


    12) Mackensen L.: Die erste Stemwarte Europas mit ihren Instrumenten, München 1979, S. 4


    13) Brahe T.: a.a.0. S. 356 ff


    14) Zinner E.: Verzeichnis der astronomischen Handschriften des deutschen Kulturgebiets, München 1925, S. 138


    15) Doppelmayrj.G.: Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlem, Nürnberg 1730, S 126


    16) Eimmart G.Ch.: MisceIlanea cun'osa, Nümberg 1690, S. 417


    17) Stetten Paul dj.: Kunst-, Gewerbs- und Handwerksgeschichte der Reichsstadt Augsburg, Augsburg 1779, S. 167


    18) Beyschlag D.E.: Kurze Nachrichten von dem Gymnasium zu St. Anna Augsburg 183 1, S. 9


    19) Mezger G.C.: a.a.0, S. 17


    20) Lenk L.: Augsburger Bürgertum im Späthumanismus und Frühbarock (1580 - 1700) Augsburg, 1968, S. 130


    21) Köberlin K.: a.a.0. S. 191/192


    22) Stetten Paul dj.: Erläuterun en der in Ku fer gestochenen Vorstellungen aus der Geschichte der Reichsstadt Augsburg, Augsburg 1765, S. 210


    23) Verzeichnis des Vorraths an Büchem, Instrumenten, Naturalien und Modellen, Stadtbibliothek Augsburg cod aug 2° 376


    24) Herre F.: Das Augsburger Bürgertum im Zeitalter der Aufklärung, Augsburg 1952, S. 119 und S. 142


    25) Mertens H.A.: 6. Fortsetzung der Nachricht von der jetzigen Verfassung des evangelischen Gymnasiums in Augsburg, 1778, S, 20-22


    26) Mertens H.A.: 1. Fortsetzung ... 1774, S. 1 1 und 2. Fortsetzung ... 1776, s. 16


    27) Bobinger M.: Alt-Augsburger Kompassmacher, Augsburg 1966, S. 194 - 200


    28) ebenda S. 43 - 45


    29) Mertens H.A.: 2. Fortsetzung... S. 15 und 16


    30) Mertens H.A.: 6. Fortsetzung... S. 10 ff


    31) Hertel F.: Album für die Zeitgenossen des vereinigten Gymnasiums zu St. Anna, Augsburg 1862, S. 24


    32) Jahresberichte des Annagymnasiums 1813 - 1820


    33) Keil K-A.: Stembildblätter, Anleitung zum Kennenlernen der Stembilder, München 1969.



    Inge & Karl-August Keil
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    Grüsse
    Wolfram

    Hallo Uwe,
    danke für das Angebot, aber die Dias müsste ich auch erst im Keller suchen....


    Zumindest habe ich ein schwarz/weiss Bild der Kuppel gefunden bei dem die Spitze des Zeiss Coudé-Refraktor herrausragt und abfotografiert.


    Falls es jemanden interessiert, hier die Festschrift von der Sternwarte am Anna Gymnasium. Sehr interessant was so im Laufe der Jahre passiert....
    Ist hier vielleicht ganz gut aufgehoben damit nicht auch noch die letzten Reste Zeitzeugnisse dieser Sternwarte aus dem Internet verschwinden.


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    Gymnasium bei St. Anna Augsburg


    Festschrift "Astronomie am Anna"


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    Immer wieder stößt man in den 450 Jahren des Anna-Gymnasiums auf lebhaftes Interesse an der Astronomie. Besonders groß war dies im ersten Jahrhundert seines Bestehens, gehörte doch die Astronomie neben der Arithmetik und der Geometrie zu den sieben freien Künsten, die damals am Beginn jedes Universitätsstudiums standen 1.


    Den ersten Astronomieunterricht gab wohl Sixt Birk, Primarius von 1536 bis 1554 2. Als 1557 Hieronymus Wolf Rektor wurde, führte er in seinen Vorschlägen zur Besserung der Schulverhältnisse die freien Künste als Unterrichtsgegenstände auf, die dann vor allem im Auditorium, das sich an die oberste Klasse anschloß, gelehrt wurden 3. Wolf, der wie alle Rektoren des Gymnasiums bis 1872 gleichzeitig Leiter der Stadtbibliothek war, hatte bei deren Anschaffungen "das Bedürfnis der gelehrten Schule besonders im Auge, da die öffentliche Bibliothek Lehrer und Lernende unterstüzten soll" 4, und wir finden dort noch heute auffallend viele astronomische Bücher des 16.Jahrhunderts. Wolf selbst gab 1559 eine Einführung des griechischen Philosophen Porphyrius in die Werke des Ptolemäus griechisch und lateinisch heraus und schrieb 1557 einen kleinen Dialog über den Nutzen der Astrologie 5. In jener Zeit beschäftigten sich fast alle Astronomen auch mit der Astrologie, die den Menschen helfen sollte, Gottes Willen zu erkennen, aber auch ihr Handeln nach günstigen Sternkonstellationen auszurichten. Wolfs Krankheit und seine oft melancholische Gemütsverfassung machten ihn besonders empfänglich für astrologische Vorhersagen 6, und so ist es nicht zu verwundern, daß man in seinem ausgedehnten Briefwechsel auf astrologische und, damit verbunden, auf astronomische Probleme stößt, die er mit bedeutenden Astronomen erörterte. Der Augsburger Bürgermeister Paul Hainzel und Kaspar Peucer, Professor der Mathematik in Wittenberg z.B., berichteten ihm von ihren Beobachtungen des neuen Sterns von 1572 in der Cassiopeia, der zweithellsten Supernova, wie wir heute sagen, die je beobachtet wurde (Helligkeit - 4,0) 7. Sie war vom November 1572 bis Februar 1574 mit bloßem Auge zu sehen. Mit dem berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546-1601), der 1569/70 als junger Mann ein Jahr in Augsburg zugebracht hatte und 1575 nochmals hier gewesen war 8, blieb Wolf bis zu seinem Tod 1580 in Verbindung. Sie nannten sich verehrter Freund "amicus colendus" und "mi carissime Wolfi" und korrespondierten u.a. über Kometen, Ephemeriden und das System des Kopernikus 9. Wolf wie auch später Henisch standen durchaus noch in der Tradition des geozentrischen Weltbilds. Die Ideen des Kopernikus, die erst 1543 veröffentlicht worden waren, hatten sich selbst in der Gelehrtenwelt noch nicht durchgesetzt, weil die Übereinstimmung zwischen Theorie und Beobachtung nicht wesentlich besser war als bei Ptolemäus, immer noch Epizyklen zur Beschreibung der Planetenbahnen notwendig waren und keine Parallaxe der Fixsterne feststellbar war: Die jährliche Bewegung der Erde um die Sonne muß sich in einer Änderung der Blickrichtung zu den Fixsternen widerspiegeln, die aber erst 1839 nachgewiesen werden konnte. Tycho Brahe versuchte eine Kompromißlösung, bei der zwar die Erde im Mittelpunkt blieb, jedoch Merkur und Venus um die Sonne kreisten.


    Wolf holte 1575 für das Auditorium den Mathematiker und Arzt Dr. Georg Henisch an das Gymnasium. 1576 wurde er fest angestellt, in dem Jahr, in dem Tycho Brahe auf der dänischen Insel Hven die erste große Sternwarte Europas bauen ließ. Über Henischs Leben und Wirken, seine Mitarbeit an der monumentalen astronomischen Uhr, die 1594 am Dom aufgerichtet wurde, die Kometenflugschriften von 1577, 1580 und 1598, die jährlichen Kalender, für die er täglich Beobachtungen durchführte, und seine Veröffentlichungen berichtet Spring in unserer Festschrift Näheres. Das astronomische Lehrbuch von 1575 "Tabulae institutionum astronomicarum" wurde 1591 sogar ins Englische übersetzt. 1971 erschien davon ein Reprint.


    Henisch darf wohl als Gründer der ersten Sternwarte des Annagymnasiums angesehen werden. Der Stadtbaumeister Ellas Holl notierte: "Auch dismahl den Thurn der Bibliothec um 20 Schuh höher aufgeführt, oben mit Kupfer gedeckt und ein Brustmauer darum gemacht mit einem steinernen Gesims. Auf diesem Thurn können die Astronomi die Stern bey der Nacht sehen und ihre Kunst exerciren." 10 1 Augsburger Schuh betrug etwa 30 cm, der Turm, der auch noch eine oder zwei Sonnenuhren erhielt, wurde ca. 24m hoch, die Fläche der Plattform 3.60 x 4.50 qm groß. Dieser Umbau des Turms, der vorher nur etwa so hoch war wie die übrigen sieben Dächer der Bibliothek, fand 1614 statt, zusammen mit dem Neubau eines danebenliegenden Schulgebäudes, des heute noch stehenden Hollbaus. Es ist zu dieser Zeit außergewöhnlich, daß für astronomische Beobachtungen bauliche Veränderungen vorgenommen wurden. Die früheste in Deutschland dürfte 1502 in Nümberg geschehen sein, wo Bernhard Walther, ein Schüler Regiomontans, ein großes Fenster im 5. Stock ausbrechen und davor eine Plattform errichten ließ 11. Landgraf Wilhelm IV von Hessen ließ die Instrumente auf den 1560 eigens dafür angebauten Altanen seines Schlosses aufstellen 12. Meistens aber beobachtete man aus höher gelegenen Fenstern, auf Terrassen, auf der Straße oder im Garten wie Bürgermeister Hainzel, der 1569 auf seinem Gut in Göggingen - also gar nicht so weit von unserer heutigen Schule entfernt - einen großen Quadranten errichten ließ, für den ihm Tycho Brahe die Pläne geliefert hatte 13. Die ersten europäischen Universitätsstemwarten entstanden in den Jahren nach 1630, die meisten erst im 18. und 19.Jahrhundert.


    Leider fanden sich keine Angaben über die Instrumente, die auf der Sternwarte unseres Gymnasiums benutzt wurden. Die Kunde von der Erfindung des Fernrohrs hatte sich ab 1609 in Europa verbreitet, also nur fünf Jahre vor dem Bau des Sternwartenturms. Im gleichen Jahr hatte sich Galilei ein solches Instrument konstruiert und 1610 damit die Jupitermonde entdeckt. 1611 ließ Johannes Kepler hier in Augsburg seine "Dioptrik" drucken, in der er die Theorie des astronomischen Fernrohrs entwickelte, bei dem zwei Konvexlinsen verwendet werden. Der Jesuit und Professor der Mathematik in Ingolstadt Christoph Scheiner baute das erste Fernrohr nach diesen Angaben und berichtete dem Augsburger Stadtpfleger Marcus Welser über seine Beobachtung der Sonnenflecken. Welser gab diese drei Briefe 1612 in seinem Verlag heraus. Von all diesen Entdeckungen hatte Henisch Kenntnis, nicht nur durch die in Augsburg erfolgten Veröffentlichungen, sondern auch durch seinen Briefwechsel mit anderen Gelehrten. Ein Brief von ihm an Kepler von 1602 ist erhalten (Sternwarte Púlkowo bei Leningrad 14). Man könnte sich also schon vorstellen, daß Henisch versuchte, sich von einem Augsburger Brillenmacher ein Fernrohr bauen zu lassen. Ob in diesen Jahren der "berühmte Opticus in Augspurg Johann Wisel (1583 - 1662)" schon "seine Tubi von einer zimlichen Länge und dabey accurat verfertigte, mit denen er die Planeten viele Jahre aneinander observierte" 15, war nicht zu ermitteln. Belegt sind seine Beobachtungen von 1630 bis 1660 16. Zum Anvisieren der Sterne verwendete man neben Sextanten und Quadranten die Sphären oder Ringkugeln. Sie bestanden aus Kreisringen mit Gradeinteilung, die so eingestellt wurden, daß sie in den Ebenen von Horizont, Meridian, Himmelsäquator und Ekliptik lagen. Dann konnten die Koordinaten der Sterne mit Visiereinrichtungen bestimmt werden. Vermutlich hat Henisch die Sphäre und die Globen benützt, die vom Stadtrat bereits 1576 gekauft worden waren, also bald nach Henischs Eintritt ins Gymnasium. In den Baumeisterbüchern der Stadt liest man: "7.Jan. 1576, fl 25 (Gulden) Tobias Kliebern per ein Sphaeram und 2 globos, so man bey Sankt Anna braucht". Außerdem konnte Henisch mit den neuen Sternkarten beobachten, die der Augsburger Ratskonsulent Johann Bayer, ein städtischer Jurist, 1603 hier veröffentlicht hatte. In diesem Sternatlas, der berühmten "Uranometria", bezeichnete Bayer zum ersten Mal die Sterne eines Sternbildes der Helligkeit nach mit fortlaufenden griechischen Buchstaben, was sich bis heute erhalten hat.


    Sphären wie die große Ringkugel von Christoph Schissler, die die Stadt 1606 erworben hatte und die in der Stadtbibliothek stand 17, heute im Maximilian-Museum, waren aber vor allem Anschauungs- und Unterrichtsmittel. Henisch dürfte seinen Schülern daran die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten erklärt haben. Der Unterrichtssaal des Auditoriums lag direkt unter dem Bibliothekssaal.


    Henisch hatte 42 Jahre lang am Gymnasium gelehrt, sich aber an der neuen Sternwarte nur vier Jahre erfreuen können, denn er starb, 69 jährig ein Jahr nach seiner Pensionierung, im Jahre 1618. Im gleichen Jahr erschien ein heller Komet über Augsburg, dessen Schweif sich über mehr als den halben Himmel hinzog. Er verursachte einige Aufregung, glaubte man doch, Kometen seien Vorzeichen kommenden Unheils. Deutlich sieht man dies in einer Schrift von Bernhart Heupold, Lehrer am Gymnasium von 1589 bis 1628: "Von Cometen kurtze erinnerung, darzu anlaittung geben der newe Comet, so in disem instehenden 1618. Jar erschinen und noch an dem Himmel zu sehen ist." 23 Kometen mitsamt dem auf sie gefolgten Unglücksfall sind aufgeführt. Von Elias Ehinger, Nachfolger von Henisch und Rektor ab 1617, der selbst Schüler von Henisch am Annagymnasium gewesen war, erschienen aus diesem Anlaß gleich zwei Schriften im Druck: Eine "Cometenhistoria" ähnlichen Inhalts und "Iudicium Astrologicum von dem Newen Cometa..." (Abb. 2), in der er sich auch über die Beschaffenheit und Bewegung der Kometen Gedanken macht: "Was aber der Cometen natur sey, auß was für einer materia sie gemacht werden, sein die Physici gar ungleicher meinung..." Ehinger setzte den Astronomieunterricht im Auditorium fort 18 wie auch die Tradition des Kalendermachens. Ein Stich von Lukas Kilian aus dem Jahr 1623, der auf dem Turm der Bibliothek einen Mann mit einem Quadranten zeigt, läßt auf die weitere Benutzung der Sternwarte schließen. (Abb. 2)


    Da hatte aber bereits der 30 jährige Krieg begonnen, und das allgemeine Interesse an der Wissenschaft nachgelassen. Johannes Kepler z.B. erhielt 1620 vom Augsburger Stadtrat nur noch eine karge Verehrung von 6 Gulden, nachdem er ihm sein bedeutendes Werk "Harmonices mundi" mit der Bitte übersandt hatte, "es in den schweren Kriegsläufften in der Bibliothec zu deponiren" und den Augsburger Gelehrten zur Begutachtung vorzulegen 19.1629 mußte das evangelische Gymnasium das Schulhaus räumen, 1632 richteten die Schweden die evangelische Herrschaft wieder auf, 1634 wurde das Gymnasium zum zweiten Mal geschlossen, ebenso die Stadtbibliothek und mit ihr vermutlich der Zugang zum Turm! Am Anna-Gymnasium hörte die Astronomie erst einmal auf, zumal Ehinger 1635 Augsburg verließ.


    Als nach dem Friedensschluß das Gymnasium am 12.4.1649 wieder bezogen und 1653 eine neue Schulordnung erlassen wurde, führte man Physik- und Geographieunterricht ein, der aber bald wieder verkümmerte 20. Mathematikunterricht, der auch Elemente der Astronomie (Sphaerica) enthielt, gab es erst wieder ab 1684 21. Von Magister Salomon Haas, dem dies zu verdanken ist, schreibt Paul von Stetten "er war ein großer Mathematiker und Astronom" 22. Leider fand sich insbesondere über seine astronomische Tätigkeit sonst kein Nachweis. Nach seinem Tod 1702 hörte der mathematische Unterricht wieder auf Einem Gesuch seines Sohnes Johann Jacob Haas um Anstellung als Mathematiklehrer 1727 wurde nicht stattgegeben.


    Über die Reformbestrebungen zugunsten des naturwissenschaftlichen Unterrichts in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts berichtet Breit in dieser Festschrift. Erst unter Hieronymus Andreas Mertens, der 1767 als Rektoratsadjunkt an das Gymnasium kam, an dem er schon Schüler gewesen war und von 1773 bis 1799 als Rektor wirkte, wurde 1770 ein neuer Lehrplan eingeführt, der die "Realien" berücksichtigte. Es gab verschiedene Lehrer der Mathematik und der Technologie, unter ihnen Johann Conrad Beuther, der der Schule einige Sonnenuhren überließ, als man 1769 um Sach- oder Geldspenden bat, um den bereits vorhandenen Vorrat an Anschauungsmitteln, Modellen und Geräten zu vergrößern 23. Auch andernorts fand man Gehör 24, und 1778 konnte Rektor Mertens in den Nachrichten des Gymnasiums voll Stolz das Verzeichnis einer außerordentlich reichen Sammlung veröffentlichen, in der die Astronomie gut vertreten war: 25


    Eine sehr schöne horizontale Sonnenuhr auf Stein von Herrn Brander.


    Noch eine dergleichen.


    Ein gnomonischer Archimedischer Körper mit 25 Sonnenuhren von Herrn Beuther.


    Ein gnomonischer Körper von Herrn Beuther.


    Eine Sonnenuhr auf Holz von Herrn Beuther.


    Eine Sphaera armillaris mit dem system Copernicano.


    Ein Doppelmairischer Globus coelesis.


    Ein Globus terrestris.


    Ein Branderisches Planisphaerium Astrognosticon Aequatoriale.


    Eine Englische astronomische Pendeluhr von Herrn Gegenreier.


    Ein Horodicticum meridionale zur Regulierung der Pendel- und anderer Uhren von Herrn Brander.


    Ein Coniglobium (kegelförmige Stemkarte).


    Zwo Mittagslinien, die eine auf dem Gymnasio, die andere im Rectoratshause.


    Ein großer vierschuhiger Newtonischer Tubus von Herrn Brander.


    Ein sechszehnschuhiger Tubus von Herrn Rathsconsulent Tauber sel.


    Doppelmairs Atlas coelestis.


    Tobias Maieri Atlas mathematicus (erschienen 1745 in Augsburg, enthält 10 astronomische Tafeln).


    Diese Geräte stellte man gelegentlich auch der Öffentlichkeit vor, z.B. beim Examen und der Preisverleihung oder in Vorträgen "für alle erwachsenen Leute, die Wißbegierde besitzen", um zu zeigen, daß alles zum Nutzen der Schüler angewendet wird" 26.


    In dem Verzeichnis findet man öfters den Namen des Mechanikus Georg Friedrich Brander, eines der bedeutendsten Instrumentenbauer des 18. Jahrhunderts, der seit 1734 bis zu seinem Tod 1783 in Augsburg lebte. Sein Schwiegersohn und Mitarbeiter, Christoph Caspar Höschel unterrichtete von 1772 bis 1782 Physik, Mechanik und Mathematik am Anna-Gymnasium 27. Brander hatte 1753 für die Stadtbibilothek einen Universalsonnenring geliefert, eine an allen Orten verwendbare minutengenaue Sonnenuhr, mit der man auch die wahre Mittagslinie, die Polhöhe, die Abweichung der Magnetnadel u.a. bestimmen konnte 28. 1737 hatte er die ersten Spiegelfernrohre in Deutschland gebaut. 1769 besaß die Schule von ihm ein etwa 1.40 m langes Newtonsches Teleskop mit einem Metallspiegel. Anfang 1776 war kurz nach seiner Erfindung das Branderische Planisphaerium, ein kleines Fernrohr, das zum Einstellen der Sterne mit Teilkreisen und Sternkarte versehen war, vom Scholarchat gekauft worden (Abb. 3). Mertens berichtete im März 1776: "Wir freuen uns, daß unsere Schule die erste in Deutschland ist, welche das Glück hat, von diesem Instrumente Gebrauch zu machen" 29. Zwei Jahre später beschrieb er begeistert die Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 24. Juni 1778 (nachmittags 4 Uhr) mit diesem Gerät. Der Stundenkreis konnte bei richtig vorhandener Mittagslinie (Südrichtung) auf halbe Minuten eingestellt und abgelesen werden. Man konnte auch, "wenn bei heiterer kalter Nacht das Gewölbe des Himmels mit Sternen ganz besäet ist, und man beinahe alle Größen oder, wie z.E. bei der Coma Berenices geschiehet, einen ganzen Büschel von Sternen auf einmal im Tubo sehen kann", jeden Stern finden und Aufgang, Kulmination, Untergang und die Koordinaten nach Minuten ablesen. Benutzt wurde dabei der Nürnbergische Himmelsbote mit Angaben über die Planeten und der zum Instrument gehön'ge Fixsternkatalog. Dann liest man bei Mertens aber auch: "Nur dies will ich Ihnen voraus sagen, daß eine beständige kleine Übung dazu gehört, wenn es nicht bald wieder soll vergessen werden. Freylich muß die Anwendung der Sache zu Nacht dem Schüler überlassen werden. Denn wer wird wol verlangen, daß ein Mann der sich bey Tage schon müde dociert hat, zu Nacht auch noch Lection gebe?" 30 Das Planisphärium (Inv.Nr. 3538) und der Sonnenring (Nr. 3535) stehen heute im Maximilian- Museum, Augsburg.


    Mertens gab auch zwei Lehrbücher heraus, in denen er den Naturwissenschaften und der Mathematik breiten Raum einräumte: "Vorbereitung zur Erlernung der nützlichsten Wissenschaften zum Gebrauche der mittleren Classen des Gymnasiums bey St. Anna in Augsburg, 1771" und Hodegetischer Entwurf einer vollständigen Geschichte der Gelehrsamkeit. Für Leute, die bald auf Universitäten gehen wollen oder kaum dahin gekommen sind. Augsburg 1779/80". Im zweiten Buch lesen wir am Schluß des Kapitels Mathematik, zu der auch die Astronomie, die optischen Wissenschaften und die Zeitmessung gehörten: "Astrologie ist keine Wissenschaft sondern Grillenfängerei; daher räumen wir ihr keinen Platz ein." Wie hatte sich die Auffassung seit Wolf, Henisch und Ehinger gewandelt! Dagegen erleben wir heute, 1981, wie gut noch mit Horoskopen verdient wird, und wie im Fernsehen Sendungen und Sendereihen ausgestrahlt werden, die die Astrologie ernst nehmen oder zum Zuschauerfang benutzen.

    Hallo,
    dieser Bericht erinnerte mich an meine Jugendzeit in der astronomischen Vereinigung Augsburg. Ich hatte das Glück als 14jähriger öffter den Zeiss Coudé-Refraktor mit 20 cm und 3 m Brennweite und einem vierzölligem Sucherfernrohr mit Protuberanzenansatz auf dem Sankt Anna Gymnasium zu verwenden.
    Das ganze ist jetzt auch schon zwei Jahrzehnte her....
    Vom Refraktor und der Montierung kann ich Euch leider kein Bild zeigen, ich habe von früher nur Dias. Selbst über Google konnte ich kein einziges Bild finden.



    Aber diesen Interessanten Bericht den ich gefunden habe möchte ich Euch nicht vorenthalten.


    (Ich habe übrigens nichts kaputt gemacht.... und auch nicht die Linse geputzt....)




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    Überholung des Fernrohrs in der Sternwarte




    Unter anderem mit Hilfe des Protestantischen Studienfonds, der Societas Annensis und des Elternbeirats konnten dem Alter und der intensiven Benutzung der Sternwarte entsprechend zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren durchgeführt werden. Der vorläufige Höhepunkt war die dringend nötig gewordene Generalüberholung des großen Fernrohrs - einem Coudé-Refraktor mit 3 m Brennweite.


    Hier nur ein kurzer Auszug aus der Liste der Mängel, die 30 Jahre intensiver Nutzung verursacht hatten:


    Das Objektiv war durch vielfache Reinigung sehr verkratzt.
    Die Justage der Linsen hatte sich verstellt.
    Die drei Umlenkspiegel hatten stark an Reflexionsvermögen eingebüßt, z. T. waren die Oberflächen zerstört.
    Der Protuberanzansatz war unbrauchbar geworden.
    Die Gegengewichte mit mehr als 50 Kilogramm je Gewichtsscheibe und fast alle Inbusschrauben der Befestigung waren festgerostet.
    Der Antrieb für die Fernrohrnachführung war völlig veraltet und nur noch eingeschränkt brauchbar.
    Die Lager waren ausgeschlagen.
    Der Okularauszug hatte Klemmstellen.
    Die umfangreichen Arbeiten wurden von der Firma Baader Planetarium, Mammendorf, übernommen, welche den Wendelstein-Chronographen restauriert hatte.


    Das Gerät wurde bis auf die letzte Schraube zerlegt und nach Ersatz der Verschleißteile neu aufgebaut. Es erhielt eine moderne Steuerung mit Schrittmotoren auf beiden Bewegungsachsen, die für eine Computersteuerung vorbereitet sind. Die drei Objektive wurden unter Mithilfe von Mitarbeitern von Carl Zeiss Jena auf eine höhere Leistungsstufe gebracht. Um Linsenfehler auszugleichen, wurden die Linsenoberflächen mit Original-Schleifschalen von Carl Zeiss Jena planoptisch auf 1/10-Lambda genau poliert. Die drei Umlenkspiegel wurden in Amerika mit einer 40-lagigen dielektrischen Schicht vergütet und erzielen nun eine höhere optische Genauigkeit als zuvor. Dadurch sind die Spiegel nun auch wesentlich kratzfester und haben ein Reflexionsvermögen von über 99 Prozent. Mit der neuen Beschichtung der Spiegel und der wesentlich genaueren Politur der Objektivoberflächen leistet das Fernrohr jetzt an seinem Standort, der durch das Wachstum der Stadt und der damit verbundenen Lichtverschmutzung des Himmels an Beobachtungsqualität einbüßte, mehr als in den ersten Jahren. Das Protuberanzen-Fernrohr wurde ebenfalls von Grund auf überholt. Mit seiner neuen Lackierung sieht das gesamte Fernrohr wie neu aus.


    In den Werkstätten von Baader wurde das Fernrohr montiert und mit einem Laser auf einer optischen Bank von Carl Zeiss genau justiert, was ansonsten nur mit einem erheblichen Aufwand vor Ort möglich gewesen wäre. Aus diesem Grund sollte nun das fertige Fernrohr komplett montiert und justiert von oben in die Kuppel in über 20 m Höhe an seinen alten Standort gesenkt und montiert werden.


    Am 27. November 1997 war es dann so weit. Die Fa. Baader hatte das Fernrohr auf einem provisorisch gegossenen Betonsockel montiert und sorgfältig verzurrt in einem LKW angeliefert. Die Komplettmontage des Fernrohrs wurde erst durch die freundliche Unterstützung der Fa. Schmidbauer KG möglich, die uns einen Autokran stellte. Als der Autokran dann pünktlich um 10.30 Uhr auf den Sportplatz fuhr, waren wir von den Dimensionen überrascht. Wegen der ungünstigen Bedingungen war ein 80-t-Kran (!) mit einem langen Ausleger nötig. Nur in München gibt es noch einen größeren Autokran - von Spezialgeräten abgesehen. Gleich zu Beginn gab es Schwierigkeiten, da die Seitenstützen des Autokrans trotz Unterlage von starken Bohlen einsanken. Uns Laien überkam schon die Befürchtung, dass die ganze Aktion zum Scheitern verurteilt sei. Herr Straßer, der Kranführer, hatte das beim Befahren des Sportplatzes jedoch schon vorausgesehen und einen Tieflader mit großen Stahlplatten als Unterlage bereitgestellt.


    Nach Abschluss der Arbeiten zeigte es sich, dass der Ausleger auf über 42 Meter ausgefahren werden musste und einer tragfähigen Abstützung bedurfte. Größte Präzision war bei dieser Arbeit Voraussetzung, damit das optische Gerät keinen Schaden nimmt und die Justierung erhalten bleibt.


    Die Mitarbeiter der Fa. Baader hatten dem Teleskop ein Hubgeschirr aus Bergsteigerseilen verpasst und am werkseigenen Kran getestet. Der spannendste Augenblick war gekommen, als der Kran das Teleskop an den Haken nahm. Aber das Zusammenspiel der Profis war perfekt und der Kranführer machte - per Funk von einem Mitarbeiter Baaders dirigiert - mit dem Teleskop quasi eine Punktlandung auf dem Sockel in der Kuppel. Dort nahmen es drei Leute der Fa. Baader Planetarium in Empfang und schraubten es auf der Standsäule fest. Danach wurden u. a. das Sucherfernrohr und der Protuberanzenansatz moniert.


    Nach zweieinhalb Stunden war die Aktion abgeschlossen. Nun warten wir im Augsburger Nebel darauf, dass wir mit diesem Fernrohr eine offizielles, zweites "First Light" genießen können.


    Wir danken der Firma Baader Planetarium, dass sie diesen, den Rechnungsbetrag deutlich übersteigenden Aufwand leistete und unser Fernrohr so hervorragend restaurierte.


    Auch der Fa. Schmidbauer wird für die spontane und äußerst fachmännisch durchgeführte Hilfe herzlich gedankt.



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    Vielleicht finde ich noch ein Bild dann stell ich es rein.
    Grüsse
    Wolfram

    Hallo Thomas,


    ich möchte Dir ja nicht den Mut nehmen, aber bei einem 18" f4 mit
    25mm Dicke wirst Du den Astigmatismus auch in einer Spiegelzelle nicht
    quantifizieren können.


    Was Dir bleibt (die Voraussetzungen hast Du ja anscheinend mit dem
    fertigen Dobson) direkt am Stern intra,- extra und im Focus zu prüfen.
    Bist Du im Fokus mit dem Sternbild zufrieden dann lass es gut sein.:)


    Versuche die Parabel bestmöglich hinzubekommen.
    Beim parabolisieren einen evtl. Astigmatismus korrigieren zu wollen halte
    ich für ein aussichtsloses unterfangen.


    Bitte berichte über die Ergebnisse der Messung in der Spiegelzelle


    Viele Grüsse
    Wolfram

    Hallo Richhard,


    tolle Montierung, tolle Sternwarte !


    So Komerziel ist das bei mir nicht. Es sammeln sich nur immer weitere Spiegel an.... Vielleicht sollte ich auch eine eigene Webseite dazu machen.


    Pyrex Scheiben gibt es bis einen Meter Durchmesser. Die maximale Dicke liegt bei 2 1/4 Zoll. Noch planschleifen dann bleiben rund 52mm. Für einen 800mm ist das schon recht knapp, für einen 900mm müsste was dickeres genommen werden.


    Bedenke bitte das Gewicht, ein 800mm mit 52mm hat um die 55kg ein 900mm mit 70mm schon über 100kg!



    Grüsse
    Wolfram

    Hallo suessenberger,


    vom obigen 20" sowie einem identischen zweiten 20" liegt Wolfgang nur das IGramm und einige Bilder vor. Aber einen 21" von mir hatte er vor kurzem selbst in seiner Werkstatt. Vielleicht schreibt er was dazu.


    Grüsse
    Wolfram

    Hallo zusammen,


    Wolfgang meinte ich sollte mich doch auch mal anmelden, dies möchte ich hiermit tun.


    Mein Name ist Wolfram, bin 41 Jahre alt und komme aus Augsburg.
    Im Alter von 14 Jahren, damals noch Mitglied der astronomischen Vereinigung Augsburg, hat mich das Spiegelschleiffieber gepackt.
    Der erste, ein sechs Zöller, liegt heute noch auf meinem Schreibtisch und ist der einzige geblieben der nie fertiggestellt wurde ....
    Etliche weitere Spiegel folgten, natürlich immer mit dem selbstauferlegten Anspruch einen perfekten Parabolspiegel zu erstellen.


    Mit Wolfgang Rohr bin ich gerade dabei meine Meßtechnik weiter zu verbessern. An dieser Stelle herzlichen Dank für die Tipps!


    Viele Grüsse
    Wolfram